Sport „Die Sicherheitskräfte sind im Einsatz weniger zimperlich“
«Ludwigshafen.» In der Kolumne Sport-Plauderei stellen wir Menschen vor, die sich hinter den Kulissen bewegen und engagieren: Heute Georg Kuschlanski (65), der als Projektmanager bei der BASF SE arbeitet, aus Ludwigshafen. Er hat Fanbetreuer für die Fußball-Weltmeisterschaft in Russland geschult.
Ich hätte sogar russische Wurzeln zu bieten, denn mein Urgroßvater war General beim letzten russischen Zaren. Mein Vater ist schon in Kassel geboren. Die wichtigsten Sportarten sind dort Boxen, Ringen und Eishockey, bei den Russen auch noch Biathlon und Skilanglauf und inzwischen hoffentlich auch Fussball. Die Kasachen, die ja eigentlich zu Zentralasien gehören, haben es durch eine finanzielle Zuwendung an die Uefa erreicht, dass kasachische Mannschaften an europäischen Wettbewerben teilnehmen können. Die Kasachen haben auch gleich ein neues Stadion in Astana gebaut. Astana heißt auf kasachisch nichts anderes als Hauptstadt. In Russland werden sicher alle Stadien fertig, wie es in Sotschi bei der Olympiade ja auch geklappt hat. Sprechen Sie fließend Russisch? Ich habe arbeitsfähig gesprochen. Kasachisch kann ich nur zehn Wörter, es ist eine ganz andere Sprache. Sie sind also ein Experte für diese Länder, wie kam es dazu, dass Sie ihr Wissen weitergeben? Es gibt in Frankfurt eine Fan-Betreuungsstelle, deren Leiter Michael Gabriel zuständig ist für die Koordination der Fan-Projekte. Über eine Freundin habe ich ihn kennengelernt. Als er eine Frage zur Ukraine hatte, wurde ich ihm empfohlen als Experte. Es ging um interkulturelle Hintergründe. Wann jemand also wie reagiert zum Beispiel. So ergab sich der Kontakt. Wann haben Sie das erstmals gemacht? Wir haben ein interkulturelles Training für die deutschen Fan-Betreuer der EM 2012 in Polen und der Ukraine entwickelt. An den Spielorten gab es Infostände für die deutschen Fans. Da gibt es hunderte von Fragen. Das machen die Fan-Betreuer sehr gut. Und nun wurde das Thema wieder akut, weil die WM in Russland ist. Was gab es dieses Jahr zu tun? Eine interkulturelle Trainerin hat die Fan-Betreuer geschult mit mir zusammen in der Nähe vom DFB in Frankfurt. Es ging um Fragen wie Gesprächsführung, Verhandlungen, das Fan-Hotel, das vorgeschlagen wird im Norden von Moskau, und viele weitere Punkte. Was sollte man über das Gastgeberland als deutscher Fan wissen, der erstmals nach Russland reist? Es ist gut zu wissen, dass nicht so viele Russen Deutsch und Englisch können. Wobei die Taxifahrer und Polizisten es nun lernen. Die Russen sind in der Regel sehr gastfreundlich. Es kann durchaus passieren, dass du einfach zum Essen oder Wodka trinken eingeladen wirst. Da sollte man sein Maß kennen. Die Kleinkriminalität ist nicht unbedingt größer als in Frankfurt. Aber die erfahrenen Leute sehen sicher, wer aus dem Westen kommt. Überall wo viele Menschen sind, da muss man aufpassen. Etwa beim Einsteigen in den Bus, die Metro oder an den Stadioneingängen. Welchen Eindruck haben Sie von den Vorbereitungen des Gastgebers? In einem großen Maßstab sind die Sicherheitsvorkehrungen sicher perfekter als im Westen. Die Sicherheitskräfte sind im Einsatz weniger zimperlich als unsere. Das sollten Fans wissen. Ich war, weil ein Freund eine Karte hatte, beim Aufstiegsrückspiel von Waldhof Mannheim gegen Uerdingen. Da gab es ja Bengalos, dann Böller aufs Spielfeld und einen Spielabbruch. Ich habe in der Nähe der Fan-Tribüne gesessen und habe alles gut gesehen. Was wäre Ihre Antwort? Da bin ich nicht der richtige Ansprechpartner. Man sollte vielleicht die Täter identifizieren und Stadionverbote aussprechen. Dass es nur 50 sehr aktive Personen waren, ist ja eine Illusion. Die Fanclubs haben viele Privilegien, wie man hört. Das würde ich abstellen. Das Waldhof-Spiel war also eine Ausnahme. Sie haben dieses Jahr aber regelmäßig in Niederkirchen die Spiele besucht. Was zieht Sie zum FFC? Frauen-Fußball ist nicht so schnell und nicht so hart wie Männer-Fußball. Der Platz ist angenehm in der Natur gelegen. Ich stehe gerne zwischen den Trainerbänken und verfolge, was da gesprochen wird. Außerdem gibt es in Niederkirchen sehr guten Kuchen. Bleiben Sie dem FFC nach dem Abstieg aus der Zweiten Liga treu? Ja, klar, der Kuchen wird ja nicht schlechter. Apropos Essen: Was sollte man in Russland einmal probiert haben? Pelmeni, die sind so ähnlich wie kleine Ravioli; Wareniki, das sind große Teigtaschen, in denen Kartoffeln oder Sauerkirschen drin sind – oder auch mal Quark. Das heißt, es ist gar kein Quark, sondern etwas Vergleichbares. Es heißt Tworog und schmeckt wie eine Mischung aus Quark und Frischkäse. Das gibt es bei uns in russischen Geschäften. Ich kann auch Soljanka empfehlen, eine Fleischsuppe; Borschtsch oder Schaschlik. | Interview: Christine Kamm