Handball RHEINPFALZ Plus Artikel Der Eulen-„Bobby“ schnuppert am Nationalteam

Hendrik Wagner
Hendrik Wagner

Es war nur eine Frage der Zeit. Hendrik Wagner, Rückraumspieler des Handball-Zweitligisten Eulen Ludwigshafen, ist zu einem Perspektivlehrgang der deutschen A-Nationalmannschaft vom 10. bis 12. Oktober in Hennef eingeladen worden. Wagner wäre nicht der erste Zweitliga-Spieler der Eulen, der zum A-Nationalspieler würde.

Die Mannschaft hat es sozusagen aus zweiter Hand erfahren. „Ich habe es dem Team gar nicht gesagt“, verrät Hendrik Wagner. Torwart Matej Asanin plapperte es dann heraus.

Diese Anekdote sagt etwas über Hendrik Wagner aus. Der 24 Jahre alte Wieslocher (Rhein-Neckar-Kreis) ist nämlich kein Mensch, der große Töne spuckt, der sich in den Vordergrund drängt. Wagner ist ein geerdeter Mensch, der im Stillen genießt. Dass er zu einem Lehrgang der deutschen Nationalmannschaft eingeladen wird, ist für ihn Bestätigung seiner täglichen Arbeit.

Ein Aufsteiger trotz des Abstiegs

Die nimmt der Student der Betriebswirtschaftslehre sehr ernst. Wagner hat sich voriges Jahr in drei Monaten sechs Kilogramm an Muskelmasse antrainiert. Er ernährt sich ganz gezielt. Seine Bundesliga-Saison bei den Eulen verlief trotz des Abstiegs grandios. 182 Tore erzielte er. Damit war der 2,02 Meter lange Wagner bester Eulen-Werfer. „Der Hendrik muss nur aufs Tor werfen, dann ist die Chance sehr groß, dass der Ball drin ist“, sagte einmal Ben Matschke, sein Ex-Trainer. Wagner hat den härtesten Wurf bei den Eulen.

Die überragende Wurfquote rückte Wagner in den Fokus. So wurde er zum „Kretzsche des Monats“ gewählt. Wagner gewann die Wahl im März 2021 – und auch zum „Kretzsche des Jahres 2021“. Beim „Kretzsche des Monats“ werden vom Privatsender Sky fünf Spieler oder Trainer aus der Bundesliga ausgewählt, die in einem Monat Herausragendes geleistet haben. Viele Vereine wollten Wagner verpflichten. Die HSG Wetzlar mit Matschke als Coach bekam ihn. Matschke ist ein Mentor für Wagner.

Auch als Friseur erprobt

Die Zweitliga-Saison bei den Eulen hat Wagner ganz bewusst angenommen. Er wollte die Erfahrung sammeln. Und: Er identifiziert sich voll mit dem Team. So ist er Ball- und Grillwart. Außerdem hat er auch schon Mitspieler Max Neuhaus die Haare geschnitten.

Die Mannschaft jedenfalls freute sich, dass „Bobby“ – so wird er im Team genannt – nun zum Nationalteam darf. Umsonst ist der Trip aber nicht. „Ich muss ein Kabinenfest spendieren“, sagt Wagner.

Das musste Erik Schmidt auch. Der Kreisläufer wurde 2015 als Zweitliga-Spieler der Eulen von Dagur Sigurdsson auch in die A-Nationalmannschaft berufen. Und: Schmidt wurde 2016 Europameister. Ein gutes Omen für „Bobby“?

Wie aber kam Wagner zu diesem Kosenamen? „Das wusste ich lange Zeit auch nicht. Unser Kreisläufer Max Haider gab mir den Spitznamen. In der NFL, der amerikanischen Football-League, gibt es einen Defensivspieler, der Bobby Wagner heißt. Nun heiße ich eben Bobby.“

Am Dienstag, 19 Uhr, spielen die Eulen zu Hause im DHB-Pokal gegen GWD Minden.

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