Kommentar
Bundesliga-Endspurt: Der Meister wird nicht meisterlich sein
Vor gar nicht allzu langer Zeit hieß es noch, selbst schwache Bayern seien einfach zu stark für diese Bundesliga. Da hatte der Dauerprimus gerade seinen jungen, hochgelobten Trainer davon geschickt und mit dem neuen Hauptübungsleiter von Weltformat die Dortmunder Borussen aus dem eigenen Stadion geschossen. Ja, im direkten Vergleich, das sieht man eben, wer die Hosen anhat. Welch fataler Irrglaube.
Was viele übersehen: Jenes 4:2 war keineswegs eine Münchner Machtdemonstration, sondern geprägt von einem kapitalen und den Spielverlauf verändernden Schnitzer des Dortmunder Torwarts. Erst als Gregor Kobel über den Ball trat, kippte das Spiel. Und wie schnell das Dortmunder Spiel, sei es durch ein Luftloch oder einen Gegentreffer, ins Wanken gerät, war auch jetzt wieder zu bewundern. 2:0-Führung gegen Kellerkind Stuttgart, am Ende hieß es 3:3 – während auch München gegen Hoffenheim über ein Unentschieden nicht hinauskam.
Auch Dortmunds Trainer Edin Terzic nahm an, „dass wir das Dümmste schon erlebt haben“. Nachdem der BVB zu Beginn der Saison bis zur 88. Minute 2:0 gegen Bremen geführt, aber noch 2:3 verloren hatte, war man geneigt, ihm recht zu geben. „Da dachte man, jetzt hat man alles gesehen im Fußball“, sagte Terzic. Doch schlimmer geht immer.
Es gebe Gründe dafür, dass niemand außer den Bayern seit zehn Jahren die Meisterschale in die Höhe reckt, sagte Terzic nun. Immer mehr zeichnet sich ab, dass diese Gründe nicht nur in der Stärke der Münchner zu suchen sind. Die anderen Teams sind schlicht zu dämlich, um den Dauerprimus abzulösen. Das gilt für den BVB, der für sich behauptet, da zu sein, wenn die Bayern taumeln – und doch immer wieder an sich selbst scheitert. Das gilt aber auch für RB Leipzig, das ohne die Niederlagen gegen Mainz und in Bochum längst Tabellenführer wäre.
Nun ließe sich trefflich freuen über die Spannung, die nach 28 Runden im Meisterkampf noch herrscht. In Wahrheit ist das Schneckenrennen zum Titel aber lediglich Ausdruck kollektiver Schwäche. Sollte Union Berlin oder dem SC Freiburg nicht noch ein wahrhaft sensationeller Endspurt gelingen, ist es egal, wer sich am 27. Mai deutscher Meister nennt. Denn meisterlich war in dieser Saison wahrlich niemand.