Sport Die Herbstzeitlosen

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Handball: Mit einigen Jahren Anlauf holt Spanien den EM-Titel – Große Generation belohnt sich

Gestern Morgen, 5.45 Uhr, in einem Café im Flughafen Franjo Tudman in Zagreb. Flensburgs Trainer Maik Machulla plauderte mit Melsungens Coach Michael Roth. Dänemarks Trainer Nikolaj Jacobsen sinnierte: „Das Halbfinale gegen Schweden durften wir nicht verlieren.“ Und die Spanier, der neue Handball-Europameister? Die Spieler träumten vermutlich süß von ihrem Coup, vom Konfettiregen und ihrer Fiesta. „Wir fliegen nach Hause, feiern, aber nicht so wie die Deutschen vor zwei Jahren“, sagte Abwehr-Ass Gedeón Guardiola: „Wir wollten diesen Titel unbedingt. Wir sind sehr zufrieden. Vierter, Dritter, Zweiter – und nun Europameister.“ Es war ein Titel mit Anlauf, sechs Jahre und vier Turniere brauchte es. Dieser Titel hat dem Weltmeister von 2013 gerade noch gefehlt. Vielleicht war dies das letzte Halali einer Generation, die am Final-Wochenende in Zagreb zu ganz großer Form auflief. Erst Frankreich (27:23), dann Schweden (29:23). Zwei Siege, völlig verdient. Arpad Sterbik ist 38 Jahre alt. Raul Entrerrios fast 37 Jahre. Julen Aguinagalde 35. Viran Morros 34. Gedeón Guardiola 33. Valero Rivera 32. Joan Canellas 31. Eduardo Gurbindo 30. Zahlen, mehr nicht. „Ich bin stolz, Teil einer Mannschaft zu sein, die Geschichte schrieb“, sagte Arpad Sterbik, der spanische Wolf, der spät wegen der Verletzung von Gonzalo Perez de Vargas nachnominiert wurde, seine Extraklasse demonstrierte. In den Handball-Geschichtsbüchern wird er eines Tages als einer der besten Torhüter notiert werden. Verblüffend: Die spanischen Jungsenioren hatten auf der Zielgeraden mehr zuzusetzen als die jungen Schweden. Vieles sprach für die Emporkömmlinge um Jim Gottfridsson. Auf der langen Reise nach Zagreb hatte das Team drei Niederlagen in der Vorrunde und Zwischenrunde hinnehmen müssen und den emotionalen Coup nach Verlängerung gegen den Nachbarn Dänemark gefeiert. „Wir sind in die Falle getappt“, meinte Linus Arnesson vom Bergischen HC. Die Falle stellte Jordi Ribera auf. Der Trainer ordnete in den zweiten 30 Minuten eine extrem vorgezogene 5:1-Deckung mit Alex Duschebajew an, zuweilen ging noch ein Spieler nach vorne, Schweden fiel nichts mehr ein, musste dem Anfangstempo und dem 35:34 gegen Dänemark Tribut zollen. „Ich bin trotzdem stolz, wir haben Niederlagen in dem Turnier kassiert, wir sind gegen Dänemark zurückgekommen, wir haben gesehen, was wir in Zukunft besser machen müssen“, sagte Keeper Mikael Appelgren. Die Herbstzeitlosen. Völlig unbeeindruckt und zeitlos gut spielten die Spanier im Herbst ihrer Karrieren in der zweiten Halbzeit so, als hätte es das 17:24 gegen Deutschland in Krakau vor zwei Jahren nicht gegeben. „Natürlich gehen einem in so einem Finale viele Dinge durch den Kopf, aber wir sind immer sicherer geworden“, sagte Daniel Sarmiento, ein fantastischer Spielmacher. „Nach der Pause hatten wir Freude am Spiel, wir hatten zwei verschiedene Halbzeiten. Handball in Spanien ist der Gewinner, wir haben jeden Tag des Turnieres genossen“, betonte Jordi Ribeira, der Matchwinner auf der Trainerbank. Und was tat Señor Guardiola? Sprach von den Olympischen Spielen 2020. Aber Señor Guardiola, dann sind doch alle noch zwei Jahre älter!

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