Sport RHEINPFALZ Plus Artikel Biathlon: Deutsche Ergebnismisere

Franziska Hildebrand (rechts) belegte in der Verfolgung den 33. Platz.
Franziska Hildebrand (rechts) belegte in der Verfolgung den 33. Platz. Foto: dpa

Noch nie sind die deutschen Skijäger so schlecht in eine Weltcup-Saison gestartet. In Hochfilzen erlebten Damen gar eine historische Schlappe. Dennoch gab es dank der Herren gestern noch ein versöhnliches Ende – mit Platz zwei in der Staffel.

Bernd Eisenbichler ist ein Mann, der sich nicht scheut, auch deutliche Worte auszusprechen. Der Sportliche Leiter des Deutschen Skiverbandes (DSV) war gefrustet, denn die Resultate der deutschen Skijägerinnen beim Weltcup im österreichischen Hochfilzen genügten nicht den Ansprüchen der Verbandsführung. Während die Herren zumindest im Sprint und in der Verfolgung Platzierungen unter den ersten 20 einfuhren, ging bei den Damen fast gar nichts. „Die Trainer sind jetzt gefordert, die Mädels aufzubauen. Es bringt nichts, auf sie draufzuhauen“, befand Eisenbichler.

Im Sprint kam keine deutsche Starterin unter die Top 40

Es scheinen nicht nur läuferische Defizite zu sein, wie die Biathlon-Ikone Magdalena Neuner beobachtete, sondern auch mentale Probleme, die für die Ergebnismisere verantwortlich sind. Im Jahr eins ohne Olympiasiegerin Laura Dahlmeier scheint der Druck zu groß zu sein. Am zweiten Weltcup-Wochenende erlitten deutschen Skijägerinnen gleich zwei historische Schlappen. Im Sprint kam keine und in der gestrigen Verfolgung kamen nur zwei DSV-Athletinnen in die Top 40. Vanessa Hinz (Schliersee) schob sich mit nur einem Nachlader beim Sieg der Norwegerin Tiril Eckhoff, die im Jagdrennen über zehn Kilometern ohne Fehler blieb, von Platz 42 auf Rang zwölf vor. „Ich habe mich ganz auf mich konzentriert, ich hatte nichts zu verlieren. Ich wollte das Rennen genießen und nicht wieder denken, ich muss, ich muss“, sagte die 27 Jahre alte Skijägerin. Sie setzte auf die mentale Lockerheit.

Franziska Hildebrand (Frankenhain) kam nicht über Platz 33 hinaus. Die übrigen Athletinnen, darunter Verfolgungs-Weltmeisterin Denise Herrmann (Oberwiesental), die sieben Strafrunden absolvieren musste, landeten nicht einmal unter den besten Top 40 und erlebten somit erneut ein Debakel. Am Tag zuvor hatte die Damen-Staffel nach einer völlig indiskutablen Leistung ihren Wettkampf auf Rang zwölf beendet. So schlecht waren die DSV-Damen noch nie.

Die Männer-Staffel sorgt für einen versöhnlichen Abschluss

Dieses Ergebnis geriet gestern beim Abschluss des Norwegen-Festivals in Tirol ein wenig in den Vergessenheit, als sich die deutsche Herrenstaffel mit Philipp Horn (Frankenhain), Johannes Kühn (Reit im Winkl), Arnd Peiffer (Clausthal-Zellerfeld) und Benedikt Doll (Breitnau) über 4 x 7,5 Kilometern erst auf den letzten Metern den Norwegern mit Schlussläufer Johannes Thingnes Boe noch geschlagen geben musste. Der werdende Vater feierte in seinem dritten Rennen den dritten Sieg und zugleich den 41. Weltcup-Erfolg.

Für die DSV-Führung brachte die zweite Weltcup-Woche auch bei den Herren nicht allzu viele neue Erkenntnisse. Denn im Einzel blieb das erhoffte Top-Ten-Resultat (noch) aus. „Der Auftritt macht Mut für die nächsten Wettbewerbe. Nach meinen vier Nachladern war es einfach mein Ziel, alles rauszuhauen und die Staffel im Rennen zu halten“, sagte Philipp Horn. Der Thüringer wies ebenso wie Johannes Kühn, der als Erster übergab, nach, dass er zu Recht im Weltcup-Team steht.

Frauen-Bundestrainer Florian Steirer wirkt ratlos

Dagegen scheint eine personelle Zäsur bei den Damen nicht ausgeschlossen. Besonders die älteren Athletinnen wie Franziska Hildebrandt und Denise Herrmann stehen in der Kritik. Den gewaltigen Druck dürfte auch Bundestrainer Florian Steirer spüren. Nach dem Staffel-Debakel lehnte der Bundestrainer jeglichen Kommentar ab. Er wirkte genervt, fast schon ein wenig ratlos. Es scheint nicht mehr ganz ausgeschlossen, dass einige Athleten beim Heim-Weltcup (ab 9. Januar) in Oberhof nicht mehr im Weltcup-Team stehen werden. Die letzte Bewährungsprobe findet bereits kommendes Wochenende im französischen Le Grand Bornand statt.

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