Kommentar
Ein Ausdruck der Menschlichkeit
Hanna Klein, die 28-Jährige aus Edenkoben, die deutsche Meisterin über 3000 Meter, hat ganz klar Farbe bekannt – mit einem gelb-blauen Armband. Dazu im Zieleinlauf das Victory-Zeichen mit gespreiztem Zeige- und Mittelfinger, mit dem sie nach „Frieden“ rief. Sie hatte sich im Vorfeld überlegt, wie sie Solidarität zeigen könne. Sie wollte kein politisches Statement abgeben, sondern einen Ausdruck der Menschlichkeit offenbaren. Weil doch der russische Angriff auf die Ukraine „uns alle betrifft“, sagte sie. Maximilian Thorwirth, der ebenfalls die 3000 Meter mit gelb-blauem Armband gewann, hatte sich sogar im Siegerinterview wütend gezeigt, dass Leverkusener Athleten die aufgemalte Ukraine-Fahne auf dem Arm abkleben mussten.
Gute Gründe
Jedes Zeichen ist wertvoll, jede Solidaritätsbekundung. Aber nicht jede ist im Sport möglich. Noch nicht. Oft verhindert dies das Regelwerk, und das hat auch gute Gründe. Nur: Wenn schon der Verband auch den zweiten DM-Tag mit einer Schweigeminute beginnt und die ukrainische Fahne im Videowürfel zeigt, muss es den Athleten möglich sein, mehr zu zeigen als das, was Regeln sagen. Nämlich das, was ihnen ihre innere Stimme sagt.
„Ich kann die Emotionen nachvollziehen. Wir fördern mündige Athleten und müssen gerade in einer solch bedrohlichen Zeit auch darüber nachdenken, ob nationale und internationale Regelwerke nicht prospektiv angepasst werden müssen“, erklärte DLV-Vorstandsvorsitzender Idriss Gonschinska.
Der Krieg in Europa hat tatsächlich die sportlichen Leistungen in Leipzig relativiert. Und das ist gut und richtig so.
