SPORT RHEINPFALZ Plus Artikel Corona-Regeln: So läuft es bei den Clubs in der Region

2G: Fans dicht an dicht auf der Westtribüne des Fritz-Walter-Stadions am Samstag gegen Viktoria Köln.
2G: Fans dicht an dicht auf der Westtribüne des Fritz-Walter-Stadions am Samstag gegen Viktoria Köln.

Das erste Wochenende im Profisport unter den neuen Corona-Bedingungen ist vorbei. Die Zuschauerzahlen sind gedeckelt, es gab sogar die ersten Geisterspiele. Wie gehen die Klubs in unserer Region mit der neuen Situation um? Vor allem: Nach welchen Kriterien darf wer ins Stadion oder in die Halle?

Am späten Donnerstagnachmittag nach der Ministerpräsidentenkonferenz hat auch Fußball-Drittligist 1. FC Kaiserslautern erst erfahren, dass die Anzahl der Stadionbesucher beim Heimspiel am Samstag gegen Viktoria Köln (4:0) auf 10.000 zu deckeln sei. Eine größere organisatorische Herausforderung, denn es waren schon mehr Tickets abgesetzt angesichts von etwa 10.000 gültigen Dauerkarten und einigen verkauften Tagestickets. „Wir haben den Kartenverkauf natürlich dann sofort gestoppt“, sagt FCK-Pressesprecher Stefan Roßkopf. Letztlich seien „etwas weniger als 10.000“ im Fritz-Walter-Stadion gewesen beim letzten FCK-Heimspiel des Jahres. Denn: Einige Dauerkarteninhaber hätten den FCK dann wissen lassen, dass sie wegen der sehr angespannten Corona-Lage ohnehin lieber nicht kommen wollten, sagt der Sprecher. „Außerdem haben wir nachweisbare Erfahrungswerte“, dass nicht immer alle Dauerkartenbesitzer zu den jeweiligen Spielen kommen. So habe man dann doch niemandem absagen müssen, betont Roßkopf.

Viel los auf „der West“ beim FCK

Dass wie meistens geballt viele Fans das Spiel von der Westtribüne, der „West“, aus verfolgten, sei der hohen Nachfrage nach diesen Tickets geschuldet. „Und als der Vorverkauf begonnen hat, hatten wir das Signal, dass das Stadion vollausgelastet (49.780 Besucher, d. Red.) hätte sein dürfen“, sagt Roßkopf. Weil man so kurzfristig habe so deutlich reduzieren müssen – zunächst standen 15.000 zur Debatte – habe man nicht umverteilen können.

Die 2G-Kontrolle nimmt nach FCK-Angaben am „Betze“ eine Fremdfirma vor. „Das hat sich eingespielt“, meint Roßkopf. In den VIP-Räumen galt 2G plus. „Die Corona-Lage ist für alle schwer“, sagt der FCK-Sprecher. „Wir maßen uns nicht an, gesundheitspolitische Entscheidungen zu bewerten. Wir haben Vertrauen und arbeiten mit dem, was vorgegeben wird. Aber freuen wir uns alle, wenn, so es die Lage zulässt, wieder mehr Fans im Stadion sein dürfen, um die Mannschaft anzufeuern.“ Das Gros der Fans hat sich nach Roßkopfs Informationen an die Maskenpflicht gehalten. „Aber permanent ist das auf den Tribünen schwer zu kontrollieren, weil zum Essen und Trinken die Maske ja abgenommen werden darf“, sagt der FCK-Sprecher.

Die Eulen trifft es hart

In die Friedrich-Ebert-Halle, die Heimspielstätte von Handball-Zweitligist Eulen Ludwigshafen, passen 2250 Zuschauer. Seit der neuen Verordnung dürfen die Eulen nur noch vor 705 Zuschauern spielen. Das trifft den Klub hart: Der Zuschauerschnitt lag diese Saison bisher bei 1650 Zuschauern. Seit Montag gilt bei den Eulen die 2G-plus-Regel – sowie eine Maskenpflicht in der Halle. 1110 Dauerkarten, darin sind die VIP-Karten enthalten, sind für diese Runde verkauft. Einzeltickets haben nun keine Gültigkeit mehr. Sie können umgetauscht werden oder zurückgegeben werden. „Wir mussten an Dauerkartenbesitzer keine Absagen aussprechen“, sagt Geschäftsführerin Lisa Heßler erleichtert: Viele kamen aufgrund der aktuellen Situation nicht.

Mainz-05-Chef hat Verständnis

Schon gegen den VfL Wolfsburg durfte Fußball-Bundesligist 1. FSV Mainz 05 nur 10.000 Zuschauer begrüßen. Vorstandschef Stefan Hofmann zeigte Verständnis für die durch die Landesregierung verordnete Reduzierung: „Der Schutz der Gesundheit hat Vorrang. Hinter dieser Prämisse muss auch der Fußball zurückstehen.“ Alle Fans, die unter den bisher verbindlichen 2G-Regeln über eine Dauerkarte oder Tageskarte verfügten, durften ins Stadion. Möglich wurde dies, weil eine signifikante Zahl der Dauerkarten aufgrund einer Abstände berücksichtigenden Sitzordnung nicht genutzt werden kann und noch nicht aktiviert ist. Zudem entfallen Hinrunden-Dauerkarten und Tagestickets für Getestete, die unter der 3G-Regelung verkauft worden sind. Dem FSV kam und kommt ferner entgegen, dass Wolfsburg und die Hertha, am 14. Dezember letzter Gast 2021, keine Fanmagnete sind. Die Restplätze gegen Berlin gibt es noch als Tageskarte (personalisiert, 2G, im VIP-Bereich 2G plus).

