Handball RHEINPFALZ Plus Artikel Das WM-Aus: Nach der Pause geht nicht mehr viel

Hatte am Ende zu viele Fehlwürfe: Patrick Groetzki.
Hatte am Ende zu viele Fehlwürfe: Patrick Groetzki.

Die deutsche Nationalmannschaft hat das WM-Halbfinale verpasst. Gegen Frankreich gab es eine herbe 28:35-Niederlage. Die Anzahl der Fehler war viel zu hoch. Der Olympiasieger trifft nun am Freitag im Halbfinale auf Schweden.

Das deutsche Team, wieder mit Paul Drux, der sogar in der Abwehr begann und sich um Dika Mem kümmern sollte, erwischte im WM-Viertelfinale einen großartigen Start. Keine Angst vor großen Mannschaften: Der Außenseiter spielte gegen Frankreich mutig auf, war konzentriert und nutzte seine Chancen. Rückendeckung gab es von Torhüter Andreas Wolff, der klasse hielt. Gegenüber Vincent Gérard musste früh auf die Bank, Rémi Desbonnet kam für ihn. Trainer Guillaume Gille reagierte. Desbonnet wure später zum Matchwinner.

Sogar eine Vier-Tore-Führung

Es lief aber zunächst für den Außenseiter. 11:7 führte die deutsche Auswahl, hielt aber nicht das Niveau, patzte in Serie. Ein misslungenes Anspiel an Jannik Kohlbacher, ein technischer Fehler von Juri Knorr, eine unglückliche Aktion von Christoph Steinert – Frankreich sagte „Merci“, 11:11, das ging ganz rasch. Diesen Vorsprung hat die Mannschaft zu schnell wieder hergegeben.

Frankreichs Held: Torwart Rémi Desbonnet .
Frankreichs Held: Torwart Rémi Desbonnet .

Dreh- und Angelpunkt des französischen Spiels: Nikola Karabatic, 38 Jahre alt. Noch immer geht es nicht ohne ihn, auch wenn der hoch dekorierte Rückraumspieler deutlich langsamer geworden ist. Aber Ende der ersten Halbzeit ging er vom Feld, womöglich plagte ihn noch seine Fußverletzung.

Auch der deutsche Spielmacher Juri Knorr nahm auf der Bank Platz, er wurde sehr gut vertreten von Luca Witzke. Den Part von Kai Häfner übernahm Christoph Steinert, der Halbrechte vom HC Erlangen macht es sehr ordentlich bei der WM, in Angriff und vor allem in der Abwehr.

Mit 16:16 ging es in die Pause, eine Führung für die deutsche Mannschaft wäre durchaus möglich gewesen, aber Patrick Groetzki scheiterte beim Stand von 15:14 an Remi Desbonnet. Zuvor hatte Joel Birlehm einen Siebenmeter pariert. „Ein rassiges Spiel mit Riesen-Tempo“, urteile DHB-Sportvorstand Axel Kromer.

Bis zum 20:20 im Spiel

Wieder erwischte die deutsche Auswahl zu Beginn des zweiten Durchgangs den besseren Start, wieder führte sie, Kai Häfner gelang ein tolles Tor per Kempa-Trick – und wieder scheiterte Patrick Groetzki frei. Das wäre das 20:17 gewesen! Bis zum 20:20 war das deutsche Team im Spiel, die Franzosen spielten routiniert und warteten auf die Unkonzentriertheiten des Kontrahenten. Die Deutschen waren gegen den Olympiasieger am Ende doch zu grün. Juri Knorr war nicht so dominant wie bislang im Turnier, die Franzosen engten seine Kreise ein. Durch das 27:24 von Kentin Mahé waren die Franzosen am Drücker, zumal sich Djibril M’Bengue einen peinlichen Abspielfehler leistete. Wie ärgerlich, in so einem wichtigen Spiel. Zusammen genommen waren das einfach zu viele Fehler. Der Olympiasieger ließ sich in der Schlusssequenz nicht mehr beirren. Das war von der Konzentration her sicherlich das bislang schwächste Spiel der deutschen Mannschaft bei diesem Turnier. Sie kam nach der Pause nicht mehr an ihr Limit.

Groetzkis Fehlschüsse tun weh

Als Patrick Groetzki zum dritten Mal scheiterte, war die Partie im Grunde entschieden. Da stand es 25:30. Er konnte einem fast leid tun, denn danach hatte er noch einen Fehlschuss. Da spielte er bis dato eine so tolle WM. Dem starken Torhüter Andreas Wolff war es zu verdanken, dass der Rückstand noch einigermaßen erträglich blieb.

Luca Witzke setzte sich hier gegen die französische Abwehr durch.
Luca Witzke setzte sich hier gegen die französische Abwehr durch.

Pekeler vor Comeback

Gut möglich, dass die deutsche Mannschaft bald Verstärkung bekommt, von einem altbewährten Spieler – Hendrik Pekeler. „Es gab an Weihnachten eine kleine Abstimmung innerhalb der Familie, ob ich wieder Nationalmannschaft spielen soll. Das Ergebnis war 10:0, dass ich wieder spielen soll. Alfred hat schon angekündigt, dass er mich nach der WM kontaktieren wird. Wenn ich merke, ich habe ein gutes Gefühl und keine Probleme, dann werden wir uns zusammensetzen und eine Lösung finden“, sagte der 31-jährige Kreisläufer des THW Kiel im Podcast der Rhein-Neckar Löwen.

x