KALENDER RHEINPFALZ Plus Artikel 60.000 Zuschauer sehen FCK-Sieg gegen Bayern im Südwest-Stadion

60.000 Fans im Südwest-Stadion, mit exklusiven Plätzen auf dem Tribünendach, sahen Beckenbauer (links), Maier, Breitner (Nr. 3)
60.000 Fans im Südwest-Stadion, mit exklusiven Plätzen auf dem Tribünendach, sahen Beckenbauer (links), Maier, Breitner (Nr. 3) & Co. gegen den 1. FC Kaiserslautern.

Das Ludwigshafener Südwest-Stadion hat viele große Fußballspiele erlebt. Eine der bedeutsamsten Partien war das Bundesligaspiel zwischen dem 1. FC Kaiserslautern und Bayern München, zu dem heute vor 48 Jahren 60.000 Zuschauer ins Stadion pilgerten und einen unerwarteten 3:1-Sieg des FCK feierten.

Es war eine glückliche Fügung, fast so etwas wie ein Geschenk – für mich, den damals 16-jährigen Schüler und FCK-Fan. Und auch für den 1. FC Kaiserslautern, vor allem aus finanzieller Sicht: Das Topteam der Bundesliga, der amtierende deutsche Meister Bayern München, kam am 18. November 1972 zum Punktspiel gegen die Roten Teufel ins Ludwigshafener Südwest-Stadion.

Im Sommer war mit dem Abriss der alten Nordtribüne auf dem Betzenberg begonnen worden. Die Bauarbeiten für die neue Tribüne verringerten die Stadionkapazität. Was das zur Folge hatte, zeigen die Heimspiele vor und nach dem Duell mit den Bayern.

Warmer Geldregen für den FCK

Gegen den VfL Bochum fanden nur 5000 Fans den Weg auf die Baustelle „Betze“, gegen Werder Bremen waren es 8000. Den warmen Geldregen mit dem Heimspiel im rund 60 Kilometer entfernten Ludwigshafen konnte die Kasse der Lauterer demnach sehr gut gebrauchen. 60.000 Zuschauer kamen an diesem Samstagnachmittag ins damals noch bundesligataugliche Südwest-Stadion.

„Komm, wir müssen los“, sagte mein Vater, der immer frühzeitig im Stadion sein wollte. Gut zwei Jahre zuvor hatte er mich zum ersten Mal nach Kaiserslautern zu einem Bundesligaspiel mitgenommen. Der FCK schlug Borussia Dortmund 1:0.

Ein lohnender Nachmittagsspaziergang

Es war der Auftakt zu vielen gemeinsamen und unvergesslichen Partien der Lauterer. Wie gewohnt hatte mein Vater die Eintrittskarten bei Fred Schreiber besorgt. Der ehemalige Oberliga-Torhüter von Phönix Ludwigshafen führte den Kiosk am Berliner Platz und war selbst FCK-Anhänger. Angesichts des begrenzten Parkplatz-Angebots rund ums Südwest-Stadion beschlossen wir, vom Ludwigshafener Stadtteil Gartenstadt die drei bis vier Kilometer lange Strecke zu Fuß zu gehen. Die Arena füllte sich schnell und war am Ende restlos ausverkauft. Ein Teil der Zuschauer fand im Innenraum hinter den Toren Platz.

Der FCK stand im Tabellenmittelfeld und war krasser Außenseiter gegen ein Team, das in Bestbesetzung antrat und in der damaligen Zeit die Bundesliga ähnlich beherrschte, wie es die Bayern auch heute wieder tun.

Beim FCK fehlte Torjäger „Hexer“ Vogt wegen einer Zerrung, aber Trainer Dietrich Weise hatte die von Kapitän Atze Friedrich angeführte Lauterer Mannschaft prima eingestellt. Bei nasskaltem Wetter und auf tiefem Boden entwickelte sich eine rassige Partie, in der der FCK zielstrebig und schnell nach vorne spielte, die Fans begeisterte und viele neutrale Zuschauer auf seine Seite zog.

Hosic und Seel treffen für den FCK

Mit einem fulminanten Linksschuss von der Strafraumgrenze gelang Idriz Hosic das Führungstor. Der aus Jugoslawien stammende „Ivo“, ein Mann mit lichtem Haar und stets heruntergerollten Stutzen, war einer meiner ersten Lieblingsspieler beim FCK. Auf Vorarbeit des überragenden Wolfgang Seel erhöhte Hosic mit einem Schlenzer noch vor der Pause auf 2:0. Nach einer Stunde gelang Seel mit einem Kopfball das dritte Tor.

Das Südwest-Stadion brodelte, mancher bekam feuchte Augen vor Freude. Und die Bayern? Der Elf, in deren Reihen die sechs Spieler standen, die 1974 Weltmeister wurden, gelang kurz vor Schluss durch „Bulle“ Roth nur noch das Ehrentor. Den gefürchteten Gerd Müller schaltete Ernst Diehl mit einer famosen Leistung aus.

Mein Vater und ich gingen froh und beschwingt nach Hause. Über dieses 3:1 gegen die Bayern haben wir auch Jahre später noch oft gesprochen und in Erinnerungen geschwelgt.

Der FCK spielte 1978 wegen des Umbaus der Ostkurve auf dem Betzenberg noch zweimal in Ludwigshafen. So schön wie 1972 war es aber nicht mehr. Und 60.000 Zuschauer kamen auch nicht.

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