handball RHEINPFALZ Plus Artikel Ein lehrreicher Nachmittag für die deutsche Nationalmannschaft

Aha-Effekt: Philipp Weber vom SC Magdeburg warf gegen Island vier Tore.
Aha-Effekt: Philipp Weber vom SC Magdeburg warf gegen Island vier Tore.

Die deutsche Nationalmannschaft verliert das erste von zwei Testspielen gegen Island am Samstag mit 30:31. Wenige Tage vor der Weltmeisterschaft in Polen und Schweden sieht es lange sehr gut aus. Durch viele Wechsel geht der Rhythmus verloren.

Der starke Kai Häfner redete nicht lange groß drum herum. „Das fühlt sich im Moment nicht gut an. Wir hätten das Spiel gerne gewonnen. Es gab viele Dinge, die wirklich schon sehr gut gelaufen sind. Diese Spiele sind sehr, sehr wichtig. Da gibt es wertvolle Erkenntnisse“, sagte der Halbrechte nach der vermeidbaren Niederlage vor 8872 Zuschauern in der ausverkauften ÖVP-Arena in Bremen. 50 Minuten lang war die deutsche Auswahl das bessere Team. Sie war am Drücker, erspielte sich einen komfortablen Vorsprung.

Gute Ansätze

Nach (nur) fünf Tagen Training zeigte die Mannschaft schon gute Ansätze. Bereits in WM-Form: Torhüter Andreas Wolff, der gerade bei Würfen von den Außenpositionen nur schwer zu bezwingen war. Im Mittelblock, nach der Ära Hendrik Pekeler/Patrick Wiencek bei den vergangenen Turnieren die Achillesferse, begann neben dem gesetzten Kapitän Johannes Golla der junge Julian Köster. Gegen die trickreichen, beweglichen Isländer klappte das recht gut. Auch der Rückraum mit Kai Häfner, Juri Knorr und Philipp Weber wusste zu überzeugen. Einmal betrug der Vorsprung gegen den WM-Geheimfavoriten sechs Tore, und zwar bei 23:17. Das deutsche Team schien auf Kurs.

Gislason wechselt viel

Es war ein Vorbereitungsspiel, klar, deshalb wechselte Bundestrainer Alfred Gislason in der zweiten Halbzeit durch. Joel Birlehm von den Rhein-Neckar Löwen kam für Andreas Wolff ins Tor und tat sich schwer, weil die Abwehr nun mehr Lücken aufwies, die Isländer etliche Konter laufen konnten. Im Angriff vergaben Lukas Zerbe und Rune Dahmke, die auf Außen für Patrick Groetzki und Lukas Mertens mitmachen durften, während der Aufholjagd des Sparringspartners zwei gute Chancen.

„Es gab einen Bruch im Spiel. In den Minuten haben wir zehn technische Fehler gemacht. Das hat uns das Genick gebrochen. Es war ein lehrreiches Spiel“, bilanzierte Bundestrainer Alfred Gislason. Erkennbar: Der zweite Anzug saß in Bremen nicht. Sein früherer Zimmergenosse in der Nationalmannschaft, Gudmundur Gudmundsson, Auswahltrainer Islands, folgerte: „Ich bin zufrieden. Es war ein sehr gutes Trainingsspiel. Wichtig war, dass sich kein Spieler verletzt hat. In den ersten 20 Minuten hatten wir Probleme in der Abwehr, danach standen wir besser“, sagte der Coach.

Zehn technische Fehler

Zehn technische Fehler – auch der lange überzeugende Spielmacher Juri Knorr ließ sich von der allgemeinen Unsicherheit anstecken und riskierte bei seinen Anspielen an den Kreis einfach zu viel. Knorr gelangen wie Johannes Golla sechs Tore. „In den letzten Minuten hätten wir es abgeklärter zu Ende spielen müssen“, befand Rückraumspieler Paul Drux. „Wir müssen die Ruhe bewahren, auch wenn der Arm der Schiedsrichter mal oben ist“, sagte Rune Dahmke.

Bereits am Sonntag (15.30 Uhr) treffen die Mannschaften in Hannover wieder aufeinander. Die Trainer gingen von einer kurzen Nacht aus, beide werden sich das muntere Testspiel noch einmal anschauen und dann ihre Analyse den Spielern am Vormittag vorstellen. „Wir haben 45 Minuten einen guten Handball gezeigt, vor allem defensiv. Man hat aber auch gesehen, woran wir noch arbeiten müssen“, betonte Rechtsaußen Patrick Groetzki.

Deutschland trifft bei der Weltmeisterschaft in Kattowitz, die am Mittwoch mit der Partie zwischen Polen und Frankreich beginnt, auf Katar, Serbien und Algerien. Die Isländer haben mit den Gegnern Portugal und Ungarn eine wesentlich schwierigere Gruppe erwischt.

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