Tennis RHEINPFALZ Plus Artikel Als Steffi Graf mal ein Heimspiel hatte

Steffi Graf.
Steffi Graf.

Am 21. Juli 1987 ging für Steffi Graf einen Traum in Erfüllung. Vor der Abreise zum Federation-Cup in Vancouver bestritt sie ihr erstes Match als Tennis-Profi vor heimischer Kulisse. Nicht auf irgendeinem Court, sondern im altehrwürdigen Eisstadion am Friedrichspark feierte sie einen 3:0-Sieg gegen die USA. Nur wenige Wochen später stieg sie zur Nummer eins im internationalen Damen-Tennis auf.

Bei einem Besuch der RHEINPFALZ-Redaktion im Jahr 1986 äußerte Steffi Graf einen Herzenswunsch. Auf die Frage, ob sie als Mannheimer Mädchen nicht gerne mal Eishockey spielen würde, meinte die damals 17-Jährige: „Ja, ganz gerne.“ Aber im gleichen Atemzug äußerte sie einen ganz anderen Wunsch, denn sie könne überall auf der Welt Tennis spielen, nur nicht in ihrer Geburtsstadt vor einem größeren Publikum. Aber dann!

Eine besondere Premiere

Genau ein Jahr später ging ihr Traum in Erfüllung. Im Friedrichspark, wo einst der MERC dem Puck nachjagte und gleich sechs Meisterschaften bis zum Umzug in die SAP-Arena feierte, kam es dann am 21. Juli 1987 zu einer besonderen Premiere. Beim Länderkampf Deutschland gegen die USA, den der Deutsche Tennisbund (DTB) als Generalprobe für den eine Woche stattfindenden Federation-Cup aus der Taufe hob, feierte Graf gemeinsam mit Bettina Bunge (München) sowie Claudia Kohde-Kilsch (Saarbrücken) im Doppel gegen die an Nummer sieben und 11 gesetzten US-Amerikanerinnen Zina Garisson und Lori McNeil ihre Premiere in Mannheim. Während Kohde-Kilsch wegen einer Fußverletzung auf ärztlichen Rat nur im Doppel antrat, brillierte Graf in ihrem Heimspiel. Als sie gegen 19 Uhr den Court betrat brandete Beifall auf.

Steffi Graf brilliert

Nur wenige Wochen nach ihrem ersten Grand-Slam-Sieg bei den French Open war sie zurück in Mannheim. Diese Gelegenheit nutzte auch der DTB, um seiner Vorzeigeathletin in besonderer Weise für ihre sportlichen Leistungen auszuzeichnen. Anschließend fegte sie in nur 48 Minuten Garrison mit 6:1, 6:1 förmlich vom Platz. Zuvor überzeugte auch Bettina Bunge bei ihrem 6:2, 6:2-Sieg über Lori McNeil. Sie befand sich ebenso wie Graf in bestechender Form. „Ich fühle mich so stark wie in Wimbledon“, sagte Graf zur RHEINPFALZ, ehe sie durch den Hinterausgang das Eisstadion verließ. Sie war bereit, um bald Martina Navratilova vom ersten Platz der Weltrangliste zu stoßen. Dennoch nahm sie sich nach ihren beiden Matches die Zeit, für Autogrammwünsche der Fans, die auf sie am Spielerausgang warteten. Auch die Ballkinder des BASF TC Ludwigshafen durften sich über ihren Schriftzug auf ihren Mützen und Shirts freuen. Für viele kurpfälzische Tennisfans ging an diesem Tag ein ganz großer Wunsch in Erfüllung.

6000 Zuschauer waren da

Steffi Graf freute sich schon einen Tag vor dem Auftritt beim gemeinsamen Training mit ihrem tschechischen Coach Pavel Slozil auf das Duell vor heimischer Kulisse gegen die USA. Denn sie war erst kurz zuvor vom Trainingslager in Marbella zurückgekehrt. Über 6000 Zuschauer waren an diesem sommerlichen Abend gekommen, um Steffi Graf und Co. zu sehen. Gleich drei Einzel und ein Doppel hatte Organisator Manfred Boksch vom Veranstalter MB Production ins Programm genommen. Tennis total war in Mannheim angesagt. Neben dem Einzel Graf gegen Garrison standen sich auch Bettina Bunge und Lori McNeil sowie letztlich auf Wunsch von Bundestrainer Hofsäß im Rahmenprogramm noch Silke Meier (Alsenborn) und Claudia Porwick (Fürth) gegenüber. Das einzige Doppel bestritten Graf/Kohde-Kilsch gegen Garrison/McNeil.

Nach anfänglichen Schwierigkeiten siegten die Deutschen noch deutlich mit 2:6 6:2 und 6:4. Mit 3:0 feierte das DTB-Team eine gelungene Generalprobe für den Federation-Cup. Da erhoben sich die Zuschauer von ihren Plätzen und applaudierten lange dem siegreichen Team um Steffi Graf, die sich sichtlich erleichtert bei ihrem Heimspiel zeigte. Sie strahlte, sie winkte ins Publikum. Sie fühlte sich zu Hause. Vor dem Auftritt in Mannheim gewann sie mit den French Open, nicht nur ihren 15. Titel im Einzel, sondern zugleich ihr erstes Grand-Slam-Turnier. Und das gegen die damalige Nummer eins, Martina Navratilova. Nur auf dem heiligen Rasen von Wimbledon knapp einen Monat vor der Rückkehr nach Mannheim blieb ihr der erste Sieg verwehrt. Dort brillierte dagegen Claudia Kohde-Kilsch, die in London im Doppel an der Seite von Helena Sukova siegte.

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