Kommentar
Extreme Hilflosigkeit auf der Adler-Trainerbank
Eigentlich sind die Eishockey-Play-offs Jahr für Jahr ein Frühlingsvorbote. In Mannheim aber herrscht tiefste Eiszeit. Nach der fünften (!) Niederlage in Folge offenbarte Trainer Bill Stewart in Augsburg öffentlich und mit drastischen Ausdrücken einen Riss, der offenbar durch das sogenannte Adler-Team geht.
Seine Wortwahl: fragwürdig, mit viel Fäkalsprache. Der Zeitpunkt: zu spät, wenn es so ist, wie Stewart sagt. Dass nämlich etwa die Hälfte seiner Spieler brav und fleißig, wenngleich im Können dann doch limitiert, ihre Aufgaben erledigt, aber darunter leidet, dass die, die es am besten können müssten, sich auf ihr Talent und den dafür passenden Moment auf dem Eis verlassen. Ihr Ego hinterfragen, das gab Stewart den Stars, die seiner Theorie nach der gesamten Mannschaft derzeit das Licht ausknipsen, mit auf den Weg.
An eine Einheit ist kaum zu denken
Warum zu spät? Weil es nur noch zwei Partien bis zu den Play-offs sind und die Tendenz zur Selbstüberschätzung seit dem leichtfertig vergeigten Spiel bei Absteiger Bietigheim vor über vier Wochen ersichtlich war. An der Fantasie, sich nun vorzustellen, dass die Adler in den Play-offs als Einheit auftreten können, mangelt es erheblich. Vor einem Jahr war es ihnen unter Nothelfer Stewart trotz verkorkster Vorrunde gelungen. Dass sich seine Motivationskünste abnutzen, war erwartbar – aber seine Schimpftirade offenbarte extreme Hilflosigkeit.
