Handball
Eulen Ludwigshafen – so hippelig wie vorm ersten Date
Erst am 17. Mai stand Aaron Ziercke, der Trainer von GWD Minden, zuletzt Rede und Antwort im Foyer der Friedrich-Ebert-Halle. Damals freute er sich, so halbwegs, über ein 27:27 bei den Eulen Ludwigshafen. Am Freitag war die Freude etwas größer, denn seine Mannschaft holte einen 28:27-Sieg in Ludwigshafen. „Jetzt haben wir einen mehr geworfen, worüber ich sehr glücklich bin“, betonte der Gästetrainer. Philipp Vorlicek traf 14 Sekunden vor Schluss, der letzte Wurf von Finn Leun war zu harmlos. Ziercke, ein höflicher und netter Gast, meinte: „Ich bin mir sicher, dass noch einige Mannschaften hier Punkte lassen werden.“
Die Friedrich-Ebert-Halle gilt als heißes Pflaster, um aber die nötigen Punkte in Ludwigshafen zu behalten, dürfen sich die Eulen nicht so viele Fehler erlauben wie am Freitag. Kian Schwarzer, der die Mannschaft als Kapitän aufs Feld führte, hatte eine kurze Analyse parat. „Wir haben ein paar technische Fehler zu viel gemacht“, sagte der Linksaußen.
Viele Unzulänglichkeiten
Wohl wahr! Die Eulen kämpften, sie bissen, sie ließen sich auch von Rückständen nicht entmutigen, aber in der Summe hatten sie einfach zu viele Unzulänglichkeiten. Die Spieler waren zeitweise so hippelig wie vor dem ersten Date. Sie fingen den Ball nicht, brachten Anspiele nicht an den Mann, trödelten beim Konter, nahmen sich überhastete Würfe, vergaben Chancen frei vor dem Torhüter. Trainer Johannes Wohlrab ließ mildernde Umstände für seine Mannschaft gelten, verwies darauf, dass das Team noch nicht eingespielt sein könne. „Magnus Grupe hat dreimal mittrainiert“, sagte Wohlrab über den Leihspieler der Rhein-Neckar Löwen.
Grupe – ein sehr gutes Stichwort. Es war Mats Grupe, der bei den Eulen hervorstach und im ersten Saisonspiel gleich auf Betriebstemperatur war. Die offizielle Statistik weist zwölf Paraden für den Keeper aus. Aber auch er konnte die Niederlage nicht verhindern. „Ich glaube, dass wir wirklich eine gute Abwehr gestellt haben. Der Innenblock hat die meiste Zeit super gedeckt. Die Abwehr hat es mir auch einfach gemacht. Aber wenn ich meine Leistung eintauschen könnte gegen einen Sieg, dann würde ich es machen“, erläuterte der 21-Jährige. „Die Niederlage ist ärgerlich, es war mehr drin. Wir haben gut gefightet, sind nach einem Drei-Tore-Rückstand zurückgekommen. Das Ergebnis tut ein bisschen weh“ , fand Mats Grupe, der erstmals wieder mit seinem Bruder Magnus in einer Mannschaft zusammenspielte. „Es war gewohnt“, sagte er.
Schaller nervenstark
Es war mehr drin. Der starke Mex Raguse, mit sieben Toren bester Eulen-Werfer, musste aber kurz vor Schluss in Bedrängnis abziehen, weil die Hand der Schiedsrichter schon oben war. Zeitspiel drohte. Minden machte es besser. Ebenfalls im Soll: Linksaußen Tim Schaller, der alle seine sechs Siebenmeter verwertete.
So war denn das erste Spiel nach seiner Rückkehr zu den Eulen für Freddy Stüber eine sehr emotionale Geschichte, aber der Abend war eben nicht von Erfolg gekrönt. Filmreif: Der Kreisläufer warf das 1:0. „Ich hatte Gänsehaut bei meinem ersten Treffer. Da habe ich gedacht: Ich bin wieder zu Hause. Das war das Feeling, das ich mir gewünscht habe“, sagte Stüber. „Einzig und allein die technischen Fehler haben das Spiel entschieden. Da hat uns dann die Reife gefehlt, wenn wir zwei Tore weg waren, noch einen Schritt drüber zu gehen, um uns abzusetzen. Man hatte immer das Gefühl, beide Mannschaften sind im Spiel, das ist gegen so eine erfahrene Mannschaft brutal“, erklärte Stüber. Wie sieht denn nun die Erste Hilfe aus? Am Mittwoch geht es ja schon weiter. „Ich kann versuchen, Ruhe reinzubringen, gerade in stressigen Phasen. Wenn vielleicht gewischt wird, dass wir da noch einmal zusammen kommen und in der Absprache noch ein, zwei kleine Details klären“, sagte der 29-Jährige.
Gleich wieder eine Herausforderung
Die kommende Partie ist gleich wieder eine Herausforderung. Denn mit dem HC Elbflorenz Dresden stellt sich ein Spitzenteam am Mittwoch (19.30 Uhr) in der Friedrich-Ebert-Halle vor. „Das ist eine Mannschaft mit extrem viel Qualität, die wenig Fehler macht. Von der Mannschaft kann man ganz viel erwarten. Der Mannschaft kann man getrost die Favoritenrolle zuschieben“, erklärte Stüber.
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