Handball RHEINPFALZ Plus Artikel DHB-Frauen: Im Ausland gereift

Im Ausland besser geworden: Julia Behnke.
Im Ausland besser geworden: Julia Behnke.

Die deutschen Handballfrauen stehen beim Eröffnungsspiel der Europameisterschaft am Donnerstag gegen Rumänien (18 Uhr) unter Erfolgsdruck, wenn der Traum vom Halbfinale realisiert werden soll. Hoffnung machen die Auslandserfahrungen der besten Spielerinnen.

Das Kribbeln vor dem ersten Match bei einer großen Meisterschaft war zuletzt noch etwas größer als sonst. Schließlich hatte der positive Corona-Befund bei einer rumänischen Spielerin am Dienstag dafür gesorgt, dass zunächst unklar geblieben war, ob die Auswahl des Deutschen Handballbundes (DHB) in Dänemark wie geplant gegen das Team aus Südosteuropa ins Turnier starten kann. Eine weitere Testreihe erbrachte am Mittwoch weder bei den Rumäninnen noch bei den Deutschen weitere Infektionen, so dass die Europameisterschaft ohne Verschiebungen starten kann.

Groener fehlt weiterhin

Das war eine gute Nachricht für den DHB-Tross, der allerdings – und das war die schlechte Botschaft am Mittwoch – zunächst ohne den Chef auskommen muss. Bundestrainer Henk Groener konnte nach einer Corona-Infektion bereits die komplette Vorbereitung nicht bei der Mannschaft sein und fehlt nun auch beim EM-Auftakt – mindestens. „Wir rechnen relativ bald mit seiner Rückkehr“, sagte Axel Kromer, Sport-Vorstand beim DHB immerhin. Der CT-Wert des Niederländers sei gesunken, eine Ansteckungsgefahr deshalb nicht mehr gegeben. Bis zur Vorlage eines negativen Corona-Tests darf Groener aber nicht nach Dänemark reisen.

Raus aus der Komfortzone

Das bedeutet, dass die Nationalspielerinnen gegen Rumänien irgendwie auf sich alleine gestellt sein werden, wenngleich die Mannschaft nach Rücksprache mit Groener von Co-Trainer Alexander Koke betreut wird. Für das Team wird es dennoch darauf ankommen, ohne den erfahrenen Niederländer am Spielfeldrand vermehrt eigene Entscheidungen zu treffen.

Die Chancen, dass dies gelingt, sind im Vergleich zur jüngeren Vergangenheit größer geworden, was viel damit zusammenhängt, dass die besten Spielerinnen des Landes die Ratschläge von Groener beherzigten. Der Bundestrainer hatte immer wieder gefordert, dass die besten deutschen Akteurinnen ins Ausland gehen sollen. „Sie müssen aus ihrer Komfortzone“, hatte Groener verlangt. Im Sommer wagten einige den Schritt in eine europäische Top-Liga, so dass so viele Legionärinnen gegen Rumänien das deutsche Trikot tragen werden wie nie zuvor.

Sportlich und persönlich gewachsen

Emily Bölk, Julia Behnke (beide Ferencvaros Budapest/HUN), Dinah Eckerle (Metz HB/FRA), Evgenija Minevskaja (SCM Ramnicu Valcea/ROU) und Ann-Cathrin Giegerich (Debreceni VSC/HUN) stehen aktuell im Ausland unter Vertrag. Hinzu kommen Xenia Smits, die bis zum Sommer in Frankreich spielte, sowie Alicia Stolle, die wie Bölk und Behnke für Ferencvaros aufläuft, wegen einer Verletzung aber auf die EM verzichten musste. „Ich glaube, so etwas bringt jeden in seiner Entwicklung weiter“, glaubt Behnke, die in der Vorsaison in Rostow in Südrussland Handball spielte. Einige machten es der Kreisläuferin nach, die davon schwärmt, im Ausland nicht nur sportlich, sondern auch persönlich gewachsen zu sein.

Das Halbfinale ist das große Ziel

Von den Effekten in vielen Bereichen soll die deutsche Nationalmannschaft profitieren. Nachdem die DHB-Auswahl bei der WM vor einem Jahr in Japan und bei der EM zwölf Monate zuvor in Frankreich jeweils nur knapp am Einzug ins Halbfinale gescheitert war, hat sich die Überzeugung durchgesetzt, in Dänemark mehr erreichen zu wollen. „Wir sind mal dran“, formuliert es Rückraum-Talent Bölk. Mit 22 Jahren steht sie bereits vor ihrem fünften großen Turnier und glaubt, genug gelernt zu haben.

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