Radsport
Dreister Fahrrad-Raub in Queidersbach entsetzt Sportlerin
8.15 Uhr in Queidersbach. Die Straßen sind noch fast menschenleer. Zuschauer trudeln erst später ein. Um 9 Uhr startet das erste der traditionellen Rennen durch den Ort. Jugend U17, Senioren 4 und die Elite der Frauen werden dann gemeinsam auf die Strecke gehen. Mareike Spindler, 31-jährige Radsportlerin der RIG Vorderpfalz, hatte ihre Startnummer geholt und wollte noch kurz auf die Toilette gehen. Sie rollte zur Sporthalle. Und lehnte ihr Rad „wie immer vornedran. Ich habe noch gedacht, soll ich es mit hineinnehmen?“, schildert sie ihre Überlegungen und die Worte, mit denen sie sich beruhigte: dass in Queidersbach die Welt schließlich noch in Ordnung sei.
Dann der Schock, als sie aus der Kabine kam: Ihr teures Rennrad war weg. Sie wollte es erst nicht glauben und blickte sich um. Die Straßen waren leer. Sie suchte alles ab, aber das Rad blieb verschwunden. Mareike Spindler kann es immer noch nicht glauben. „Im Radsport ist das eine kleine, eingeschworene Gemeinde. Man kennt sich, da kommt nichts weg. Und wenn einer mit einem zu kleinen Rad fährt, fällt das auf.“ Das Rad samt „Dieb oder Diebin“ waren verschwunden. „Er muss den Moment abgepasst haben“, meint die Radsportlerin aus Mutterstadt.
Vorher noch nie passiert
Volker Straßer vom RV Queidersbach, der das Rennen organisiert hatte, war ebenfalls verwundert und geschockt. „In Queidersbach ist das, soweit ich weiß, das erste Mal passiert.“ Dass Diebe rund um Veranstaltungen unterwegs sind, ist ihm aber nicht neu. „Mir wurden selbst mal zwei Laufräder geklaut. Das ist allerdings schon zehn Jahre her. Ich habe damals nach einem Rennen die Fahrräder ins Auto gebracht, wollte dann die Laufräder holen, aber Vorder- und Hinterrad waren weg“, erzählt er.
Mareike Spindler wollte nach dem Diebstahl in Queidersbach die Hoffnung nicht aufgeben. Sie lief die Strecke ab, spähte durch Autofensterscheiben und suchte nach ihrem schwarzen BMC-Rad, das mit allem Zubehör um die 4500 Euro wert sein dürfte. Der Moderator des Rennens sagte immer wieder durch, dass ihr Rad verschwunden sei. Doch es gab keine Hinweise und keine Zeugen.
Die 31-Jährige stellte sich an die Sporthalle, warnte andere Radfahrer. Sie erstattete schließlich Strafanzeige bei der Polizei, hat aber wenig Hoffnung. Sie sucht jetzt immer wieder mal in den Verkaufsforen, ob ihr Sportgerät da auftaucht. Bisher erfolglos. Geld von der Versicherung wird sie nicht bekommen. „Ich habe es gebraucht gekauft, deswegen habe ich keine Rechnung“, sagt sie und erzählt, dass sie für ihr Zweitrad, ein Jobrad, eine Versicherung hätte.
Mit diesem Zweitrad wird sie jetzt wohl die nächsten Rennen bestreiten. Spindler, die als Hausärztin in Ruchheim arbeitet, war bis vor rund einem Jahr Triathletin, war bis zur Langdistanz unterwegs und wollte dann „das machen, was ihr am meisten Spaß macht“. Sie konzentrierte sich aufs Radfahren, fährt in der Vorderpfalz „die üblichen Rennen, hauptsächlich Kriterien“, war bei der DM am Start, ist für die Bundesliga gemeldet und ist, so oft es geht, im Pfälzerwald, im Odenwald und auch gern in Frankreich mit dem Rad unterwegs. Geklaut wurde ihr bisher noch nichts.
Unterwegs immer wachsam
Andreas Märkl, Präsident des Pfälzischen Radfahrerbundes, Schatzmeister im Radsportverband Rheinland-Pfalz und Radsporttrainer aus Queidersbach, hat da schon anderes erlebt, war aber sehr enttäuscht, als er hörte, dass so etwas auch in seinem Heimatort passiert ist. „Traurig. In Deutschland ist so was schon öfter vorgekommen, auch im Ausland. Aber bei einem kleinen Rennen wie in Queidersbach ist so etwas sehr selten“, meint er. Und überlegt, ob künftig Aufpasser an den Toiletten postiert werden müssten.
Wenn er mit dem Team unterwegs ist, ist er jedenfalls wachsam. „Kollegen aus Baden-Württemberg haben sie schon Autos aufgebrochen und die Räder geklaut. Das ist ein großer Schaden, der da entsteht.“ Die Räder, deren Rahmen ja registriert seien, würden dann in Einzelteile zerlegt und verkauft. „Es gab ja eine Zeit, in der es keine Einzelteile gab“, erinnert er. „Das ist dann alles sehr viel Geld wert.“ Volker Straßer weiß, dass eine Fahrrad- und Diebstahlversicherung, die es auch als Zusatz zur Privathaftpflicht gibt, im Falle eines Diebstahls Kosten übernehmen könne, dass die aber wegen der wertvollen Sportgeräte teuer sei.
Radtrainer Märkl hat, wenn er beispielsweise im Schwarzwald oder auf Mallorca im Café sitzt, sein Rad immer im Blick. Und auch für Mareike Spindler steht fest: Sie wird ihr Rad nie wieder unbeaufsichtigt stehen lassen. „Mein Freund ist auch im Radsport aktiv, wir werden nur abwechselnd auf die Toilette gehen. Und wenn ich alleine unterwegs bin, werde ich ein Schloss mitnehmen.“ Oder einen Chip installieren, der den Standort sendet. Den hatte sie in der Satteltasche, aber die war nicht am Rad. „Den werde ich jetzt irgendwo versteckt anbringen“, so ihr Vorsatz. Aber erst mal hofft sie, dass ihr Rad vielleicht doch noch irgendwo auftaucht.