Reiten RHEINPFALZ Plus Artikel Auch eine Hanne Brenner muss sich wieder hochdienen

Hanne Brenner (links) mit ihrer Trainerin und Lebensgefährtin Dorte Christensen sowie der Stute Belissima in Mannheim.
Hanne Brenner (links) mit ihrer Trainerin und Lebensgefährtin Dorte Christensen sowie der Stute Belissima in Mannheim.

Ein Weltstar seines Sports auf dem zweiten Bildungsweg: Hanne Brenner ist als Dressurreiterin eine der erfolgreichsten Paralympics-Athletinnen überhaupt. In den letzten Jahren wurde es etwas ruhiger um die in Wachenheim/Zellertal lebende 57-Jährige. In Mannheim auf dem Maimarkt hofft Brenner auf eine Art Neubeginn.

Auch wenn Hanne Brenner, die nach einem Reitunfall inkomplett querschnittgelähmt ist, in ihrer Karriere alles gewonnen hat, was es im Parasport zu gewinnen gibt – sie weiß, dass sie sich wieder hochdienen muss, geht diese Aufgabe geduldig an. „Ich bin jetzt lange raus – klar“, sagt sie ohne zu zögern. Das Pferd ist noch jung und relativ unerfahren, vergangenes Jahr gab es wegen Corona nur wenige Turniere, und die vergangenen Großereignisse in der Paradressur für Reiterinnen und Reiter mit körperlichem Handicap hat Brenner verpasst. Da muss sich auch jemand wie sie, selbst mit diesem großen Namen, den Punktrichtern erst wieder zeigen.

In Mannheim, der ersten Sichtung auf dem Weg zu den Paralympischen Spielen in Tokio (24. August bis 5. September), gab es am Freitag noch ein paar „Abstimmungsprobleme“, wie Brenner bemerkte. Es reichte aber in ihrer Wettkampfklasse IV zu Platz vier mit 68,75 Prozent aller Punkte. „Ich weiß schon, wie ich sie zum Tanzen bringe“, sagt Brenner über ihre elfjährige Stute Belissima. Auf dem Maimarkt hat sie ja noch zwei Prüfungen bis Sonntag. Und Vater Belissimo bürgt dafür, dass seine Pferde es ihren Reitern immer recht machen wollen. Wäre da nicht im Stammbaum Belissimas auch ein gewisser Weltmeyer, dessen Nachkommen gern mal ganz eigene Ideen auf dem Platz einbringen ...

Die letzten Championate verpasst

Bei den Paralympics 2008 (Hongkong) und 2012 (London) gewann Brenner insgesamt vier Goldmedaillen für Deutschland. 2014 folgte in Caen ihr dritter WM-Titel. Doch 2016 konnte sie schon nicht zu den Sommerspielen nach Rio: Ihre damals bereits 21-jährige Erfolgsstute Women of the World war der Teamleitung zu alt, und ihr zweites Pferd Kawango fiel verletzt aus. 2018 für die WM waren ihre nachgerückten jungen Stuten noch nicht so weit. Und 2019 musste dann Brenner selbst für die entscheidende EM-Sichtung wegen eines Todesfalls in der Familie absagen. Und sollte es nun rein sportlich mit Tokio nicht klappen, was dann? Kein Drama. „Die besten vier Paare sollen für Deutschland dorthin“, sagt sie und weiß, dass es für sie schwer wird.

Viel Kraft und viele Ideen für Kinderprojekt

Natürlich ist Hanne Brenner ehrgeizig. Aber sie hat sich nie allein über den Sport definiert. Ideen und Kraft steckt sie in ihr – auch in der Pfalz aktives – Projekt „Kleine Glücksritter“. Schwerkranke Kinder sollen unkompliziert Kontakt zu Pferden bekommen – mal um zu reiten, mal um nur zu striegeln, das Tier zu betütteln. Kraft können die Kinder aus diesen Begegnungen schöpfen. „Durch Corona waren wir schon eingeschränkt“, sagt Hanne Brenner, setzt aber große Hoffnungen in eine neue Idee: nämlich die, Kinder von Müttern aus Frauenhäusern zum Pferd zu bringen. „Manchmal reiten die Mütter dann auch“, sagt sie und lacht. Brenner ist froh, dass viele Förderer zu ihr stehen. So wie der Winzer aus Grünstadt-Asselheim, der zugunsten der „Kleinen Glücksritter“ über 100 Sechserpakete verkaufte und den Erlös komplett der Aktion spendete: 8025 Euro! Der Name des Weinguts: Gaul. Echt jetzt. Passt ja perfekt.

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