Wasserball RHEINPFALZ Plus Artikel Die Pfälzer Rivalen: Gegenseitiger Respekt trotz aller Unterschiede

 Luis Ananias das letzte Tor zum 20:12 für den SC Neustadt.
Luis Ananias das letzte Tor zum 20:12 für den SC Neustadt.

Ein lockeres Spielchen unter Nachbarn? Nein, wenn der SC Neustadt und Vorwärts Ludwigshafen aufeinander treffen, dann geht es zur Sache. Aber man schätzt sich.

Nach dem Punktverlust zum Zweitliga-Saisonauftakt in Ludwigshafen strebte der SCN Wiedergutmachung an. Diese gelang mit einem 20:12-Heimsieg, wenn auch erst in der zweiten Spielhälfte.

Vorwärts-Trainer Andreas Görge war vor dem Derby ganz entspannt. „Wir kennen uns gut, da muss ich jetzt beim Einspielen nicht präsent sein“, befand er schmunzelnd. Und er philosophierte über die Unterschiede der beiden Klubs. Sein Verein beendete die Vorsaison auf Rang sieben, der SCN wurde Zweiter. Görge: „Wir wollen in diesem Jahr einfach besser als in der erschreckend schlechten Saison im Vorjahr abschneiden.“ Er erzählte von vielen teambildenden Maßnahmen, wie Wanderungen, zusammen feiern, einfach Spaß haben.

Vorwärts bleibt gelassen

Spaß hatte Vorwärts mit dem Saisonauftakt, dem 22:22 nach regulärer Spielzeit gegen den SCN. Zwar gab es im Fünfmeterschießen ein besseres Ende für Neustadt, aber der Einstieg machte Vorwärts glücklich. Görge: „Wir schauen was jetzt herauskommt, nach oben schielen wir nicht. Wir können nicht mehr stemmen, uns fehlen Geld, Trainingszeiten und Unterbau mit dem Nachwuchs.“ Und dem SCN gönnt er den Erfolg. Schließlich seien alle echte Pfälzer, man helfe sich gegenseitig, es sei ein gesunder Konkurrenzkampf.

Dass Vorwärts mithalten kann, bewiesen die Gäste am Samstag im Stadionbad und waren im zweiten Viertel bis auf ein Tor rangekommen. Doch auch SCN-Manager Michael Heinz war vor der Partie die Ruhe in Person. Er hatte die Finger am Mischpult, um jeweils die passende Melodie zum Verlauf einzuspielen. „Ich möchte heute möglichst oft die Torhymne erklingen lassen“, gestand er. Er war zuversichtlich, dass im großen Becken Vorwärts in Schach gehalten wird. „Aber der Punktverlust hatte wirklich weh getan“, schob er nach.

SCN will mehr

Heinz ist bereits auf der Suche nach weiteren Verstärkungen, sollte das Ziel Aufstieg gelingen. Und hat dabei bereits für eine technische Neuerung gesorgt. Er zeigt auf zwei Kameras auf der Gegenseite. „Die haben wir gesponsert, sie dienen der Badeaufsicht zur Überwachung, und wir planen damit eine Liveübertragung von unseren Spielen auf Youtube“, verrät er. Bereits zum Zwischenrundenturnier der U18 im Stadionbad Anfang April soll das System getestet werden. „In der Bundesliga sind die Liveübertragungen sogar Pflicht“, betont er. Über das Budget der Wasserballabteilung spricht Heinz nicht gerne, nur so viel: „Wir brauchen weitere Sponsoren. Es ist viel Idealismus bei unserem Sport dabei, aber wir können das nicht nur durch Mitgliedsbeiträge decken. Alleine die Maßnahmen für den Nachwuchs kosten viel Geld.“

Ab Sommer plant er eine Kooperation mit zwei Grundschulen in der Nähe des Stadionbades. Junge Spieler, die gerade den Junioren altersmäßig entwachsen sind, sollen den Kindern den Spaß am Wasser, Schwimmen und dem Ball vermitteln. Überhaupt werden die Junioren in die Männermannschaften nachrücken. Zumal auch Spielpraxis über die Regionalliga für die zweite Mannschaft gesammelt wird. Beim SCN trommelt man also für die Erste Liga.

Vorwärts-Spielertrainer Oliver Görge schließt neue Ambitionen in der nächsten Saison nicht aus: „Wir sind jetzt als Team zusammen gewachsen, in der nächsten Saison wollen wir unser System Schritt für Schritt verbessern.“ Ein etwas neiderfüllter Blick von Sohn Oliver und Vater Andreas Görge auf den SCN folgt. Denn das große Becken, die Nachwuchsarbeit und bessere Trainingszeiten sind Pluspunkte in Neustadt, die in Ludwigshafen (noch) fehlen.

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