1. FC Kaiserslautern
Acht Tore am Betzenberg: Torfestival im wilden Pfälzer Westen
Als gut eine Stunde vor dem Anpfiff die Startformation des 1. FC Kaiserslautern öffentlich wurde, sorgte einer der gelisteten Namen für Erstaunen. Trainer Dirk Schuster hatte tatsächlich Philipp Klement aufgeboten, obschon dieser erst am Donnerstag verpflichtet worden war und gerade mal zwei Trainingseinheiten mit der Mannschaft absolviert hatte. Ebenso besonders war Klements Position, als die Roten Teufel sich auf dem Rasen taktisch formierten. Der 29-Jährige, ein offensiver Mittelfeldspieler und so etwas wie ein freischaffender Künstler, gab an der Seite von Marlon Ritter einen der beiden Sechser.
Nach gut zwanzig Minuten Spielzeit musste man aus Kaiserslauterer Sicht befürchten, dass Schusters taktischer Kniff gar mächtig in die Hose gegangen war. Der FCK lag mit 1:3 zurück. Dabei war er durch Terrence Boyd mit 1:0 in Führung gegangen. Einem Linksschuss von Marlon Ritter verlieh der Stürmer die entscheidende Richtungsänderung. Alsbald aber wurde offenkundig, dass die Statik des FCK hinten und vorne nicht stimmte.
Stellungsfehler, Tunnel, Geleitschutz
Elfte Minute, 1:1. Moritz Kwarteng köpft eine Hereingabe von Mohammed El-Hankouri ins Tor, Boris Tomiak und Jean Zimmer flankieren ihn nur; entstanden war der Angriff durch einen Kaiserslauterer Ballverlust in der Vorwärtsbewegung. Zunächst hatte Referee Braun den Treffer wegen einer vermeintlichen Abseitsstellung nicht anerkannt. Der Video Assistent Referee korrigierte die Entscheidung.
17. Minute, 1:2. El-Hankouri tunnelt Kevin Kraus und trifft; der Pfälzer Jan-Luca Schuler hatte geflankt, Kwarteng den Ball ungenügend verarbeitet. 22. Minute, 1:3. Boyd verliert nahe des Mittelkreises den Ball, Lawrence passt auf Kwarteng. Da Klement nicht eingreift, sondern Geleitschutz gibt, hat Kwarteng alle Zeit, gezielt abzuschließen.
Der FCK spielte noch einen Tick schlechter als im ersten Abschnitt in Fürth, diesmal allerdings wurde er nicht mit nur einem Gegentreffer bestraft. Das 2:3 durch Tomiaks Kopfball nach einem Freistoß Klements (40.) ließ Schusters Elf alle Optionen offen. Der Trainer bekam beim Betrachten des Spieles „Tinnitus im Auge“. Er monierte „haarsträubende Fehler“ und den Mangel an taktischer Disziplin.
Eine Umstellung zeitigt Erfolg
Dirk Schuster beorderte zum zweiten Abschnitt Robin Bormuth auf den Rasen und stellte auf Dreierkette um. Kaum lief die Partie wieder, bejubelte der FCK den Gleichstand. Eine Duplizität der Ereignisse von Fürth, denn auch diesmal hieß der Torschütze Philipp Hercher. Ritter hatte von der linken Seite eine fantastische Flanke geschlagen. Die 35.643 Zuschauer bezeugten einen wilden Ritt, der ungebremst weiterging. In der 66. Minute zog der FCK zum zweiten Mal in Front, Wunderlich verwandelte einen Strafstoß. Condé hatte Klement im Strafraum gefoult. Erneut korrigierte der VAR eine Entscheidung, diesmal zu Magdeburger Ungunsten.
Schließlich markierte Boris Tomiak mit einem kuriosen Eigentreffer den Endstand. Verteidiger Bormuth wertete dies als Zeichen des Himmels: „Ein blödes Tor, aber vielleicht hat der liebe Gott gesehen, was wir in der ersten Halbzeit gespielt haben. Das Unentschieden ist schon ein gerechtes Ergebnis.“ Philipp Klement bewertete die erste Hälfte in der Nachbetrachtung fast mit Humor – ebenso die Besetzung des zentralen Mittelfeldes mit ihm und Ritter: „Das hat man in der ersten Halbzeit ein bisschen gesehen, dass es eine offensive Ausrichtung war“, sagte der 29-Jährige und grinste.
Klement sofort sicher: Elfmeter
Die Kritik, dass der 1. FC Kaiserslautern zunächst keinen Zugriff bekommen habe, hielt er für „zu scharf formuliert“, jeder Schuss sei eben ein Treffer gewesen, Magdeburg habe „brutal effektiv“ agiert. Beim Zweikampf mit Condé in der 64. Minute sei er sich sofort sicher gewesen, dass es Strafstoß geben musste: „Ich war als Erster am Ball, er hat mich getroffen.“
Dirk Schuster war mit Klements Performance „absolut zufrieden“. Seine Ballsicherheit habe der Mannschaft sehr gutgetan. Mit dem Resultat konnte er leben: „Einen Sieg hätten wir nicht verdient gehabt.“ Das Lob für die Comeback-Qualitäten seiner Elf nahm Schuster gerne entgegen. Doch wäre es ihm „am liebsten, wir würden sie gar nicht brauchen“.
So spielten sie
1. FC Kaiserslautern: Luthe - Zimmer, Kraus, Tomiak, Durm - Ritter, Klement - Hercher (90.+1 Hanslik), Wunderlich (80. Ciftci), Redondo (46. Bormuth) - Boyd
1. FC Magdeburg: Reimann - El Hankouri (67. Krempicki), Lawrence, Gnaka, Bell Bell - Riekmann (67. Bitroff) - Müller (81. Elfadli), Condé - Kwarteng, Schuler (66. Ceka), Ito (87. Brünker)
Tore: 1:0 Boyd (7.) 1:1 Kwarteng (11.), 1:2 El-Hankouri (17.), 1:3 Kwarteng (22.), 2:3 Tomiak (41.), 3:3 Hercher (47.), 4:3 Wunderlich (66., Foulelfmeter), 4:4 Tomiak (79., Eigentor) - Gelbe Karten: Zimmer (2) - Condé, Bitroff, Bell Bell (2) - Beste Spieler: Hercher, Wunderlich, Ritter - Kwarteng, El-Hankouri - Zuschauer: 35.643 - Schiedsrichter: Braun (Wuppertal).
