Kalender RHEINPFALZ Plus Artikel Am 24. August 1963 startete die Fußball-Bundesliga in ihre erste Saison

Mit einem 1:1 gegen Eintracht Frankfurt war der 1. FC Kaiserslautern in die erste Bundesliga-Saison gestartet. Hier versucht der
Mit einem 1:1 gegen Eintracht Frankfurt war der 1. FC Kaiserslautern in die erste Bundesliga-Saison gestartet. Hier versucht der Lauterer Roland Kiefaber (links) einen Schuss von Lothar Schämer zu blocken.

Der Name des Mannes ist nie bekannt geworden – und das ist vermutlich besser so. Andernfalls hätte sich der Kameramann aus dem Team der ARD-Sportschau große, auch öffentliche Kritik gefallen lassen müssen. Der Kollege mit der Kamera war schlicht zu spät gekommen, um einen historischen Moment des deutschen Sports auf 16 Millimetern festzuhalten. Vom ersten Treffer der Fußball-Bundesliga gibt es keine bewegten Bilder, weil die Kamera im Weserstadion in Bremen nicht lief, als Timo Konietzka das Leder aus etwa zehn Metern über die Linie drückte.

Der Dortmunder hatte am 24. August 1963 schon nach knapp 50 Sekunden für die Borussia getroffen – und weil neben dem Mann vom Fernsehen auch die Fotografen nicht mit einem solchen Blitzstart gerechnet hatten, gibt es auch kein Foto vom ersten Tor.

Für Konietzka hat der Fauxpas des Kameramannes keine negativen Folgen, denn wegen der fehlenden bewegten Bilder musste der Flügelstürmer der Borussia seinen erfolgreichen Torschuss umso häufiger schildern. Tage, Jahre, selbst Jahrzehnte später. „Lothar Emmerich lief links mit dem Ball zur Grundlinie. Dann Flanke zur Mitte. Da stand ich zehn Meter vom Tor weg und brauchte nur noch den Fuß hinzuhalten“, berichtete Konietzka vom Augenblick des ersten Tores der Bundesliga.

Keine Serienmeister

Die oberste deutsche Spielklasse war bei ihrer „Geburt“ vor 57 Jahren noch frei von Skandalen. Es gab keine verschobenen Partien, keine milliardenschweren Vermarktungs-Verträge und keine Serienmeister wie den FC Bayern der 2010er Jahre. Kritik am Konstrukt gab es vor dem Auftakt in die bundesweite „Premiumliga“ dennoch. Sogar Verweigerer wie den Hamburger Jürgen Werner. Der Außenläufer und Nationalspieler aus der Hansestadt beendete seine Karriere als Fußballer im Sommer 1963, weil er ein Gegner der Bundesliga war. Nicht aus sportlichen Gründen. „Bislang war der Fußball das primäre Interesse, künftig wird es primär um das große Geldverdienen gehen, der Sport wird sekundär“, erklärte Werner durchaus prophetisch.

Er ärgerte sich darüber, dass Lizenzspieler künftig bis zu 1200 Mark monatlich verdienen durften, über verschiedene Sonderzahlungen waren sogar durchschnittlich etwas mehr als 2000 Mark möglich. Vor 1963 durften Fußballer offiziell maximal 400 Mark verdienen und mussten einen anderen Beruf ausüben, mit der Bundesliga gab es nicht nur mehr Geld, auch der „richtige“ Beruf war nur noch eine Option, nicht mehr vorgeschrieben. „Es stört mich auch, dass jeder Spieler unterschiedlich viel Geld verdient“, sagte Werner.

FCK startet mit Unentschieden

Werners Meinung gehörte im Vorfeld des Starts aber zur Ausnahme, die große Mehrheit der Spieler, Funktionäre und Fans fieberten ihm entgegen. Am 28. Juli 1962 wurde auf dem Bundestag des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) nach neunstündiger Diskussion die Einführung der Bundesliga beschlossen. Anschließend bewarben sich 46 Klubs für die Aufnahme, 16 Plätze standen zur Verfügung. Eine Kommission traf eine Auswahl und erntete dafür wenig überraschend viel Kritik. Die Klubs aus Offenbach und Aachen, die wie der FC Bayern nicht berücksichtigt worden waren, zogen sogar vor Gericht, wurden aber richterlich zurückgewiesen.

Mit dabei war hingegen der 1. FC Kaiserslautern, der mit einem 1:1 bei Eintracht Frankfurt in die Bundesliga startete, Mittelfeldspieler Jürgen Neumann schoss den ersten Treffer für die Pfälzer. Am Ende der ersten Spielzeit landete der FCK auf dem 12. Platz und blieb bis zum ersten Abstieg 1995 ständiges Mitglied des neuen Aushängeschilds des deutschen Klubfußballs.

Kölner Meisterjubel

Meister der ersten Saison wurde der 1. FC Köln mit dem jungen Wolfgang Overath, was folgerichtig war. Schließlich war FC-Präsident Franz Kremer der entscheidende Mann für die Gründung der Bundesliga gewesen. Gemeinsam mit Bundestrainer Sepp Herberger hatte er für die bundesweite Spielklasse gekämpft. Anschließend blieb die Liga in den ersten Jahren ausgeglichen, es gab jedes Jahr einen anderen Deutschen Meister erst 1971 konnte mit Borussia Mönchengladbach eine Mannschaft ihren Titel verteidigen.

Der Bundesliga-Skandal im gleichen Jahr erschütterte den Fußball, ehe der FC Bayern mit kleineren Unterbrechungen zum Dominator der Bundesliga erwuchs. Das Privatfernsehen und später das Pay-TV sorgten für immer höhere Einnahmen der Klubs und Verdienstmöglichkeiten der Spieler. Die Diskussionen um die Gehälter der Profis, damals von Jürgen Werner angestoßen, gibt es immer noch. Es geht dabei aber längst nicht mehr um 1200 Mark monatlich.

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