Die Wochenend-Kolumne RHEINPFALZ Plus Artikel Dem DFB würde Unterstützung aus der Pfalz helfen

Hoffnungsträgerin aus der Pfalz: Nadine Keßler.
Hoffnungsträgerin aus der Pfalz: Nadine Keßler.

Der Deutsche Fußball-Bund ist in vielen Bereichen in Schieflage geraten – und eine Frau aus Weselberg soll Geschäftsführerin werden.

Jetzt kann es, nein, jetzt muss es besser werden – dieser Gedanke überkam mich, als vermeldet wurde, dass eine tatkräftige Frau mit Wurzeln in der Pfalz beim Deutschen Fußball-Bund (DFB) eine führende Rolle einnehmen könnte. In einem Verband, der von Krise zu Krise taumelt, sportlicher, finanzieller oder juristischer Natur, der als Durcheinandergeratener Fußball-Bund gut tituliert wäre, kann ein wenig mehr pfälzisches Gemüt nur helfen.

Man darf sich von ersten Gedanken und von einem Bauchgefühl, sei es noch so pfälzisch angehaucht, allerdings in der Beurteilung einer solchen Personalie nicht leiten lassen. Also gilt es, Nadine Keßler, die ehemalige Weltklassespielerin aus Weselberg bei Landstuhl, nach greifbaren Kriterien zu beurteilen. Die 35-Jährige soll als Geschäftsführerin innerhalb des DFB große Teile der Aufgaben von Oliver Bierhoff übernehmen, der im Anschluss an die verkorkste WM der Männer im vergangenen Dezember gehen musste.

Eine gute Lösung

Die Frau aus der Westpfalz war eine herausragende Spielerin, wurde im Jahr 2014 zur Weltfußballerin gekürt, gewann die Champions League, wurde deutsche Meisterin, feierte den EM-Titel mit der deutschen Mannschaft. Sportlich gibt es kaum mehr Meriten zu erreichen als Keßler erreicht hat. Hätten sie nicht 2016 chronische Knieprobleme zum frühen Karriereende gezwungen, wäre die Liste der sportlichen Erfolge vermutlich noch länger geworden.

Ebenso beachtlich und für den möglicherweise anstehenden Job von großer Relevanz ist die Entwicklung von Nadine Keßler neben dem Platz, denn als Abteilungsleiterin beim europäischen Fußball-Verband Uefa hat sie bewiesen, in Verbandsstrukturen arbeiten zu können. Gleichzeitig könnte sie beim DFB neues Gedankengut einbringen, weil sie den Blick von außen hat und nicht über Jahre innerhalb des deutschen Verbandes auf der Karriereleiter emporgeklettert ist.

Nadine Keßler wäre deshalb eine gute Lösung, nicht nur wegen des Bauchgefühls, sondern auch bei emotionsfreier Betrachtung. Westpfälzische Gelassenheit kann neben der inhaltlichen Qualifikation nicht schaden, im Gegenteil.

Keine Zukunft beim DFB: Sami Khedira.
Keine Zukunft beim DFB: Sami Khedira.

Es braucht fähige Menschen beim DFB, denn es gibt grundlegende Probleme in unterschiedlichen Bereichen. Weniger der offensichtliche Wunsch, Nadine Keßler für den DFB zu gewinnen, überrascht deshalb, sondern der Umgang mit Sami Khedira. Der ehemalige Nationalspieler, Weltmeister von 2014, galt lange als ausgemachter Kandidat für die Position neben Keßler. Khedira sollte das prägende Gesicht im Umfeld der Nationalmannschaften sein, doch daraus wird nichts.

Irritierend ist dabei weniger die Tatsache, dass sich beide Seiten nicht einigen konnten, sondern vielmehr die von Verbandsseite kolportierten Gründe dafür. Demnach habe Khedira zu viele konzeptionelle Veränderungen anstoßen wollen, sei den Verantwortlichen um den DFB-Präsidenten Bernd Neuendorf zu forsch gewesen, habe zu viele Befugnisse haben wollen.

Ich musste schmunzeln, nachdem ich etwas länger darüber nachgedacht habe.

Weiter so darf nicht weitergehen

Der Deutsche Fußball-Bund steckt in einem großen Dilemma, er stolpert sportlich von Rückschlag zu Rückschlag. Finanziell droht der Verband in Schieflage zu geraten, weil Einnahmen sinken und die Ausgaben immens sind, weil die Finanzbehörden gleich in mehrfacher Hinsicht gegen den DFB ermitteln. Es besteht unstrittig großer Reformbedarf – und wenn jemand kommt, der Reformen anschieben möchte, wird er abgewiesen.

Bernd Neuendorf ist seit seiner Wahl zum Präsidenten des über sechs Millionen Mitglieder zählenden Verbandes um Ausgleich bemüht, er ist kein Mann der Konflikte. Das ist oft hilfreich, vor allem sorgt es für eine harmonische Atmosphäre am DFB-Campus in Frankfurt. Gleichzeitig besteht die Gefahr, dass Reibung verloren geht, die es benötigt, um Strukturen aufzubrechen, um Entwicklungen anzustoßen. Wer Dinge verändern will, schafft das nie nur mit Harmonie, weil nie jeder Einzelne mit den Veränderungen einverstanden ist. Mit einem Weiter so darf es beim DFB nicht weitergehen.

Nadine Keßler aus Weselberg steht bereit.

x