Eishockey
Die Adler Mannheim und der Tritt in den Hintern
Wie ist die Leistungsexplosion der Adler zu erklären? Etwa mit dem verbalen Tritt in den Hintern durch Trainer Bill Stewart, den er mit Kraftausdrücken garniert hatte?
Höchstwahrscheinlich, wobei Stewart da hoch gepokert hat. Der Hälfte seiner Mannschaft nach der Pleite in Augsburg am vergangenen Dienstag eine schlechte Arbeitseinstellung vorzuwerfen und so einen Riss im Team öffentlich zu machen – das war riskant. Aber in einem „vierstündigen Meeting“, wie Stürmer Lean Bergmann verriet, kamen die Konflikte auf den Tisch. Die Mannschaft fühlte sich in ihrer Ehre gepackt. Ohnehin hatte sie „die Schnauze voll vom Verlieren“, wie Angreifer Markus Eisenschmid nach dem befreienden 6:3 gegen Ingolstadt versicherte. Das 4:0 am Sonntag in Düsseldorf bestätigte dies.
Naheliegend, aber letztlich Schnee von gestern: der Blick auf die vier Punktrundenspiele der beiden Kontrahenten. Nur ein Adler-Erfolg, drei Kölner Siege. In der Tabelle lagen die Mannheimer dennoch sieben Punkte vornedran. In Andreas Thuresson, Louis-Marc Aubry und Maxi Kammerer haben die jüngst extrem torhungrigen Haie gleich ein Trio in der Top-Ten der besten Scorer der Liga. Bei den Special Teams schenken sich beide Teams wenig: Köln etwas besser in Überzahl, die Adler dagegen in Unterzahl. Stimmungstechnisch wird es eh ein vorweggenommenes Finale: Kein anderer Play-off-Teilnehmer kommt in Sachen Zuschauerschnitt an Köln (fast 14.000) und Mannheim (über 10.000) annähernd heran.
Als sicher gilt, dass Nico Krämmer und der zuletzt ganz starke Markus Eisenschmid die Adler verlassen, beide Richtung München. Als dritter langjähriger deutscher Spieler könnte auch Sinan Akdag Mannheim verlassen, im Gespräch ist Düsseldorf. Von dort zieht es wohl Daniel Fischbuch nach Mannheim. Ex-NHL-Profi Tom Kühnhackl möchte aus Schweden zurück nach Deutschland – Mannheim ist sicher eine Option, in Kontakt ist man schon länger. Und dann ist da noch der Berliner Giovanni Fiore, den die halbe Liga jagt.
Nein, aber das hat nichts mit dem bedenklichen Abwärtstrend vor dem vergangenen Wochenende zu tun. Das Anschlussengagement des Kanadiers nach dessen durchaus erfolgreicher Nothelfermission vor einem Jahr war ohnehin nur auf diese Saison ausgelegt.
Der künftige Cheftrainer ist noch nicht vermeldet worden. Immer wieder kursiert der Name Todd Woodcroft, hochanerkannter Nachwuchs- und Assistenztrainer in Nordamerika. Auch über Gerry Fleming, der Aufsteiger Frankfurt sofort in die Pre-Play-offs führte, wird spekuliert – zumal er die Mainmetropole verlassen wird. Geoff Ward, Meistermacher 2015, wäre der Wunschtrainer vieler Fans. Lausanne HC hat ihn aber bis 2025 an sich gebunden. Nicht zu vergessen: der aktuelle Assistenzcoach Marcel Goc, der als großes Trainertalent gilt. Und Serge Aubin? Nicht ganz leicht vermittelbar nach dieser desaströsen Saison von Noch-Meister Berlin.
Die Adler schaffen in sechs Spielen den Halbfinaleinzug. Selbstvertrauen und Mut sind wieder da. Und es werden auch noch einige angeschlagene Spieler zurückkehren- Wie formulierte es Lean Bergmann trotzig-vollmundig nach der 6:3-Gala gegen Ingolstadt: „So spielen wir den Rest der Saison!“