Handball
Die Eulen ackern in ihrem Wohnzimmer
Es war wohl die bisher härteste Woche in der Geschichte der Eulen Ludwigshafen. Zwei Tage vor dem 11:29-Debakel bei der HSG Wetzlar erfuhr der Verein, dass die Friedrich-Ebert-Halle, die Heimspielstätte des Handball-Bundesligisten, ein Impfzentrum werden wird. Die Eulen müssen sozusagen das Feld räumen und sich eine neue Bleibe suchen. „Das ist doch unser Wohnzimmer“, sagte Eulen-Trainer Ben Matschke nach dem Fiasko in Wetzlar.
Die Nerven lagen blank
Tagelang war die Geschäftsstelle des Vereins lahmgelegt. Es wurde mit anderen Bundesligisten telefoniert, ob die Eulen dort eventuell ihre Heimspiele austragen können. „Wir reden offen gesprochen schon darüber, ob wir in Leipzig unsere Heimspiele austragen“, sagte Geschäftsführerin Lisa Heßler. Die Nerven lagen blank. Team und Trainer waren völlig frustriert – ob der Niederlage und ob der Hallensituation.Um die Köpfe frei zu bekommen, gab Matschke seiner Mannschaft bis vergangenen Montag frei. Und just am Montag kam die erlösende Nachricht. Die Stadt Ludwigshafen machte eine Rolle rückwärts: Die Eulen dürfen in der Eberthalle bleiben. Die Erleichterung ist groß. „Es hat sich gelohnt, zu kämpfen“, sagt Matschke erleichtert. Als er am Montag der Mannschaft vor dem Training die frohe Kunde mitteilte, war die Freude groß. „Wir hoffen nun, dass wir uns wieder auf das fokussieren können, was uns auszeichnet“, sagt der Trainer.
Nun in Wetzlar war von den Tugenden der Eulen wenig zu sehen. Wetzlars Trainer sprach den entscheidenden Satz: „Friesenheim ist eigentlich eine Mannschaft, die sich nie aufgibt, aber das war heute das erste Spiel, das ich von Friesenheim gesehen habe, in dem sie sich aufgegeben haben, ab einem bestimmten Zeitpunkt.“ So eine Aussage tat weh. „Mir ging es einige Tage nicht gut“, gab Matschke zu. Er hatte aber nicht mehr Redebedarf als sonst. „Die Mannschaft hat das Handballspielen ja nicht verlernt“, betont Matschke.
Seelenmassage vor dem Minden-Spiel
Wie nach jedem Spiel suchten die Akteure das Gespräch mit ihm. Doch ernsthafte Seelenmassage musste er keine betreiben, beteuert Matschke. Der Fokus richtete sich nämlich auf die Partie am Samstag gegen GWD Minden (18.30 Uhr, Friedrich-Ebert-Halle). Ursprünglich sollte die Partie am Donnerstag angepfiffen werden. Doch Minden war in einer 14-tägigen häuslichen Quarantäne. Nationalspieler Juri Knorr hatte sich bei der Länderspielreise mit dem Coronavirus infiziert. Offenbar hatte es ihn heftiger erwischt. Eigentlich war die Quarantäne bis Mittwoch angesetzt. Doch die Gesundheitsbehörden in Minden haben dem Verein mit einer Sondergenehmigung erlaubt, schon ab Samstag zu trainieren. „Sie kommen gut vorbereitet zu uns“, sagt Matschke: „Minden ist eine Mannschaft, die nichts mit dem Abstieg zu tun haben wird.“ Denn das Team sei stark besetzt. „Sie werden Coburg, Essen und Balingen schlagen“, ist sich Matschke sicher. Seine Mannschaft ließ er bei der Aufzählung aus …
„Es wird ein Kampfspiel“, sagt Christian Zeitz. Der in Heidelberg geborene Weltmeister von 2007 spielt seit dieser Saison in Minden. Zeitz wurde vorige Woche 40 Jahre alt, fühlt sich aber noch stark genug, um Bundesliga zu spielen. Das hat er vorige Runde in Stuttgart bewiesen, als er in sechs Partien 22 Tore warf. „Die Mannschaft, die mehr investiert am Samstag, wird gewinnen“, sagte Zeitz im RHEINPFALZ-Gespräch. Dass Minden 14 Tage lang von der Außenwelt abgeschnitten war, ist für ihn keine Wettbewerbsverzerrung: „Das ergeht anderen Teams ja auch so.“