Handball
Die Pfälzer Brüder Röller: Nach Verletzungsschock Rückkehr zur Normalität
Zeitig am ersten Feiertag war dann Weihnachten auch schon wieder vorbei für Lars Röller (25) und Nils Röller (23). Die zwei Handballer machten sich nach dem Frühstück auf zu ihren Vereinen – Lars fuhr zum TV Großwallstadt, Nils düste nach Coburg. Die letzten Partien des Jahres standen ja an. Was wie ein völlig gewöhnlicher Ablauf von zwei Profis aussieht, täuscht. Denn dass die beiden in diesen Dezembertagen Handball spielen, war keineswegs sicher. Sie verletzten sich vor einigen Wochen schwer.
An Heiligabend hatten die Brüder noch einmal in Ruhe Zeit, alles sacken zu lassen. Sie hatten die Gelegenheit, noch einmal über diese schlimmen Tage Ende Oktober, Anfang November zu sprechen.
Das Schicksal schlug zu. Zwei Brüder verletzten sich innerhalb von vier Tagen schwer. Und auf einmal saßen Lars und Nils Röller während der Länderspielpause daheim auf dem Sofa. „Wir waren beide zu Hause, konnten nicht viel machen, saßen da und haben gequatscht“, sagte Nils Röller.
Ein Trainingsunfall
Der heftige Doppelschlag. Was ist passiert? Im Training des HSC 2000 Coburg erwischte es zunächst an einem Donnerstag Nils Röller. „Ich stand da, und mir sind zwei Mitspieler seitlich ins Knie gefallen. Das Knie ist nach innen geknickt, die Kniescheibe war kurz draußen, kam direkt wieder rein. Ein Band an der Seite des Knies war gerissen“, erläuterte Nils Röller. Der Spieler weiter: „Ich war bei verschiedenen Ärzten, es hieß, mit sechs bis acht Wochen Ausfallzeit müsse ich rechnen, vielleicht sogar mit zehn. Wir haben uns keinen Stress gemacht, gegebenenfalls hätte ich erst im Februar gespielt. Ich war zwei Wochen in der Reha in Landau, da war alles echt gut“, berichtet er.
Nils Röller gelang eine Punktlandung. Ausgerechnet in der Partie des HSC 2000 Coburg am 10. Dezember bei den Eulen Ludwigshafen, einem seiner früheren Vereine, kehrte Nils Röller auf das Spielfeld zurück, schoss ein Tor beim deutlichen Sieg des HSC.
„Das war der Plan. Ich wurde langsam herangeführt. Vor dem Spiel bei den Eulen hatte ich erst zwei Einheiten. Mit dem Knie bin ich sehr zufrieden“, berichteteer.
Vier Tage später: der nächste Unfall. Sonntag, 3. November. Heimspiel des TV Großwallstadt gegen TuSEM Essen. Lars Röller bekam in der 43. Minute bei einer Abwehraktion einen Schlag mit der Wurfhand eines Esseners ins Auge und zog sich eine Bindehautriss um die Pupille und einen kleinen Jochbeinbruch in der Augenhöhle zu. „Im ersten Moment war es krass. Ich liege da, versuche, mein Auge aufzumachen – und sehe nichts. Das war ein extremer Schock. Blut ist reingelaufen, es kam zur Schwellung. Deswegen konnte ich das Auge nicht mehr öffnen“, berichtete er.
In Frankfurt operiert
Seine Mutmaßung: Vielleicht passierte das so, weil er eine Kontaktlinse trug. Seine Eltern fuhren ihn sofort nach Aschaffenburg zu einem Augenarzt, dann ging es weiter in die Augenklinik nach Frankfurt. „Da hatte ich dann zum Glück morgens schon Klarheit“, sagt er. Operiert wurde er ein paar Tage später – und zwar von der Tochter des früheren Großwallstadter Trainers Peter David. Der Patient konnte während der Operation verfolgen, was die Ärztin tat. Auch nicht einfach.
Der Essener Spieler schrieb Lars Röller zwei Tage danach auf Instagram, dass es ihm leid tue. TuSEM Essen schickte Genesungswünsche an die Geschäftsstelle des TV Großwallstadt. „Ich habe das alles gut weggesteckt. Es war halt im ersten Moment dieser Schock. Es ist alles wieder gut verheilt“, betonte er.
Comeback im Dezember
Lars Röller feierte sein Comeback am 15. Dezember im Heimspiel des TV Großwallstadt gegen den TV Hüttenberg. Er durfte 20 Minuten in der Abwehr mitmachen. „Am Anfang war es etwas ungewohnt, vor allem wegen der Brille. Es war eine neue Situation mit der Brille. Ich hatte noch ein Stirnband, sonst wäre der Schweiß in die Brille gelaufen. Man hat Bereiche, wenn man nach oben oder unten schaut, in denen man weniger sieht. Man gewöhnt sich daran“, erzählte Lars Röller. In einer Übergangsphase spielt er mit der Brille, bis das Auge völlig verheilt ist. Drei Monate soll er sie sicherheitshalber noch tragen. „Der Heilungsprozess wurde mit drei bis sechs Monaten angegeben. Als optimistischer Mensch gehe ich von drei aus“, sagte er.
Die Brüder verstehen sich gut. Sie schreiben sich täglich, telefonieren zweimal während der Woche.
Dass sie beide Kreisläufer wurden, war wohl eher ein Zufall. Nils, schon bei Frisch Auf! Göppingen und dem TVB Stuttgart aktiv, hat seinem Bruder nicht nachgeeifert, sondern wurde im Training eher zufällig an den Kreis gestellt. Lars, wie sein Bruder in der Jugend bei den Friesenheimer Handballern, kam über die Stationen Rhein-Neckar Löwen, HBW Balingen-Weilstetten und SG Leutershausen nach Großwallstadt. Sie fühlen sich wohl in ihren Klubs. Und sie haben jüngst schon wieder einiges erlebt. Beim TV Großwallstadt gab es einen Dopingfall, der HSC Coburg verpasste vergangene Woche die große Chance, ins Final Four einzuziehen, gegen den Zweitliga-Rivalen HBW Balingen-Weilstetten kam in der Verlängerung der K.o.
Aufregende Tage
Eine Augenverletzung, eine Knieblessur. Doch damit nicht genug: Der Herr Papa und ein Onkel wurden ebenfalls operiert. Vier Männer aus der Familie hatten in einem Winter Sorgen. Was für aufregende Tage in und um Mutterstadt.