1. FC Kaiserslautern
Derby gegen Waldhof Mannheim: Gift und Galle historischen Ausmaßes
Was beide Mannschaften in den ersten 45 Minuten boten, hatte mit Fußball nur wenig zu tun. Und dass es zu einem Derby historischen Gift-und-Galle-Ausmaßes kommen konnte, lag in der Verantwortung des Unparteiischen Florian Heft. Der 31-Jährige versäumte es in der Anfangsphase, Nickligkeiten zu unterbinden und eine Treterei im Keim zu ersticken. Als Folge verging kaum eine Minute ohne Foul oder Stirn-an-Stirn-Scharmützel. Kombinationen Mangelware, Chancen Fehlanzeige. Stattdessen: rauchende Colts.
Die Roten Teufel nutzten den Körperkontakt bewusst als Stilmittel. Das hatte keinen positiven Effekt, im Gegenteil: Nach 23 Minuten spielten sie nur noch zu zehnt. Kenny Prince Redondo hatte Hamza Shaghiri bei einem Foulspiel an der Achillessehne getroffen, Heft zückte die Rote Karte. Eine sehr harte, womöglich auch falsche Entscheidung, die vielleicht auch deshalb zustande kam, weil der Waldhof-Tross in Mannschaftsstärke von der Bank schnellte. Anderseits bestürmten bei jedem Foul an einem ihrer Teamgefährten stets auch vier, fünf Mann des FCK den Übeltäter.
Hefts Herkulesaufgabe
Heft stand vor einer Herkulesaufgabe, der er nicht gerecht wurde. In der 41. Minute dezimierte er den FCK abermals: Marvin Senger spielte als letzter Mann im Laufduell mit Adrien Lebeau hauchzart den Ball, traf aber gleichzeitig Fuß und Bein des Gegners. Heft schickte den Verteidiger vom Rasen. FCK-Trainer Marco Antwerpen haderte mit beiden Entscheidungen – und nicht nur mit diesen. Unter anderem hatte er ein klares Handspiel des Mannheimers Jesper Verlaat im Waldhof-Strafraum gesehen und einen Elfmeter für richtig gehalten. „Bei diesem Schiedsrichtergespann heute bin ich sprachlos“, zürnte Antwerpen. Ehe Redondo des Feldes verwiesen worden sei, habe der Gast fünf Gelbe Karten erhalten müssen. Später bemerkte Antwerpen, er brauche Tage, um sich von den Ereignissen zu erholen; so etwas habe er noch nicht erlebt.
In doppelter Unterzahl verteidigte der FCK hernach beherzt, aber mit kühlerem Kopf. Der Gast blieb geduldig, machte das Spiel breit, wartete auf seine Chance, jedoch mangelte es den meisten Aktionen an Überzeugung. Die größte Gelegenheit besaß Dominik Martinovic eine Viertelstunde vor Schluss aus kurzer Distanz, Matheo Raab parierte bravourös. Marcel Costly und Marc Schnatterer hatten ebenso die Führung auf dem Fuß. Mehr ließ der FCK nicht zu. Seine Fans feierten das 0:0 wie einen Sieg. „Meine Jungs haben das überragend gemacht, ich bin sehr stolz auf sie“, sagte Antwerpen. Sein Mannheimer Pendant Patrick Glöckner gestand ein, dass seine Mannschaft zu wenig für einen Sieg getan hatte. „Man muss klar sagen, das war gegen neun Mann ein Stück weit zu wenig“, sagte er.
Jean Zimmer: Wir können stolz sein
Gäbe es einen Zusatzpunkt für Moral, hätte der FCK sich diesen verdient. „Durch zwei kritische Situation verlieren wir zwei Mann, es ist sehr schwierig, das in einem Derby zu verarbeiten“, konstatierte Kapitän Jean Zimmer, „wir können alle stolz aufeinander sein, was jeder Einzelne aufs Feld geschmissen hat.“ Ergänzend sagte Zimmer: „Es war von Anfang an jedem bewusst, was für ein Gegner heute auf dem Platz steht. Das haben wir auch angenommen. Nach dem Spielverlauf können wir mit dem Punktgewinn besser leben als sie.“
So spielten sie
1. FC Kaiserslautern: Raab - Tomiak, Kraus, Senger - Hercher (86. Hanslik), Wunderlich (78. Schad), Ritter, Zuck - Zimmer (78. Nieuhues), Klingenburg, Redondo
SV Waldhof Mannheim: Königsmann - Sommer (46. Costly), Verlaat, Seegert, Rossipal (78. Donkor) - Saghiri, Höger (67. Ekincier) - Boyamba (67. Gouaida), Lebeau, Schnatterer - Martinovic
Gelbe Karten: Zimmer (3), Hengen (Sportchef), Tomiak (4), Antwerpen (Trainer), Raab (2) - Lebeau (2), Sommer (2), Seegert (4), Saghiri , Schnatterer - Rote Karten: Redondo (23.), Senger (41.), Dick (44., Teammanager) - Kientz (23., Sportchef) - Beste Spieler: Raab, Tomiak, Kraus - Verlaat, Lebeau, Saghiri - Zuschauer: 13.105 - Schiedsrichter: Heft (Neuenkirchen).
