Sport Das Drama von Samara
«Samara.» Während sich Kolumbien mit einem 1:0 (0:0)-Sieg gegen Senegal ins WM-Achtelfinale rettet, scheidet der letzte Vertreter Afrikas wegen zweier Gelber Karten zu viel über die Fairplay-Wertung aus.
Wenn unten auf dem Rasen die Protagonisten Tränen vergießen, während oben auf den Rängen die Menschen ihr Glück kaum fassen können, dann hat ein Fußballspiel mal wieder die ganze Bandbreite der Emotionen abgerufen. Hier der hemmungslos weinende senegalesische Keeper Khadim N’Diaye, dort die enthemmt feiernden kolumbianischen Anhängern: Die futuristische Kosmos-Arena von Samara hat gestern das nächste Drama dieser WM erlebt. Erstmals musste die Fair-Play-Wertung helfen, um über den Achtelfinaleinzug zu entscheiden. Leidtragende der neuen Regel war der letzte Hoffnungsträger aus Afrika. Denn bei der Punkt- und Torgleichheit mit Japan hatten die furchtlosen Löwen von Teranga zwei Gelbe Karten zu viel auf dem Konto. Die auf diese fast schon tragische und gewiss auch diskussionswürdige Art ums Achtelfinale gebrachten Westafrikaner ließen als Verlierer selbst Fairplay walten. Zumindest in Person ihres Nationaltrainers Aliou Cissé: „Das sind die Regeln, das ist der Wettbewerb. Das müssen wir akzeptieren.“ Der 42-jährige Ex-Profi hätte sich gleichwohl gewünscht, dass „wir auf eine andere Art und Weise eliminiert werden.“ Vorwürfe an seine Spieler wegen des möglicherweise zu robusten Einsatzes, die in drei Gruppenspielen sechs Verwarnungen erhielten, richtete er keine. Alle seine Feldspieler aus der Startelf sind in Europa beschäftigt und pflegen den konsequenten Körpereinsatz. „Wir können nicht anders, das ist unser Stil“, sagte Cissé. Zu allem Unglück nahm Schiedsrichter Milorad Mazic auch noch einen Strafstoß für den Senegal zurück, nachdem er sich auf Intervention seiner Videoassistenten am Monitor versichert hatte, dass der Kolumbianer Davinson Sanchez bei seiner Abwehraktion gegen Sadio Mané zuerst den Ball gespielt hatte (18.). Zum Verhängnis wurde dem Team ein Moment der Unaufmerksamkeit, als beim Kopfballtor von Abwehrspieler Yerry Mina (74.) nur Begleitschutz gewährt wurde. Kolumbiens James Rodriguez musste nach 31 Minuten vom Platz. Beim Bayern-Star ist offenbar die alte Wadenverletzung aufgebrochen, die bereits gegen Japan einen Startelfeinsatz verhinderte. Es sieht im Hinblick auf das Achtelfinale nicht gut aus. „Ich mache mir große Sorgen“, berichtete Trainer José Pekerman. „Ich habe nicht mehr Informationen. Wir müssen auf gute Nachrichten hoffen.“ Der kolumbianische Verband ist übrigens dafür bekannt, schlechte Neuigkeiten lange zurückzuhalten. So spielten Sie Senegal: Khadim N´Diaye - Gassama, Salif Sané, Koulibaly, Sabaly (74. Wagué) - Gueye, Kouyaté - Sarr, Baldé (80. Konaté) - Niang (86. Sakho), Mané Kolumbien: Ospina - Arias, Mina, Davinson Sanchez, Mojica - Carlos Sánchez, Uribe (83. Lerma) - Juan Cuadrado, Quintero, James Rodríguez (31. Muriel) - Falcao (89. Borja) Tor: 0:1 Mina (74.) - Gelbe Karten: Niang (2) - Mojica (1) - Beste Spieler: Salif Sané, Koulibaly - Mina, Carlos Sánchez - Zuschauer: 41.970 - Schiedsrichter: Mazic (Slowakei).