Fussball RHEINPFALZ Plus Artikel Bayern gegen Dortmund: Ein wildes Wettschießen

Wie so oft zuletzt im Clásico: Die Bayern jubeln, die Dortmunder lassen die Köpfe hängen.
Wie so oft zuletzt im Clásico: Die Bayern jubeln, die Dortmunder lassen die Köpfe hängen.

Robert Lewandowski feiert auf der Jagd nach dem Gerd-Müller-Rekord einen Dreierpack. Dem FC Bayern gelingt ein 4:2-Sieg im Clásico. Nach dem Erfolg gegen Dortmund läuft es für die Münchner auf ein großes Finale um die Schale in Leipzig hinaus. Doch ein Manko bleibt.

Erling Haaland saß draußen auf der Bank. Die Laune war nicht die beste. Und das lag weniger an der aufgeschürften Ferse, die er sich behandeln ließ. Der Stürmer von Borussia Dortmund musste erkennen, dass es auf den richtigen Zeitpunkt für eine kleine Machtdemonstration ankommt. Es geht eben nicht um den frühen Jubel, sondern um den späten. Schon gar nicht in Spielen gegen den FC Bayern, den Spezialisten für Aufholjagden in der Bundesliga. Der Kronprinz hat Akzente gesetzt, ja, aber der König für die Gala gesorgt beim 4:2-Sieg der Münchner.

Flick lobt Lewandowski

Mit drei Toren gab Robert Lewandowski dem möglichen Nachfolger, der nur zweimal traf, zu verstehen, dass der sich noch ein bisschen hinten anstellen müsse. „Robert hat über Jahre bewiesen, dass er auf Topniveau spielt und herausragende Leistung zeigt“, sagte Bayern-Trainer Hansi Flick.

Das Duell am Samstag zwischen den beiden dominierenden Bundesliga-Mannschaften des vergangenen Jahrzehnts war auch das zwischen dem aktuell besten Stürmer der Welt und dem, der es bald werden könnte, das zwischen dem 32 Jahre alten Lewandowski und dem zwölf Jahren jüngeren Haaland. „Ihm kann die Zukunft gehören“, meinte Flick.

Am Ende kämpften die beiden nicht mehr auf Augenhöhe, weil Dortmunds Trainer Edin Terzic seinen Angreifer bereits nach einer Stunde vom Platz nahm, weniger wegen der leicht lädierten Ferse, sondern vor allem, um Haaland mit Blick auf die Champions-League-Partie gegen den FC Sevilla am Dienstag eine kleine Verschnaufpause zu gönnen.

Rückstände motivieren

Er hatte ja seinen Job eigentlich schon erledigt, mit zwei Treffern in den ersten neun Minuten, und damit die Hoffnung der Westfalen genährt, die Negativserie in München zu beenden. Von so einem Nackenschlag hätte sich wohl kaum eine Mannschaft erholt, aber die Bayern scheinen sich durch Rückstände erst so richtig zu motivieren. „Es ist unsere Identität, diesen Spirit zu haben“, sagte Thomas Müller, versicherte allerdings auch: „Es gehört nicht zu unserem Matchplan.“ Ebenso wenig die Verletzung von Jérôme Boateng. Der Verteidiger verdrehte sich bei einer Abwehraktion das Knie und musste ausgewechselt wechseln. Am Sonntag gab der Verein bekanntgab, dass Boateng „nur“ eine Kapselzerrung erlitt.

Es sei „auch nicht so toll“, findet Müller, dass man erst nach einem Rückstand „einen Tick spritziger sind in den Zweikämpfen und noch etwas galliger“. Vielmehr seien diese Aufholjagden „mühsam“, wie er zugibt. Aber die Bayern können sich eben meistens verlassen auf ihre Offensivqualitäten – und insbesondere auf Robert Lewandowski.

Haaland stiehlt Lewandowski zunächst die Show

Der Pole war noch kaum am Ball gewesen, da hatte ihm Haaland bereits die Show gestohlen. Bis zur 26. Minute, bis zu Lewandowskis erstem Treffer, der zweite war ein verwandelter Foulelfmeter, und der dritte fiel ganz zum Schluss, als eine Minute zuvor Leon Goretzka die Dortmunder für ihre Passivität mit dem 3:2 bestraft hatte. Lewandowski ist mit nun 31 Toren auf dem besten Weg, die 40-Tore-Marke von Gerd Müller, den Ewig-Rekord der Bundesliga, zu knacken. Das interessiert ihn aber angeblich noch gar nicht. Bereits nach 24 von insgesamt 34 Partien daran zu denken, sagt der Pole, „ist zu früh“. Aber natürlich, ließ er wissen, versuche er immer, „ein Tor zu schießen“.

Das trifft auf jeden Stürmer zu und natürlich auch auf Haaland. Für die Auswechslung des Torgaranten gab es gute Gründe, einerseits, aber vielleicht sendete sie auch ein falsches Signal an die Kollegen auf den Platz. Jenes, sich mit dem Punkt zufrieden zu geben und noch weiter zurückzuziehen.

Die Bayern hingegen waren sich „zu hundert Prozent sicher“, wie Goretzka sagte, das Spiel noch gewinnen zu können. Der späte Jubel ist eben besser als der frühe. Das weiß auch Erling Haaland.

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