Kommentar RHEINPFALZ Plus Artikel Die Zeit für Hansi Flick war reif

Gescheitert: Bundestrainer Hansi Flick.
Gescheitert: Bundestrainer Hansi Flick.

Hansi Flick ist nicht an allem schuld. Aber der Trainer der deutschen Mannschaft ist gescheitert. Die Trennung musste sein.

Der Schritt war unausweichlich. Letztlich kam er wohl auch für den Bundestrainer einer Erlösung gleich. Bis zuletzt wehrte er sich gegen Kritik, aber er musste es gefühlt haben: Hansi Flick ist als Coach der besten deutschen Fußballer gescheitert.

Der 58-Jährige aus Bammental bei Heidelberg ist wahrlich nicht allein an der Misere im deutschen Fußball schuld. Er ist nicht mal allein an der Misere der von ihm trainierten Männer-Nationalmannschaft schuld. Dennoch ist nicht erst durch die desolate Leistung der deutschen Mannschaft gegen Japan, aber spätestens durch sie offenkundig geworden, dass Flick den Einfluss auf die Ansammlung der besten deutschen Kicker verloren hat – und deshalb gehen musste.

Viel versucht, nichts erreicht

Seit den schwachen Auftritten der Nationalmannschaft im Juni gegen die Ukraine (3:3), in Polen (0:1) und gegen Kolumbien (0:2) war klar, dass im September in den Duellen gegen Japan und Frankreich eine Reaktion zu sehen sein muss. Der Bundestrainer und die Spieler wussten, was von ihnen verlangt wird. Der Bundestrainer und die Akteure versprachen Besserung, aber sie waren nicht in der Lage, ihr Versprechen zu halten. Den Chef hat das den Job gekostet.

Flick hatte versucht, Zeichen zu setzen. Er überraschte bei der Kadernominierung vor den Länderspielen im September, er veränderte die von außen vorgegebene Hierarchie des Teams, indem er Ilkay Gündogan zum Kapitän machte und Joshua Kimmich zum Rechtsverteidiger umfunktionierte. Hansi Flick versuchte, Einfluss zu nehmen, indem er taktisch variierte, indem er eine Idee von Pep Guardiola, dem Trainer von Manchester City, auf die deutsche Mannschaft übertrug.

Der Bundestrainer tat viel, aber er erreichte nichts mehr.

Eine blutleere Mannschaft

Am Ende schaffte es Flick nicht, den Misserfolg in Katar und dem, was der sportlichen Enttäuschung anhing, zu überwinden. Bei der Weltmeisterschaft vor einem Dreivierteljahr ging mehr verloren als Vorrundenspiele. Das hat die – ausgerechnet – in der vergangenen Woche veröffentlichte TV-Dokumentation an die Öffentlichkeit gebracht.

All das verdichtete sich in der Leistung am Samstag gegen Japan. Der Auftritt der deutschen Mannschaft war blutleer, die Spieler wirkten verunsichert. Sie waren nicht in der Lage, Zeichen des bedingungslosen Einsatzes, des Kampfes und der Leidenschaft an die Fans in der Wolfsburger Arena und an den TV-Geräten zu senden.

Das musste Konsequenzen haben.

Erst Rekord, dann Abwärtstrend

Das Scheitern ist aus persönlicher Sicht tragisch, denn Flick ist ein empathischer, ein freundlicher Mensch, beinahe ohne Allüren. Das berichten glaubwürdige Menschen, die dem Noch-Bundestrainer nahestehen. Das darf bei der Beurteilung der Entwicklung der Nationalmannschaft aber höchstens eine marginale Rolle spielen.

Der Eindruck auf dem Feld und der Trend sind wichtiger. Flick, der mit acht Siegen zum Einstand einen Bundestrainer-Startrekord aufstellte und als Alles-Gewinner mit dem FC Bayern mit einem riesigen Vertrauensvorschuss ins Amt kam, konnte den dramatischen Abwärtstrend nicht mehr aufhalten. Ob er ihn befeuerte oder nur nicht stoppen konnte, lässt sich schwer beurteilen und wird erst in der Rückschau offensichtlich werden. Dann nämlich, wenn sich ein Nachfolger daran versucht, einer Ansammlung von ich-bezogenen Hochbegabten ein passendes Korsett zu schnüren.

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