Meinung Der Fußball braucht mehr Märchen
Arminia Bielefeld steht im DFB-Pokalfinale 2025. Unfassbar, unglaublich. Die Arminen sind der erste Drittligist seit Union Berlin 2001, dem das gelang. Wenn der Finaleinzug des 1. FC Kaiserslautern im Vorjahr ein Märchen war, was ist dann der 2:1-Sieg der Bielefelder über Bayer Leverkusen im Halbfinale. Ein märchenhaftes Märchen, ein Supermärchen? Der FCK war schließlich „nur“ ein abstiegsbedrohter Zweitligist.
Hand aufs Herz: Wer hat denn ernsthaft mit einem Bielefelder Sieg gegen Leverkusen gerechnet? Überhaupt, dass die Ostwestfalen gleich vier Bundesligisten aus dem Pokal kegeln – unglaublich. Wie sagte der große Sir Alex Ferguson nach dem späten 2:1-Erfolg von Manchester United gegen den FC Bayern im Champions League-Finale 1999? „Football bloody hell!“ Frei übersetzt: „Fußball, verdammt nochmal!“
Zwei Euro ins Phrasenschwein
Die für einige schönste Nebensache der Welt lebt von Emotionen. Zwei Euro gehen an dieser Stelle selbstverständlich ins Phrasenschwein. Gerade in einer Zeit, in der viele Anhänger den sich selbst beschleunigenden Turbokapitalismus im Fußball beklagen, ist es doch eine Wohltat, wenn die „Kleinen“ den „Großen“ eins auswischen. Es zeigt, dass Geld doch eben nur bis zu einem gewissen Punkt Erfolg kaufen kann. Und ganz nebenbei verbrüdern sich doch eher Fans mit dem sympathischen Außenseiter, denn mit dem dominanten Favoriten. Ein wenig Zerstreuung mit einer herzerwärmenden Geschichte hilft doch in Zeiten, in denen viele beim Blick auf die Schlagzeilen stets aus Neue zusammenzucken.
Wenn die Arminia also am 24. Mai in Berlin entweder dem VfB Stuttgart oder RB Leipzig gegenübersteht, dürfte klar sein, wem die Fußball-Nation mehrheitlich die Daumen drückt.