Hoffenheim und die 750 Tickets

„Wir sind hier aktuell in der internen Abstimmung, wie wir mit der Zahl von 750 Tickets verfahren werden“, sagte Holger Kliem, der Pressesprecher des Fußball-Bundesligisten TSG 1899 Hoffenheim. Am Samstag beim 3:2-Sieg gegen Eintracht Frankfurt saßen nur einige Angestellte und dem Klub nahe stehende Personen auf der Haupttribüne. „Der Beschluss ist für uns gleichbedeutend mit der Rückkehr zu sogenannten Geisterspielen. Wir bedauern dies sehr. Die Lage bleibt für alle sehr herausfordernd. Natürlich hätten wir uns gewünscht und uns auch zugetraut, mit Hilfe unseres etablierten strengen Hygienekonzeptes zumindest einen deutlich kapazitätsbeschränkten Spielbetrieb durchführen zu dürfen. Aber wie in der Vergangenheit werden wir gemeinsam diese neue Situation annehmen und unseren Teil zur Eindämmung des Infektionsrisikos leisten“, erklärte TSG-Geschäftsführer Frank Briel. Die TSG 1899 hat in diesem Jahr noch am 18. Dezember das Heimspiel gegen Borussia Mönchengladbach.

Adler: Schweren Herzens echte Geisterspiele

Mit bis zu 5000 Zuschauern, wie in anderen Bundesländern noch zugelassen, hätten die Adler Mannheim einigermaßen leben können. Doch nur 750, so die Regelung in Baden-Württemberg – da zog der Eishockey-Spitzenklub sofort selbst die Notbremse und verordnete sich schweren Herzens Geisterspiele in der SAP-Arena. Zum einen sei der organisatorische Aufwand für so wenige Besucher „wirtschaftlich absolut nicht darstellbar“, betont Geschäftsführer Matthias Binder. Und: Da es ja keine Dauerkarten erster, zweiter oder dritter Klasse gebe, „will ich nicht durch eine Selektion unsere gewachsene Fan- und Partnerstruktur aufs Spiel setzen“. Die Reaktion der Fans darauf? „Ich habe Verständnis dafür entnommen, dass man einen klaren Cut macht“, sagt Binder. Er rechnet damit, dass die Lage wohl erst mal „vier, fünf Wochen“ andauere.

Löwen verlosen Karten

Handball-Bundesligist Rhein-Neckar Löwen ließ sich darauf ein – und verloste für das Heimspiel am vergangenen Samstag gegen die Füchse Berlin 750 Karten an Vips und Fans. Leider wurde der immense Aufwand dann nicht belohnt, das Spiel wurde eine Stunde vor dem Abpfiff wegen einiger Corona-Fälle bei den Berlinern abgesagt. „Wir planen leider auch bei den kommenden Spielen mit 750 Zuschauern“, sagte Jennifer Kettemann, die Geschäftsführerin der Löwen. Es gibt noch drei Heimspiele in diesem Jahr: Am 15. Dezember im SNP Dome die DHB-Pokalpartie gegen den TVB Stuttgart, sowie am 18. Dezember gegen TuS Nettelstedt-Lübbecke und am 27. Dezember in der Arena gegen die TSV Hannover-Burgdorf. „Uns entgeht pro Bundesligaspiel ein sechsstelliger Betrag. Und wir haben aktuell nicht die Möglichkeit bei der Staatshilfe Coronahilfe Profisport Unterstützung zu erhalten, da wir den Höchstbetrag für die Ausfälle in der zurückliegenden Saison bereits geltend machen mussten“, betonte die Geschäftsführerin.

Der KSC und das Derby gegen Heidenheim

Fußball-Zweitligist Karlsruher SC steht das erste Heimspiel unter den neuen Bedingungen noch bevor – ausgerechnet das Derby gegen Heidenheim am Sonntag dürfen nur 750 Zuschauer sehen. Die verfügbaren Karten werden an Dauerkartenkunden vergeben, teilte der KSC mit. Die zur Verfügung stehenden Public-Karten werden verlost und gelten nur für die Osttribüne (Sitzplätze).

Hoffnung beim SV Waldhof

750 Zuschauer waren Montagabend beim Spiel des SV Waldhof Mannheim gegen den SV Wehen Wiesbaden zugelassen, viel Atmosphäre blieb nicht mehr übrig. Der Klub hatte die Tickets mehrheitlich an die Sponsoren verteilt – das ist wirtschaftlich nachvollziehbar, sorgte aber nicht gerade für beste Stimmung. „Es ist schade, dass wir nicht die eigenen Fans im Rücken haben wie sonst“, sagt Trainer Patrick Glöckner: „Aber der Gesundheitsschutz steht über allem.“

Im Umfeld der Blau-Schwarzen besteht die Hoffnung, dass es bis zum nächsten Heimspiel für den Fußball-Drittligisten neue Regeln gibt. Im Carl-Benz-Stadion geht es Mitte Januar weiter. Der Klub baut darauf, dass die Einnahmeausfälle wie vorige Saison durch politische Regelungen kompensiert werden.

Kontrastprogramm in der SAP-Arena: keine Zuschauer beim Eishockeyspiel der Adler Mannheim am Sonntag.
Kontrastprogramm in der SAP-Arena: keine Zuschauer beim Eishockeyspiel der Adler Mannheim am Sonntag.
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