FCK RHEINPFALZ Plus Artikel Der FCK nach einem dramatischen Spieltag: Sieglos und geschockt

Freut sich über seinen Treffer zum 1:0 für den FCK: Marvin Pourié.
Freut sich über seinen Treffer zum 1:0 für den FCK: Marvin Pourié.

Über Sportliches mochte nach dem 1:1 des 1. FC Kaiserslautern in der Drittliga-Partie gegen den FC Ingolstadt niemand reden. Dabei hätte es einiges an Diskussionsstoff gegeben. Der Wadenbeinbruch von Dominik Schad verdunkelte alles. Und dann war da noch ein Tritt nach dem Schlusspfiff. Den kommentiert Ingolstadts Sportdirektor nun.

Jeff Saibene ist ein Gentleman. Nach alledem, was seiner Mannschaft im Allgemeinen, seinem Schützling Dominik Schad im Speziellen und ihm persönlich am Mittwochabend widerfahren war, hätte der Cheftrainer des 1. FC Kaiserslautern ganz anders reagieren können – vermutlich hätte niemand es ihm übel genommen. Die Partie gegen den FC Ingolstadt war vorüber, Saibene befand sich gerade im Diskurs mit Referee Asmir Osmanagic, als FCI-Sportdirektor Michael Henke sich anschlich und Saibene, bis 9. März noch „sein“ Angestellter in Ingolstadt, von hinten in die Hacken trat. Saibene schien für einen Augenblick die Contenance zu verlieren, doch Gästeschlussmann Fabijan Buntic hielt ihn fest und bewahrte ihn vor einem Racheakt.

Das wahre Drama

Kurze Zeit später, vor dem Mikrofon von Magenta-Sport-Moderator Thomas Wagner, sagte Saibene dazu: „Sie haben die Bilder ja gesehen, kein Kommentar.“ Ob er Henke im Kabinengang inzwischen begegnet sei, bohrte Wagner nach. „Nein, nein, ich muss ihn auch nicht sehen, das sagt alles aus über ...“ Saibene verbot sich rasch selbst das Wort. In der Pressekonferenz sagte er wenig später: „Es ist nicht der Rede wert. Ich habe einen Tritt gespürt, aber alles ganz harmlos ...“

Das wahre Drama spielte sich in der 88. Minute ab. Nach einem Zweikampf mit Janik Bachmann geriet der Ingolstädter Einwechselspieler Rico Preißinger aus der Balance und fiel Dominik Schad mit dem Körper auf dessen linkes Bein. Als er seinen Teamkollegen am Boden liegen sah, schlug Bachmann die Hände vors Gesicht und wandte sich entsetzt ab. Schad krümmte sich vor Schmerz, das Bein oberhalb des Knöchels abgeknickt. Im Stadion Grabesstille. Sanitäter eilten herbei, legten eine Infusion, behandelten minutenlang. Unter Beifall wurde Schad in ein Hospital gebracht.

Schad fällt monatelang aus

Diagnose: Bruch des Wadenbeins. Schad wird in den nächsten Tagen operiert, er fällt vier bis sechs Monate aus. Jeff Saibene war geschockt. „Das tut uns allen extrem weh. Das Bein hat schlimm ausgesehen“, sagte Saibene unmittelbar nach der Partie. Nur ein Profi des FCK äußerte sich, Marlon Ritter: „Das mit ,Dome’ wünscht man keinem, nicht seinem schlimmsten Feind, das überschattet einfach alles. Wir müssen gar nicht über das Spiel reden. “

Dabei hätte es einiges an Sportlichem zu besprechen gegeben. Zum Beispiel die erste Hälfte, in welcher der FCK groß aufspielte und durch den bärenstarken Marvin Pourié in Führung ging. Der stürmende Sommerzugang überwand Buntic mit der Hacke. Pourié überragte, nicht allein wegen seines Tores, er rackerte, kombinierte, schuf Räume; er strahlte eine Präsenz aus, die dem FCK lange gefehlt hat. Mit Kevin Prince Redondo gewinnt der Flügel wieder an Tempo, auch Marlon Ritter und Tim Rieder legen an Form zu.

Einige Fehlentscheidungen

Pourié hätte sein Siegversprechen beinahe eingehalten. Kurz vor Schluss traf er zum 2:1, Schiri Osmanagic aber mochte ein Foulspiel Pouriés an Verteidiger Björn Paulsen erkannt haben. Er irrte. Wie in der neunten Minute, als Ingolstadts Thomas Keller den Ball ins Kaiserslauterer Tor köpfte. Der schwache Osmanagic annullierte den Treffer, Keller soll FCK-Torwart Spahic behindert haben. Hatte er nicht. Spahic leistete sich an diesem vermaledeiten Mittwoch manch eine Unsicherheit in der Luft. Am 1:1 durch Filip Bilbija trug er keine Schuld. Nach einem weiten Abschlag Buntics setzte FCI-Kapitän Stefan Kutschke sich im Kopfballduell mit Kevin Kraus durch, verlängerte den Ball, Bilbija stand frei.

Jeff Saibene hatte einiges gesehen, was ihm gefiel, „viel Dynamik, viel Torgefahr“. Fakt aber ist: Auch unter seiner Regie warten die Roten Teufel auf den ersten Saisonerfolg. Nach sechs Spieltagen weist das Konto vier Punkte aus. Aktuell bedeutet dies Abstiegsrang 17.

Ingolstadts Trainer Tomas Oral rügte indes seinen Kapitän Stefan Kutschke, der kurz vor dem Abpfiff als fairer Sportsmann aufgefallen war. Kutschke hatte dem Assistenten an der Linie bedeutet, als Letzter am Ball gewesen zu sein, der FCI kam so um einen Eckstoß.

Henkes Entschuldigung

Michael Henke, gegen den nun der DFB-Kontrollausschuss ermittelt, bereut sein emotionales Verhalten mittlerweile. „Ich muss mich bei Jeff entschuldigen. Es war eine dumme Aktion von mir. Das darf mir nicht passieren“, sagte der 63-Jährige am Donnerstagmittag in einem Telefongespräch mit der RHEINPFALZ. „Ich habe keinerlei Problem mit Jeff, ich halte ihn für einen guten Trainer.“ Und auch für einen Gentleman.

Auf dem Weg ins Krankenhaus: Sanitäter bringen den am linken Unterschenkel verletzten Dominik Schad aus dem Stadion.
Auf dem Weg ins Krankenhaus: Sanitäter bringen den am linken Unterschenkel verletzten Dominik Schad aus dem Stadion.
Nach dem Tritt: FCI-Torwart Buntic hält Jeff Saibene zurück.
Nach dem Tritt: FCI-Torwart Buntic hält Jeff Saibene zurück.

An dieser Stelle finden Sie ein Video via Glomex.

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