Fußball
Bodycam und Streamingplattform: Die Bundesliga soll marktfähiger werden
Es kommt nicht oft vor, dass Entscheider von Bayern München, Borussia Dortmund und RB Leipzig sofort einer Meinung sind. Doch wenn etwas bei der Erschließung neuer Zielgruppen nicht hilft, dann das, was mal zum DFB-Pokalfinale 2018 erprobt wurde: Helene Fischer in der Pause singen zu lassen. Sie wurde niedergebuht vom Publikum. Und so beteuerten Bayerns Finanzvorstand Michael Diederich, Dortmunds Geschäftsführer Carsten Kramer und der Leipziger Kollege Johann Plenge dieser Tage auf dem Sportbusinesskongress Spobis in Hamburg, dass beim Pokal-Endspiel andere Gesetzmäßigkeiten der Vermarktung gelten als beim Super Bowl.
Für die Bundesligisten gilt es, den US-Markt besser zu beackern. Diederich verdeutlichte, dass mit der Klub-WM 2025, mit der WM 2026 eine Chance bestehe, einen geldwerten Fußabdruck zu hinterlassen. Bei stagnierenden nationalen Erlösen sei die internationale Vermarktung für das Wachstum in Zukunft elementar.
Auslandserlöse von bis zu 200 Millionen Euro
Im Sommer 2024 waren Leipzig und Eintracht Frankfurt in den USA unterwegs, Dortmund und Bayern in Asien – der Rest bereitete sich meist im Alpenpanorama auf die neue Runde vor. Es könne nicht sein, dass die Premier League in den USA regelmäßig Turniere veranstalte, kritisierte Cramer, „und wir bekommen dort nicht mal drei Vereine hin“. Es müssten alle versuchen, die Auslandserlöse von bislang nur 200 Millionen Euro zu steigern.
Die DFL hat einen Vertrag mit der Relevent Sports Group geschlossen, um Marketing und Vertrieb in Nord-, Mittel- und Südamerika sowie der Karibik in Schwung zu bringen. Doch während sechs Relevent-Manager nach Frankfurt kamen, um sich bei einem Workshop zu präsentieren, waren lediglich neun Klubmanager zugegen – 13 fehlten ganz.
International nicht auf Augenhöhe
Cramer hielt der Liga auf dem Event mit mehr als 4000 Sportbusiness-Gästen den Spiegel vor: Man sei nicht mehr auf Augenhöhe, was das Niveau der Premier League als auch der Champions League angehe. Sportlich wie wirtschaftlich. Dass nur Bayer Leverkusen direkt das Achtelfinale der Königsklasse erreicht hat, ausgerechnet die bei der Klub-WM spielenden Bayern und Dortmunder Extrarunden in den Playoffs drehen, sind Alarmzeichen. Dortmunds Marketingexperte regte deshalb auf allen Ebenen „mehr Offenheit“ für Veränderungen an.
Plenge erinnerte an die Weste mit integrierter Kamera, die Leipzigs Kevin Kampl bei der US-Tour probeweise in einem Spiel gegen Aston Villa getragen habe. „Da sind fantastische Bilder rausgekommen.“ Der Seitenblick zu anderen Sportarten könne nicht schaden, um junge Generationen abzuholen. Ob eine Bodycam in der Bundesliga durchsetzungsfähig ist?
Es gibt unterschiedliche Ansichten
DFL-Geschäftsführer Steffen Merkel kann sich so etwas vorstellen: „Wir brauchen mehr Zugänge, mehr Interviews, wir müssen das Produkt interessanter machen.“ Ein Interview nach der Busankunft ist künftig verpflichtend, bald will die Bundesliga nach jedem Spiel einen „Player of the Match“ küren. Darauf können sich alle noch verständigen, aber ansonsten geht eine imaginäre Trennlinie durch den deutschen Profifußball.
In der Zweiten Bundesliga ist das Grummeln groß, nachdem das DFL-Präsidium den Verteilerschlüssel für die Medieneinnahmen quasi unverändert gelassen hat. Matthias Tillmann, Vorstandschef von Schalke 04, monierte: „Wir sind nicht zufrieden mit dem Ergebnis. Was mir persönlich fehlt, ist eine Vision, eine Strategie: Wohin wollen wir alle mit der Liga?“ Alexander Jobst als Vorstandsvorsitzender von Fortuna Düsseldorf warnte vor einer wachsenden Kluft, das uneingeschränkte Wachstum sei vorbei.
Eine eigene Streamingplattform?
Axel Hellmann, Vorstandsvorsitzender von Eintracht Frankfurt, sieht sich als Brückenbauer zwischen den 36 Lizenzvereinen. Nicht nur Preußen Münster und Bayern München verfolgen verschiedene Absichten, schon Eintracht Frankfurt habe andere Interessen als der 1. FC Heidenheim.
Auf einer DFL-Klausurtagung Ende März soll alles auf den Tisch kommen. Hellmann: „Wir werden uns tief in die Augen schauen, wo landen wir in vier Jahren.“ Sein Rat: „Erstmal muss der Kuchen größer werden, bevor wir die Stücke schneiden. Wir brauchen mehr unternehmerische Beinfreiheit.“ Man habe bei der jüngsten TV-Rechtevergabe mit den konkurrierenden Anbietern Dazn und Sky Glück gehabt. Einen Alternativplan habe es nicht gegeben. Hellmann kann sich vorstellen, selbst Bundesliga-Fußball auf einer Plattform anzubieten.