WOCHENEND-KOLUMNE
Für viele Fußballklubs wird es finanziell extrem brenzlig – auch für FCK-Konkurrenten
Hoffen. Bangen. Kleinere Brötchen backen. Wie für viele von uns waren die vergangenen Monate auch für die meisten Profifußballklubs vor allem der Dritten Liga und der Regionalliga hart. Die Aussichten für das operative Geschäft in den kommenden Monaten sind nicht besser angesichts der weiter grassierenden Pandemie. Immerhin können Drittliga-Fußballer und die Spieler in zwei Regionalligen ihren Beruf weiter ausüben im Gegensatz zu den ungleich härter betroffenen Menschen in anderen Branchen, allen voran in der Gastronomie, in der Reisebranche, im Messebau oder in der Kulturszene.
Vielen geht es deutlich schlechter – auch der Zirkusszene
Gar nicht zu reden von Zirkusleuten. Ein Beispiel habe ich stets vor Augen, wenn ich ins Bad Dürkheimer Gewerbegebiet fahre. Dort hat ein Zirkus mit Mensch und Tier seit nun knapp einem Jahr notgedrungen sein Lager aufgeschlagen. Keine Vorstellungen, null operatives Geschäft. Stattdessen bitten die Artisten auf Supermarkt-Parkplätzen um Spenden für Tierfutter. Verglichen mit solchen schlimmen Situationen geht es den Profifußballern auch in der dritthöchsten Spielklasse, die für viele größere Klubs schon vor der Pandemie ein Verlustgeschäft war, noch sehr, sehr gut. Einbußen im operativen Geschäft aber werden auch sie noch länger hinnehmen müssen. So sind sie abhängig davon, wie viel Gönner im Hintergrund, so es sie gibt, darbenden Drittliga-Klubs wie dem 1. FC Kaiserslautern, dem SV Waldhof oder dem 1. FC Saarbrücken zahlen; ähnlich ist es bei vielen Viertligisten.
FCK wird immer abhängiger von seinen Finanziers
Dem SV Waldhof hat Präsident und Geldgeber Bernd Beetz jüngst geholfen, kurzfristig eine Lücke von 717.000 Euro zu schließen. Konkurrent Kaiserslautern ist in hohem Maße abhängig von den fünf Investoren oder vielmehr den fünf reichen Fans und FCK-Unterstützern Peter Theiss, Giuseppe Nardi, Klaus Dienes, Dieter Buchholz und Axel Kemmler. Sie haben über ihre Saar-Pfalz-Invest GmbH für elf Millionen Euro rund 33 Prozent des genehmigten Kapitals an der FCK-Profifußball-Gesellschaft übernommen und in Folge des Insolvenzverfahrens so erst eine Fortführung des Spielbetriebs möglich gemacht. Diese Fans/Investoren, die schon unter der früheren Klubführung ein größeres Engagement avisiert hatten, wollen weiter helfen. Auch bei der Entschuldung des FCK e. V. mit seinen noch rund 6,8 Millionen Euro Verbindlichkeiten.
Ganz wesentliche Umsätze fehlen
Immerhin: Magenta Sport, eine Marke des Konzerns Deutsche Telekom, der wegen der erhöhten Digitalumsätze nicht zu den Krisenverlierern gehört, zahlt jedem Drittligisten rund 1,3 Millionen Euro pro Saison für die Übertragungen der Spiele. Kein Vergleich zu den um ein Vielfaches höheren TV-Gelder in den höchsten beiden Ligen. Aber durch Magenta-Sport und die Bilder in den dritten Programmen oder in der ARD-Sportschau bleiben die Trikot- und Bandensponsoren der Drittligisten sichtbar und zahlen weiter: wichtige Umsätze in einer Zeit, in der die Gelder der Stadionbesucher komplett fehlen. So gibt es keine Umsätze aus Catering – weder an der Bier- und Bratwurstbude noch im noch lukrativeren Bereich der Bewirtung von VIP-Gästen, verbunden mit deren hohen Zahlungen für Logen und „Business“-Plätze.
Extremfall KFC Uerdingen und Ponomarew
So wird es finanziell für viele Klubs äußerst brenzlig und die Abhängigkeit von einzelnen Geldgebern immer größer. Siehe FCK oder die Extremfälle 1860 München mit Hasan Ismaik oder KFC Uerdingen, wo Michail Ponomarew nun seinen Rückzug angekündigt hat. Vier bis fünf Millionen Etat für ein Drittliga-Team, das gegen den Abstieg kämpft, brauche man, sagte Ponomarew. Das trifft exakt auch auf den FCK zu: Der steckt mit einem Lizenzspieler-Saisonetat von gut fünf Millionen Euro im Abstiegskampf. Und muss nun beim starken Aufsteiger Verl ran. Dessen Etat ist geringer. Dafür herrscht dort viel Ruhe im Klub und im sehr überschaubaren Umfeld.
