Kommentar
Deutsche Handballer beenden Reihe von Enttäuschungen
Diese Generation der deutschen Handball-Nationalmannschaft war sehr schnell sehr erfolgreich. Im Januar 2016 gewann das Team in Polen die Goldmedaille bei der Europameisterschaft. 2016 gab es zudem Bronze bei den Olympischen Spielen in Rio de Janeiro. Was für ein Jahr!
Seitdem gelang nicht mehr viel.
Die Schlüsselspiele seit dieser Zeit wurden allesamt verloren. Es ist eine Bilanz der Enttäuschungen. Bei der WM 2017 scheiterte die Mannschaft völlig unnötig im Achtelfinale an Katar. Ein Jahr später ging sie bei der EM in Kroatien gegen Spanien unter. Ganz bitter war die Halbfinal-Niederlage bei der WM 2019 im eigenen Land. In Hamburg sah das Team gegen Norwegen kein Land, und dann holte auch noch Frankreich die Bronzemedaille. Bei der EM in Norwegen, Österreich und Schweden vor einem Jahr folgte der K. o. gegen Kroatien in Wien, und kürzlich bei der WM in Ägypten kassierte das Team Niederlagen gegen Ungarn und erneut Spanien; Niederlagen, die vermeidbar waren.
Mit dem Sieg gegen Slowenien kann diese Mannschaft noch einmal Fahrt aufnehmen. Gestern hielt sie dem Druck stand, deutete an, was sie zu leisten imstande ist, wenn sie auch nur annähernd ihr Potenzial abruft. Das war 30 Minuten lang eine astreine Leistung, in der Abwehr und im Angriff, die Slowenen wirkten zunehmend konsterniert. Dabei sah deren Trainer Ljubomir Vranjes den Druck vor der Partie eigentlich bei den Deutschen. Mit einem Erfolg gegen Algerien könnte sich die Auswahl nun (endlich) belohnen. Die Teilnahme an den Olympischen Spielen wäre auch für die Handballer ein Traum. Kapitän Uwe Gensheimer hat am Donnerstag noch einmal an die wundervollen Spiele in Rio de Janeiro erinnert.
Diese Mannschaft hat nach wie vor Entwicklungsmöglichkeiten. Mit Sebastian Heymann rückt gerade ein großes Talent nach, das in Göppingen schon viel Verantwortung übernimmt. Johannes Golla hat einen Riesensprung gemacht, Juri Knorr ist der Regisseur der Zukunft.