Hintergrund
Die fast perfekte Fußballparty der DFB-Frauen auf dem Betzenberg
Freitagabend, Flutlicht, das erste Frauen-Länderspiel der deutschen Nationalmannschaft auf dem Betze seit über 30 Jahren. Es ist alles angerichtet für einen perfekten Fußballabend. Die Menschen pilgern in Massen auf den Berg, mit Deutschlandfahnen, im Deutschlandtrikot, mit schwarz-rot-goldenen Streifen im Gesicht und der Vorfreude auf ein ganz besonderes Spiel. Und dann das. Es staut sich am Einlass. Und zwar nicht wie sonst an dem Drehkreuz, an dem die Männer kontrolliert werden. Die sind schnell durch. Diesmal sind die Frauen das „Problem“ beziehungsweise die zu wenigen Kontrollstellen für sie.
Dabei war der Freitagabend perfekt für dieses Frauen- und Familienfest. Viele Eltern pilgerten mit ihren Kindern auf den Berg. Manche kamen dann erst 15, 20 Minuten nach Anpfiff ins Stadion, doch es dauerte nicht lange, bis auch sie angesteckt wurden von der berauschenden Länderspielatmosphäre im Stadion.
Ein Block muss leer bleiben
Dass die Westkurve leer blieb, störte auf den ersten Blick und hinderte die La Ola daran, dass sie sich komplett durchs Stadion bewegte. Aber es ließ sich nicht ändern: Bei Länderspielen sind keine Stehplätze erlaubt, und so musste der Block leer bleiben. 40.159 Zuschauer kamen trotzdem. Damit war das Stadion beim 0:0 fast ausverkauft. Und die, die da waren, sorgten für mächtig Stimmung. Gänsehautmoment, als Auswahlspielerinnen aus über 40 Vereinen des Südwestdeutschen Fußballverbandes die Nationalflaggen auf dem Rasen auseinanderfalteten und die Nationalhymnen ertönten. Alle sangen inbrünstig mit.
Als die Mannschaftsaufstellung verlesen wurde, die Zuschauer die Namen ergänzen sollten, schrien sie den von Jule Brand am lautesten. Die Pfälzerin, die aus Dudenhofen stammt, sich im Vorfeld als FCK-Fan geoutet hatte und deren Familie zur Unterstützung gekommen war, war von Anfang an der Publikumsliebling. Klar, dass das Pfeifkonzert sehr laut wurde, als sie im Laufe des Spieles eine Gelbe Karte gezeigt bekam.
Doch das Publikum war von Anfang an begeistert vom gesamten deutschen Team. Das genau das zeigte, was Trainer Christian Wück sehen wollte und was es sich vorgenommen hatte. Mutig und schnell nach vorne spielen und furchtlos angreifen. „Wir haben die Spanier überrumpelt“, stellte Rebecca Knaak hinterher fest, die sich über die vielen Chancen freute, aber wie ihre Mitspielerinnen enttäuscht war, dass keine davon zum Tor führte. Das Team müsse die Effektivität verbessern, das weiß auch Klara Bühl, die sonst aber ebenfalls „unglaublich zufrieden war mit dem Spiel und der Art und Weise“, wie das Team gespielt hat.
Das sah auch Trainer Christian Wück so, der fand, dass die Elf „sehr, sehr gut ins Spiel gekommen ist“. Doch dann gab es dann in der zweite Hälfte zehn, 15 Minuten, die die Mannschaft gebraucht habe, um wieder reinzukommen. „Das hätte in die Hose gehen können“, sagt er. Es ging gut, seine Fußballerinnen erarbeiteten sich weiter Chancen am Fließband. „Es war ein weiterer Entwicklungsschritt, um das nächste Level zu erreichen.“ Bei ihm überwiege der Frust, dass sein Team Spanien fast aber nicht ganz geknackt hat, gibt er auf Nachfrage zu. Und fügt an, dass er trotzdem stolz auf die Mannschaft sei.
Die Spanierinnen fast geknackt
Knaak erklärt, dass es jetzt, im zweiten Teil des Nations-League-Finales in Madrid, eben in ein „echtes Finale“ gehe, gegen Spanien, eine „top Nation im Fußball“. Die ihr Team am Rande einer Niederlage sah.
Knaak war beeindruckt von der Kulisse auf dem Betzenberg. „Es ist immer ein Zeichen, wenn wir schreien und uns gar nicht hören. Das Stadion ist sehr, sehr besonders“, schwärmt sie. Für die Fußballerinnen ging es noch am Freitagnacht zurück nach Frankfurt und am Samstag weiter nach Madrid. Am Dienstag (18.30 Uhr) wartet dort im neuen Estadio Metropolitano, das über 70.000 Zuschauer fasst, das entscheidende Spiel.
Für Nationaltrainer Wück ist das Ziel klar: „Wir glauben, dass wir auf einem guten Weg sind, aber es fehlt dieser letzte Schritt, Tore zu machen. Wir wollen unbedingt diesen Pott und diesen Titel nach Hause holen.“ Was zum Teil noch fehle, sei Spielintelligenz, aber das sei Trainingssache. Was der Schlüssel sei, um Spanien zu knacken, sei ohnehin klar, den hat sein Team im Endeffekt ja gefunden: „Wir müssen aktiv sein.“