Eishockey
Adler Mannheim: Dem Trainer platzt der Kragen
Es ist noch gar nicht so lange her, da stellte sich Stewart stets vor seine Mannschaft, lobte deren Charakter. Nach der 4:5-Niederlage nach Verlängerung in Augsburg redete er Klartext: „Wir haben ein Zehn-und-Zehn.“ Damit meinte er einen Riss im Team.
„Es gibt zehn Spieler, die richtig hart arbeiten. Und dann gibt es ein paar, die machen nur Dienst nach Vorschrift.“ Dies sei ein Witz und für ihn sowie das gesamte Trainerteam sehr frustrierend: „Wir reißen uns den Arsch auf, und dann gibt es Spieler, die nicht ihren Job machen.“ Das sei er einfach leid, schimpfte Stewart, nachdem die Adler nicht einmal eine 3:1-Führung zum Start des zweiten Drittels als nominelles Spitzenteam nach Hause brachten. Ryan MacInnis (22.) hatte erhöht, nachdem im ersten Durchgang Markus Eisenschmid und Joonas Lehtivuori für Mannheim getroffen hatten.
Eine drastische Analyse
„Man darf so etwas in dieser Liga nicht für selbstverständlich nehmen, sonst bekommt man einen Tritt in den Arsch. Und den haben wir heute bekommen“, analysierte Stewart drastisch die übrige Spielzeit, in der Terry Broadhurst und David Warsofsky bei erstaunlich wenig Gegenwehr den Ausgleich erzielten. „Wir fangen gut an und hören dann auf zu spielen. Dann fangen wir uns wieder, spielen wieder gut und hören wieder auf“, bilanzierte der ebenfalls ratlose Kapitän Denis Reul und bemängelte die fehlende Konstanz in seiner Truppe: „Ich weiß nicht was da in unseren Köpfen vorgeht.“
Keine Einheit
Tatsächlich konnten die Mannheimer froh sein, durch Stefan Loibls 4:4-Ausgleich (57.) zumindest den Minimalpunkt zu sichern, nachdem Andrew Leblanc einen Aussetzer Matthias Plachtas zur Panther-Führung genutzt hatte. Ohne Namen zu nennen, prangerte Reul auch diese Aktion an: „Wir agieren nicht als Einheit und versuchen es zu viel allein.“ Dabei sei gerade mannschaftliche Geschlossenheit der Schlüssel zum Erfolg.
Trainer Stewart hatte noch einen weiteren Knackpunkt ausgemacht. Und das war nicht das Fehlen nomineller Leistungsträger wie Nigel Dawes (verletzt), der angeschlagenen Jordan Szwarz, Felix Brückmann, Korbinian Holzer und Matt Donovan sowie des erkrankten Joe Cramarossa, die allesamt nicht in Augsburg dabei waren, sondern ein viel tiefgründigeres Problem: „Unsere besten Spieler sind im Moment nicht unsere besten Spieler.“ Sollten die Adler dieses Problem nicht in den kommenden Tagen lösen blickt er einer kurzen Play-off-Runde entgegen. „Dann sind wir nach vier Spielen raus.“ Erstmal geht’s am Freitag (19.30 Uhr) zu Hause gegen den Tabellenzweiten ERC Ingolstadt.
