Handball
Eulen Ludwigshafen lösen die Handbremse
Tief durchatmen. Aller Anfang war auch in der Ebert-Halle schwer. Aber durch eine enorme Leistungssteigerung in der zweiten Halbzeit fuhren die Gastgeber am Montag den ersten Saisonsieg ein.
Die Eulen taten sich vor 1495 Zuschauern schwer, ins Spiel zu kommen. Sie hatten Schwierigkeiten, ihren Rhythmus zu finden. Sie waren nervös. Die Gäste spielten lange Angriffe, verschleppten das Tempo. Trainer Johannes Wohlrab hat seine Anfangsformation gefunden, in Mex Raguse im halblinken Rückraum und Kian Schwarzer als Linksaußen starteten zwei Neuzugänge. Für den verletzten Tim Schaller rückte Gianluca Herbel nach, seit diesem Sommer beim HLZ Friesenheim-Hochdorf unter Vertrag. Mex Raguse avancierte gleich zum Dreh- und Angelpunkt im Spiel, Kian Schwarzer war mit zehn Treffern der erfolgreichste Torschütze. Drei Tore erzielte er durch Siebenmeter. „Ich hatte Gänsehaut, zum ersten Mal in der Ebert-Halle zu spielen. Die Nervosität aus der ersten Halbzeit haben wir abgelegt. Wir haben den starken Aufsteiger niedergekämpft“, sagte Schwarzer.
Etwas zu viel Körperlichkeit
Das große Manko der Eulen war zunächst die Chancenverwertung. So scheiterten die Angreifer in der ersten Halbzeit mehrmals in aussichtsreicher Position. TuS-Torhüter Stefan Hanemann, von 2017 bis 2020 bei den Eulen, hielt prima. Wie erwartet, spielten die Gäste in der Abwehr sehr körperbetont. Tolga Durmaz übertrieb es in der 27. Minute und sah nach einem harten Foul an Jannek Klein die Rote Karte. Sein Trainer, Davor Domenikovic, in der Bundesliga beim THW Kiel, der SG Kronau-Östringen, HSV Hamburg und HBW Balingen-Weilstetten aktiv, war nicht amüsiert.
Durch das schludrige Wurfverhalten lagen die Eulen ab der 16. Minute im Rückstand. Wie wichtig, dass Eulen-Torhüter Mats Grupe ein klasse Spiel machte. So gingen die Eulen nur mit zwei Toren Rückstand in die Pause. 11:13 hieß es. Elf Tore im ersten Abschnitt – mager!
Nach einer Parade folgt der Lauf der Eulen
Seine womöglich wichtigste Parade verbuchte Mats Grupe in der 35. Minute, als er einen freien Ball von Milan Mazic hielt. Da ein Tor – dies wäre das 18:15 für Vinnhorst gewesen. Drei Tore Rückstand... Danach war es ein anderes Spiel, da die Eulen (endlich) die Handbremse lösten, mit dem munteren Heimpublikum im Rücken schnell den Ausgleich zum 17:17 schafften; auch, weil der eingewechselte Torhüter Ziga Urbic einen Siebenmeter des sehr agilen Falk Kolodziej abwehrte.
Die Eulen waren jetzt im Flow. Auch Maximilian Haider am Kreis steigerte sich, der starke Alexander Falk brachte die Gastgeber erstmals wieder seit dem 4:3 in Front. 19:18! Die Eulen spielten nun mit Schwung, vor allem mit Überzeugung. Jetzt war Dampf in den Aktionen. Die Spielfreude war plötzlich da. Das sah alles leichter und lockerer aus. Und auch die eine oder andere Unzulänglichkeit stoppte das Team nicht mehr.
Der Mann des Abends steht im Tor
So sieht Selbstbewusstsein aus: Marc-Robin Eisel tankte sich drei Minuten vor dem Abpfiff durch und markierte das 30:25. Die Gäste mussten erkennen, dass an diesem Abend in der Ebert-Halle nichts zu holen ist. Torhüter Mats Grupe hielt sein Niveau. Mats Grupe – das war der Mann des Abends. „Die Abwehr hat sich in der zweiten Halbzeit wesentlich gesteigert und hat mir geholfen, so viele Paraden zu zeigen. Am Ende war es ein verdienter Sieg“, sagte Grupe.
Die Fans feierten ihre neue Mannschaft. Die zweite Halbzeit war furios.