Eishockey RHEINPFALZ Plus Artikel Adler Mannheim im Finale: Jetzt zählt das Goldfischgedächtnis

Auch die private Adler-Familie zu Hause bei Torwart Maximilian Franzreb fiebert im anstehenden Play-off-Finale mit.
Auch die private Adler-Familie zu Hause bei Torwart Maximilian Franzreb fiebert im anstehenden Play-off-Finale mit.

2019 standen die Adler letztmals in der Endspielserie um die deutsche Meisterschaft – und holten den Titel. Nach der Durststrecke ist die Sehnsucht der Fans riesig.

Mit dem Heimspiel gegen die Eisbären Berlin beginnt für die Adler Mannheim am Freitag (19.30 Uhr) die Finalserie in der Deutschen Eishockey-Liga. Die beiden ersten Spiele in Mannheim waren innerhalb von kürzester Zeit ausverkauft. Die Fans lechzen nach dem Titel.

Schon die äußeren Umstände signalisieren Besonderes. Anders als nahezu während der gesamten Saison bereiten sich die Adler auf die Endspiele nicht etwa auf dem Eis der engen Nebenhalle, sondern in der großen SAP-Arena vor. Ein Ort, den Geschäftsführer Matthias Binder zur Einweihung vor 21 Jahren so beschrieb: „Es kostet uns schon 5000 Euro, wenn wir in der Arena das Licht anschalten.“

Zu den Finals soll das aber keine Rolle mehr spielen, sollen Adler-Spieler und Trainerteam möglichst viel der Atmosphäre aufsaugen und sich vielleicht auch ein wenig besser mit dem traditionell eher suboptimalen Eis auf der Hauptspielfläche vertraut machen.

Der Trainer hat freie Hand

Mit dabei waren am Mittwoch alle Spieler des aktuellen Kaders, also kann Trainer Dallas Eakins personell aus dem Vollen schöpfen – auch wenn er nach der Halbfinalserie gegen München nur wenig Grund hat, die zuletzt gefundene Stammformation zu verändern. Schlechte Nachrichten also für Spieler wie Tobias Fohrler oder Hayden Shaw und Alex Ruutu, die vornehmlich auf der Tribüne saßen. Dort nimmt auch Brendan O’Donnell Platz, dessen Saisonaus die Adler nach einem Kieferbruch bereits verkündet hatten. Aber auch er brennt offensichtlich so sehr aufs Finale, dass er bei den abschließenden Trainingseinheiten mit auf dem Eos stand. Ob er allerdings wirklich ein Kandidat für die Endspiele sein wird, ließ Trainer Dallas Eakins offen.

Überhaupt ist der US-Amerikaner vor allem um Ruhe bemüht. „Es ist für uns einfach nur der nächste Schritt“, kommentierte er die Finalteilnahme. Seit rund zwei Jahren betreut er den Mannheimer Klub mittlerweile. Nach dem Ausscheiden im Viertelfinale vor zwei Jahren kam in der Vorsaison das Aus im Halbfinale. Jetzt steht sein Team also in der Endspielserie über maximal sieben Spiele.

Die Adler freuen sich auf die Finals.
Die Adler freuen sich auf die Finals.

Die Aufgabe gegen den DEL-Rekordmeister könnte allerdings kaum schwerer sein, auch wenn die Berliner, durch reichlich Verletzungspech, die Punktrunde lediglich auf dem sechsten Tabellenplatz abgeschlossen hatten. Eakins: „Berlin steht nicht zufällig in den Finals. Es ist immer die schwerste Aufgabe, diese vier Spiele zu gewinnen.“

Das wissen auch Mannschaftskapitän Marc Michaelis und sein Stellvertreter Tom Kühnhackl. Vor allem Lokalmatador Michaelis freut sich auf seine ersten Finals: „Ich bin hier in Mannheim aufgewachsen. Es ist für mich das Größte, jetzt diese Spiele zu machen.“ Er ist vor dem Aufeinandertreffen mit den Berlinern vorsichtig optimistisch: „Wir haben die gesamte Saison Wege gefunden, Spiele zu gewinnen und wir haben einen guten Torhüter, der uns die Chance dazu gibt“, sagte er mit Blick auf Maximilian Franzreb, der im Viertel- und auch im Halbfinale der Rückhalt seiner Mannschaft war. Darauf hoffen die Adler auch in den Endspielen.

Kühnhackl weiß, wie’s geht

Teamkollege Kühnhackl hat den Adlern einiges voraus. Bereits zweimal hat der 34-Jährige den Stanley Cup, Siegertrophäe der nordamerikanischen Profiliga NHL, in die Höhe gestemmt. Er weiß deshalb, worauf es für erfolgreiche Play-offs ankommt: „Man braucht einen kühlen Kopf und das Gedächtnis eines Goldfisches.“ Die können sich angeblich Dinge nur wenige Sekunden merken, und das müssen auch die Eishockeyprofis verinnerlichen, „denn in den Spielen passiert so schnell so viel“. Von der Anspannung in der ganzen Stadt dürfe man sich auf keinen Fall anstecken, allerhöchstens beflügeln lassen.

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