1. FC Kaiserslautern
Die Trikots des FCK: Eine Frage des Geschmacks
Und dann ist es doch passiert. Das, was der 1. FC Kaiserslautern unter allen Umständen vermeiden wollte. Als der Verein Jan Elvedi, Terrence Boyd und Marlon Ritter vor einiger Zeit zum Fotoshooting und Videodreh bat, herrschte höchste Geheimhaltungsstufe für die Profis genauso wie für alle anderen Anwesenden. Nichts sollte nach draußen dringen, denn die Spieler zeigten sich erstmals mit dem neuen Trikot der Roten Teufel vor der Kamera. Perfekt in Szene gesetzt für die geplante, öffentlichkeitswirksame Präsentation auf allen Kanälen. Ein bisschen Glamour und Fashion-Flair auf dem Betzenberg.
Mit dem Hochglanz-Moment wurde es jedoch nichts, im Gegenteil. Etwas unscharf ist der Schnappschuss gar, der nun vor einigen Tagen durch das Internet geisterte, das neue Trikot auf den Schnelle auf einem Karton platziert und den Auslöser auf dem Smartphone gedrückt. Das Foto machte die Runde, ein sogenannter Leak. Da hat es jemand nicht ausgehalten, womöglich für ein paar Minuten Ruhm im Netz? Oder, um die Neugier der Fans zu befriedigen? Auf der anderen Seite ist die Vorfreude derer zerstört, die die Spannung bis zur offiziellen Präsentation hoch halten wollen. Ist das Geheimnis gelüftet, will man es sich halt doch anschauen. Der Verein jedenfalls sah sich zum Handeln gezwungen und zog die Veröffentlichung des Leibchens nach vorne.
Stehkragen, breiter Kragen, gar kein Kragen, Farbverläufe, einfarbig, mehrfarbig, tailliert geschnitten oder etwas weiter? Die Trikots des Herzensvereins lösen unter den Anhängern emotionale Debatten aus. Es ist wie so oft: eine Frage des Geschmacks. Das FCK-Trikot für die kommende Zweitliga-Saison ist, wenig überraschend, rot – mit bordeauxroten Ärmeln. Etwas mehr ins Detail geht die offizielle Beschreibung: Die Brust ziert der bekannte Hersteller-„Swoosh“, das FCK-Logo sowie das des Sponsors. Hervorzuheben seien „das geprägte FCK-Logo inmitten eines Lorbeerkranzes“ sowie das Hologramm am Saum, das einerseits den Schriftzug „Betze“ und andererseits das Maskottchen des Vereins zeige. Auf der Innenseite des Nackens ist der Schriftzug „Forza FCK“ und auf der Außenseite „Kaiserslautern“ zu finden.
Edel und stilsicher – oder schrill?
„Es ist einfach gehalten in den Traditionsfarben“, sagt Ralf Diemer, Vorsitzender der FCK-Fanregion Ludwigshafen/Neustadt/Bergstraße. Ihm gefallen die neuen Warmlauf-Shirts besser. „Das wären die idealen Trikots gewesen“, sagt er. Diemer besitzt etwa 170 FCK-Trikots, die Jerseys seit den Modellen mit der Campari-Werbung Ende der 1970er Jahren hängen bei ihm daheim an der Wand.
Der Blick in die Geschichte der FCK-Trikots zeigt: edel und stilsicher anmutende Exemplare wechseln sich ab mit Experimentierfreude des Ausstatters. Rot dominiert natürlich, aber gerade bei den Auswärts- und Ausweichtrikots sowie den Outfits der Torhüter beweist der FCK auch Mut zur Farbe. Gelbe Varianten, lilafarbene Elemente, bunte Muster, man könnte auch sagen: die schrillen 90er. Torwart-Hüne Gerry Ehrmann im lila Look. In den vergangenen Jahren hat sich weiß, schwarz und blau als Hauptfarbe der Alternativen zum klassischen Rot gehalten. Wer eine Zeitreise in die Trikotgeschichte – nicht nur des FCKs, sondern aller Vereine – unternehmen möchte, dem sei die Internetseite www.footballkitarchive.com ans Herz gelegt.
Interessant: Wie ein Trikot von den Fans beurteilt wird, ob sie es mögen oder scharf kritisieren, hat nicht unbedingt Auswirkungen auf die Verkaufszahlen, heißt es vom FCK auf RHEINPFALZ-Nachfrage. Spielt die Mannschaft gut, ist sie erfolgreich, reißt sie die Zuschauer mit, dann steigt auch der Trikot-Absatz. Ein Beispiel: Das orangefarbene Trikot 2014/15, noch dazu mit einem farblich wenig passenden blauen Sponsorenschriftzug auf weißem Grund, war für viele kein optischer Hingucker. Trotzdem hätten es viele im Laufe der Saison gekauft, heißt es vom FCK. Am Ende verpasste die Mannschaft knapp die Relegation und landete auf Rang vier der Zweitliga-Tabelle.
Trikots als Einheitsbrei?
Auch Steffen Rollar ist ein Experte in Sachen FCK-Trikots. Der Schifferstadter ist weder beeindruckt noch geschockt vom neuen Jersey: „Es ist eine klassische Linie.“ Bedauerlich findet er, dass der Hersteller den Vereinen Standardmodelle überstülpt und nicht mit den Klubs gemeinsam versucht, etwas Besonderes zu kreieren. Stimmt nicht ganz: Mit den ganz großen, bedeutenden Vereinen entwerfen die Ausrüster eigene Modelle. Die breite Masse aber bekommt tatsächlich leicht individualisierte Versionen von Standardausführungen. „Bei einem Verein wie den FCK, mit dieser Fanbase, sollte es doch möglich sein, ein exklusives Trikot zu entwickeln, das sich von der breiten Linie abhebt“, sagt Rollar. Stattdessen solle mit minimalem Aufwand der maximale Ertrag erzielt werden, kritisiert er und fordert den Verein auf, darüber nachzudenken, etwas mehr in das Design des Trikots zu investieren. Möglicherweise kleinere Gewinnmargen könnten mit einem größeren Absatz ausgeglichen werden, vermutet er.
Um 11 Uhr präsentiert der FCK am Samstag nun auch noch seine Auswärts- und Ausweichtrikots. Der Eintritt zur Saisoneröffnung ist frei, für das Testspiel gegen den englischen Zweitligisten Norwich City um 14 Uhr ist jedoch ein Ticket nötig. Ab 17 Uhr schreiben die Profis Autogramme. Und: Wer schon im neuen Heim-Outfit zum Fritz-Walter-Stadion pilgern möchte, konnte sich bereits einkleiden. Manchmal hat so ein „Leak“ auch seine positive Seite.
