FCK-Kolumne
Böhms Betze: Fragen über Fragen – und eine Feststellung
Welches Ziel hat der 1. FC Kaiserslautern in der kommenden Saison? Genügt dafür die Kaderqualität? Warum hat der FCK sich von diversen Spielern, denen er angeblich Offerten unterbreitet hat, eine Absage eingehandelt? Allein des Geldes wegen? Wann wird Ragnar Ache fit und wie lange wird er es bleiben? Setzt Philipp Klement sich unter dem vierten Trainer nach Dirk Schuster, Dimitrios Grammozis und Friedhelm Funkel endlich durch? Gibt Trainer Markus Anfang Talenten wie dem in der Vorbereitung auffälligen Leon Robinson auch im Zweitlga-Betrieb eine wahrhaftige Chance? Starten die Roten Teufel gut oder haben wir schon nach wenigen Wochen erneut eine Trainerdiskussion, die ob der Vergangenheit Markus Anfangs auf dem leicht erhitzbaren Betzenberg rascher an Intensität gewinnen dürfte als anderswo?
Fragen über Fragen, die mich vor dem Rundenstart umtreiben. Die für mich in diesen Tagen wichtigste Frage lautet indes: Wie haben die Spieler den tragischen Tod ihres Zeugwarts Peter Miethe verkraftet? Etwas mehr als zwei Wochen ist es nun her, dass Miethe im Trainingslager des FCK in Mals ums Leben kam. Menschen sind verschieden, sie gehen völlig unterschiedlich mit solch einem Schicksalsschlag um.
Die einen ziehen nach den Tagen der ersten Trauer womöglich gar Motivation daraus, das Motto „Alles für Piet“ könnte zusätzliche Kräfte freisetzen. Andere fühlen sich bei jeder Kleinigkeit, bei jedem Gang vorbei an der Kabine des Zeugwarts daran erinnert, dass ein geschätzter Mensch fehlt und auch nicht wiederkehren wird. Eine derart heterogene, aus unterschiedlichsten Charakteren und Empfindungen gebildete Formation wie eine Fußballelf in solch einer schwere Zeit zu betreuen, gleicht einem Kraftakt.
Diawusie, Enke, Henze
Markus Anfang ist nicht der erste Trainer, der ihn bewältigen muss. In der vorigen Spielzeit etwa erlitt der Regensburger Profi Agyemang Diawusie einen plötzlichen Herztod, mitten in der Saison. Joe Enochs schaffte mit dem SSV Jahn schließlich den Aufstieg in die Zweite Liga. Der Suizid Robert Enkes 2009 steht exemplarisch. Man erinnere sich an die deutschen Kanuten, die 2016 das Ableben ihres Trainers Stefan Henze zu verarbeiten hatten, während der Olympischen Spiele von Rio. Es ist eine Herkulesaufgabe, in den Alltag zurückkehren zu müssen. Doch es bleibt keine Wahl, auch nicht bei der Bewertung dessen, was die Mannschaft ab dem kommenden Sonntag sportlich anzubieten hat. Das Argument „Miethe“ wird dann nicht mehr zählen, so gewichtig es auch sein mag.
Weit vorne im Zündler-Ranking
Eine weitere Frage treibt mich um: Wohin soll das mit den Pyrosanktionen noch führen? Der Deutsche Fußball-Bund hat den FCK aufgrund des Fehlverhaltens seiner Anhänger während des Pokalhalbfinales beim 1. FC Saarbrücken mit einer Geldstrafe in Höhe von 99.700 Euro belegt. Mit Blick auf die gesamte Saison 2023/24 summieren sich die Bußen auf 665.800 Euro. Im bundesweiten, ligenübergreifenden Ranking belegen die Roten Teufel damit Platz vier, hinter dem 1. FC Köln (675.000), Hannover 96 (697.440) und dem unangefochtenen Zündler- und Krawallprimus, Eintracht Frankfurt (906.950). Allein 300.000 Euro entfielen seitens des FCK auf das Cupfinale.
Selbst wenn man relativierend sagen wollte, dass die Fans auf der Bühne Berlin unterstreichen mochten, welche Kraft der FCK entwickeln kann, so bleibt am Ende nur eine Feststellung: Was zu viel ist, ist zu viel.
Unser Autor
Andreas Böhm, 57, war einst Fan der Generation „Kalli, lass die Teufel raus“. Seit 1995 ist er der journalistischen Neutralität verpflichtet; seit 2013 FCK-Reporter für diese Zeitung.
