FUSSBALL
Überraschend auf die Malediven – Markus Merks besondere Reise
Die Zeit, die Merk nach seinem Rücktritt aus dem Beirat der Profifußball-GmbH und aus dem Vereinsaufsichtsrat des Drittligisten 1. FC Kaiserslautern vor Weihnachten anders nutzen kann, wollte er durchaus auch fürs Reisen verwenden. So war „ein Hochaktiv-Urlaub“ schon für den Beginn dieser Woche geplant. Eigentlich wollten Merk und seine Frau Sabine am Sonntagabend über Istanbul nach Kathmandu fliegen, jetzt ging es zur gleichen Zeit ganz woanders hin; nach Malé. Merk verbringt seinen 60. Geburtstag auf den Malediven statt in Nepal. Die Einladung des Sportministers und des Präsidenten des Fußballverbands des Inselstaats im Indischen Ozean kam kurzfristig: Merk ist als Ehrengast an diesem Donnerstag einer derjenigen, die die Sports Awards der Malediven überreichen.
Für Europäer außergewöhnliche Gala
Die Funktionäre haben über den Fußballweltverband Kontakt zu dem langjährigen Fifa-Referee und dreimaligen Weltschiedsrichter aufgenommen und ihn eingeladen. „Das ist schon eine Wertschätzung“, sagt der ehrende Merk, der sich selbst geehrt fühlt, an der für Europäer außergewöhnlichen Gala teilnehmen zu dürfen. Fußballstars wie der dänische Kult-Nationaltorwart Peter Schmeichel waren früher zu Gast, jetzt haben Roberto Carlos und Edgar Davids zugesagt. „Sie wollten auch einen Schiedsrichter“, sagt der in Weisenheim am Berg im Kreis Bad Dürkheim lebende Merk. Ihn freut dieser ganz andere Ausflug zum Ehrentag. „Ob es der 18. Geburtstag war oder der 50., es ist für mich immer nur einer wie die anderen 364 oder 365 Kalendertage im Jahr“, sagt Merk, „wichtig ist meiner Frau und mir nur, dass wir unsere Geburtstage zusammen verbringen.“ Nicht selten auf Reisen.
Und dann Hochgebirgswandern im Himalaya
Der Trip zum Hochgebirgswandern im Himalaya aber ist nur aufgeschoben. Von den Malediven aus geht es Ende der Woche doch nach Kathmandu und dann nach Lukla, 2846 Meter hoch gelegen und oft als gefährlichster Flughafen der Erde tituliert. „Von null auf 6000 Meter innerhalb kürzester Zeit“, schildert Merk die Tour vom Strand- zum Bergparadies. In Nepal wollen die Merks eine Drei-Pässe-Tour machen und rauf auf einen 6000er in der Mount-Everest-Region. Kontrastprogramm.
Natürlich verfolgt der einstige Zahnarzt seinen FCK noch intensiv und steht als Ansprechpartner bereit. Neulich habe er mit Geschäftsführer Thomas Hengen einen analytischen Austausch gehabt. Quintessenz: wie gut jetzt die Qualität in der Tiefe des Spielerkaders sei, wichtig bei Ausfällen von Stammkräften. Merk sieht seinen Rückzug aus zwei wichtigen Gremien als zur richtigen Zeit erfolgt an. „Es war ja damals schon alles vorbereitet“, sagt Merk, der vor allem wegen seiner umstrittenen Einmischung ins operative Geschäft in der Krise bei einigen beim FCK auch teils heftiger Kritik ausgesetzt war.
FCK-Lizenz für Markus Merk ganz sicher
Letztlich aber können Merk und seine Mitstreiter trotz einiger Differenzen in einzelnen Fragen die aktuelle sportliche Lage auf Rang zwei und die finanzielle Situation als gewichtiges Argument dafür erachten, dass ihr Kurs richtig war. Der gebürtige Lauterer, ein passionierter Ausdauersportler, sieht durch das verstärkte Engagement der FCK-Investoren die Lizenz für die kommende Drittliga-Saison als gesichert an. Dem Aufsichtsrat der FCK-Kapitalgesellschaft KGaA gehört Merk als stellvertretender Vorsitzender weiter an: Er ist von den FCK-Aktionären gewähltes Mitglied. Die Genehmigung für die deutlich lukrativere Zweite Liga erachtet der promovierte Zahnmediziner sowieso als in trockenen Tüchern wartend. Der FCK kann aus eigener Kraft den direkten Aufstieg schaffen. Merk ist sicher, dass das Team „den Matchball verwandelt“.
Besondere Erinnerungen an die Ukraine
Seit seine ehrenamtliche Tätigkeit beim FCK weniger Zeit in Anspruch nimmt, hat er noch mehr Luft zum Nachdenken und für die neue Markus-und-Sabine-Merk-Stiftung. Die habe als erstes Projekt Kletter-Ausflüge für dritte Schulklassen im Kreis Bad Dürkheim ausgeschrieben. Die Teilnehmer, die gerade Collagen zum Thema anfertigen, stehen fest. Für alle geht es bald ins Pfalz-Rock nach Frankenthal zum Klettern. Kinder bewegen und stärken – so lautet ein Stiftungsziel. Drei „Fs“ sind für den schon immer sozial sehr engagierten Merk bedeutsamer denn je: „Frieden, Freiheit, Fitness“. Mit Blick auf den Ukraine-Krieg erinnert er sich an seine Reisen als Fifa-Schiedsrichter in die nun belagerte Hauptstadt Kiew: Er leitete dort auch das EM-Qualifikationsspiel 1998 zwischen der Ukraine und Russland (3:2). „Unfassbar, unvorstellbar, dass dort jetzt Krieg ist“, sagt Merk traurig. Er fühlt sich machtlos. Wie fast alle. Egal wo auf der Welt.
