FCK
Das Unwort von der Ostalb
Wer auch immer Boris Notzon nach seinem Unwort des Jahres fragt, könnte eine Überraschung erleben. Womöglich wäre es nicht Corona sondern – Heidenheim. Verübeln dürfte man ihm das nicht. Wann immer der Sportdirektor des 1. FC Kaiserslautern den Namen der auf der Ostalb gelegenen 50.000-Einwohner-Stadt hört, muss er erst mal durchatmen. Seit Monaten kreist das Gerücht um den Betzenberg, der dort beheimatete und in der Zweiten Liga spielende 1. FC begehre Florian Pick, Christian Kühlwetter und Carlo Sickinger, gleich drei Profis also, die bei den Roten Teufeln in der abgelaufenen Saison wichtige Spieler waren, wenn nicht die wichtigsten.
Pick und Kühlwetter erzielten 27 der 59 Tore und bereitete 19 Treffer vor. Sickinger fungierte als Kapitän und spielte in Mittelfeld wie Abwehr gleichermaßen verlässlich. Breiter könnte die Spur nach Heidenheim durch den Umstand werden, dass dem 1. FC nach der verlorenen Aufstiegsrelegation seinerseits Leistungsträger abhanden kommen. Topscorer Tim Kleindienst und Mittelfeldspieler Niklas Dorsch verlassen den Klub in Richtung des belgischen Erstligisten Gent, „Motor“ Stefan Griesbeck wechselt zu Union Berlin, mit Timo Beermann ein Innenverteidiger zum VfL Osnabrück. Es werden Positionen frei, welche die genannten Lauterer Akteure besetzen könnten.
Die Transferperiode ist lang, Papier geduldig
Der Heidenheimer Vorstandsvorsitzende Holger Sannwald will dies nicht als Ausverkauf verstanden wissen, er betonte gegenüber dem Südwestrundfunk, Trainer Frank Schmidt werde in der kommenden Spielzeit „tolle Spieler und eine tolle Mannschaft“ vorfinden. Auch Kühlwetter und/oder Pick und/oder Sickinger? Etwas Neues aus Heidenheim, Herr Notzon? „Von mir ist dazu alles gesagt. Und zwar, dass alle drei gültige Arbeitspapiere haben“, sagte der Sportchef am Freitag. Beim Trainingsauftakt am Mittwoch werde keiner der drei fehlen.
Die Transferperiode aber ist lang und Papier geduldig. Zudem kreist im Orbit noch immer das Wort „Sonderkündigungsrecht“, das vermeintlich greift, sobald das Insolvenzverfahren des FCK am 1. September eröffnet wird. Die Frage, ob Kaiserslauterns Anhänger dieses Szenario fürchten müssen, ist nicht einfach zu beantworten, der Sachverhalt bei Juristen sehr umstritten. Sicher scheint, dass jeder Fall einzeln betrachtet werden müsste. Laienhaft ausgedrückt könnte es für den Verein wohl eine Handhabe geben, Sonderkündigungen entgegenzutreten, sofern die Produktivität des Unternehmens samt einer positiven Fortführungsprognose gefährdet wäre. Bei Leistungsträgern wie Pick, Kühlwetter oder Sickinger würde dies wohl gelten. Indes, auch Andreas Kleinschmidt, der vorläufige Sachwalter des FCK-Insolvenzverfahrens, sagte dieser Tage gegenüber der RHEINPFALZ, es gebe keine verlässliche Regelung. Das Stochern in der Grauzone.
Der Sommerfahrplan kommt am Montag
Sicher ist: Der Kader des pfälzischen Drittligisten wird sich noch verändern. Der abwanderungswillige Theodor Bergmann führt offenbar Gespräche mit Viktoria Köln, jedoch scheint innerhalb des Klubs keine Einigkeit über die Qualitäten des Spielers zu existieren. Joe Matuwila ist nach seiner Leihe zu Rot-Weiss Essen zurück in Kaiserslautern, dass er beim FCK bleibt, ist kaum vorstellbar. Denkbar wäre zudem, dass Stürmer Andri Bjarnason nach einem völlig verkorksten, verletzungsbeladenen Jahr mit nur zehn Einsätzen und keinem Tor ein anderes Fleckchen Erde sucht, auf dem er mehr Glück vermutet.
Am Dienstag will der FCK seinen Sommerfahrplan bekanntgeben. Irgendwann werden weitere Pressemitteilungen zu Personalien folgen. Womöglich auch solche, in denen das Wort Heidenheim auftaucht.

