Motorsport RHEINPFALZ Plus Artikel DTM nach Hockenheim-Finale: Das ist der neue Gesamtsieger

Von seinen Gefühlen überwältigt: Ayhancan Güven.
Von seinen Gefühlen überwältigt: Ayhancan Güven.

Sonst ist er eher ein cooler Hund, sehr selbstbewusst, direkt. Doch im Ziel des 18. und letzten DTM-Rennens der Saison 2025 fließen bei Ayhancan Güven die Tränen.

Immer wieder wurde der 27-jährige Türke Ayhancan Güven von seinen Emotionen überwältigt. Mit dem Titel in der DTM hat sich „Can“ einen lebenslangen Traum verwirklicht. Und diesen Traum in der letzten Runde des Rennens auf dem Hockenheimring mit einem fast schon historischen Triumph zur Realität gemacht.

Güven gehörte am Sonntagmorgen nach dem Qualifying zu den sieben Piloten, die noch DTM-Champion werden konnten. Aber bezeichnenderweise war er der einzige Titelkandidat, der sich im Qualifikationstraining als Zweiter Meisterschaftspunkte holte. Alle anderen gingen leer aus. Ein gutes Omen? Hier die Renngeschichte.

Ausruhen ist nicht

Tabellenführer Lukas Auer im Mercedes kann sich auf seinen 175 Zählern nicht ausruhen. Ihm im Nacken sitzen Thomas Preining (Porsche, 172), René Rast (BMW/169), Maro Engel (Mercedes/168), Güven (167), Jordan Pepper (Lamborghini/164) und Jack Aitken (Ferrari/162). Die Startpositionen der Verfolger lassen aber meist zu wünschen übrig. Weite Wege bis an die Spitze.

Auch für Güven, der vor dem Wochenende mit 17 Punkten Rückstand auf Auer nicht zum allerengsten Titelanwärterkreis gehörte. Aber schon am Samstag hamsterte „Can“ mit Platz fünf wertvolle Punkte. Der Finallauf ist dann dramatisch. Rast ist schnell raus nach unverschuldetem Unfall, Preining kann an die Form seines Samstagssieges nicht anknüpfen, Aitken und Pepper werden disqualifiziert, der Showdown findet zwischen Auer, Engel und Güven statt. Der liefert sich mit Marco Wittmann im BMW ein haarsträubendes Duell. Verliert in der letzten Runde die Führung, kämpft sich auf den letzten Metern in einem dramatischen Türklinkenduell mit Lackaustausch wieder am BMW vorbei und sieht als Sieger die Zielflagge. Zum fünften Mal in dieser Saison, mehr als jeder andere im Feld. Schon deshalb ein würdiger Champion. Und der erste türkische DTM-Triumphator.

Die Erfüllung eines Traums

„Seit meinem fünften Lebensjahr habe ich an meinem Traum gearbeitet“, erinnert er an seine Anfänge im Kartsport: „Aber ich hätte mir nie vorstellen können, dass ich es einmal so weit bringe.“ Aber mit Hilfe seiner „gesamten Familie und meiner Freunde“ kämpft er sich in verschiedenen Disziplinen nach oben, auch wenn er zwischendurch aus Mangel an Gelegenheiten pausieren muss. Im GT-Sport findet er den Weg in den Porsche Sports Cup, steigt von dort in die Carrera Cups in Frankreich, Benelux und Deutschland auf. 2020 wird er Porsche-Junior, 2022 fährt er im ADAC GT Masters, feiert als „Aushilfspilot“ bei zwei Rennen auf dem Norisring auch sein DTM-Debüt in einem Ferrari. 2023 wird er Stammpilot in der DTM. Und zwar beim Team75 Motorsport aus Landstuhl, der Truppe des pfälzischen zweimaligen Langstreckenweltmeisters und Le-Mans Gesamtsiegers Timo Bernhard, holt dort seinen ersten Podiumsplatz.

Nach dem Ausstieg der Bernhard-Truppe wechselt Güven zu Manthey-Porsche, beendet die 2024er Saison auf Platz 16. Er scheint nicht der große Überflieger zu sein, obwohl er auch außerhalb der DTM sein Können unter Beweis stellt, etwa mit dem Sieg bei den 12 Stunden von Bathurst.

In der DTM 2025 siegt er in Oschersleben, in Zandvoort, zweimal am Sachsenring und jetzt in Hockenheim. Überzeugt im entscheidenden Lauf mit unbedingtem Siegeswillen: „Ich habe meinem Team vor dem Rennen gesagt, dass ich nicht rechnen will und werde. Ich wollte diesen Sieg unbedingt. Ich wusste, das ist dann der Titel.“ 0,169 Sekunden beträgt sein Vorsprung im Ziel. Ein Bruchteil nur, ein Wimpernschlag zum Glück und ganz große Gefühle für „Can“, der unglaublich stolz ist: „Für meine Familie, meine Freunde, meine Fans und mein Land.“

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