Handball
Löwe Jesper Nielsen verzichtet auf Handball-WM
Leise, still und heimlich hat er seine Arbeit wieder aufgenommen. Am 17. November stand Jesper Nielsen erstmals wieder auf dem Feld. Nach zehn Monaten Pause. Im Spiel bei GOG Svendborg feierte der Schwede sein Comeback, warf dann auch gleich fünf Tore. „Ich bin so bei 80 Prozent“, meinte Nielsen, „aber ich war ein bisschen überrascht, dass ich mich so schnell so gut fühle. Gerade was die Beinarbeit betrifft. Die Schnelligkeit. Es ist nur ein wenig schwierig mit der Ausdauer. Sonst fühle ich mich gut.“
Er hat es sofort gewusst
Jesper Nielsen hat es sofort gewusst. Er hat sofort geahnt, dass etwas Schlimmes passiert ist. „Die Spannung in der Schulter hat nachgelassen“, erzählte der Kreisläufer und Abwehrspezialist im Gespräch mit der RHEINPFALZ. Es war der 17. Januar in diesem Jahr, die schwedische Nationalmannschaft spielte bei der Europameisterschaft in Malmö gegen Portugal, Nielsen versuchte einen portugiesischen Kreisläufer zu stoppen – und zog sich die folgenschwere Verletzung in der Schulter zu. Die Diagnose: Sehnenruptur. Die Ärzte brachten eine Pause von sechs bis neun Monaten ins Spiel. Im April entschloss er sich zu einer Operation. „Es war schwer, für mich und meine Frau. Und dann kam auch noch Corona. Das waren schwere Monate. Aber man muss immer nach vorne schauen“, sagte der 30-Jährige.
Auch bei der WM ist etwas passiert
Jesper Nielsen und die internationalen Turniere, das ist keine gute Geschichte. Schon bei der WM 2019 in Deutschland und Dänemark verletzte sich der Spieler und fehlte den Löwen lange. Er spielte in der Saison 2018/2019 eine gute Hinserie, in der Rückserie konnte er nicht mehr mitmachen. Im letzten WM-Gruppenspiel der Schweden gegen Ungarn zog er sich in der ersten Halbzeit nach 20 Minuten eine Sehnenverletzung in den Adduktoren zu – das war’s dann mit seiner ersten Saison bei den Löwen. Nielsen hat sich deshalb nun entschlossen, bei der Weltmeisterschaft in Ägypten nicht zu spielen. „Ich muss überlegen mit Blick auf die Belastung. Jetzt im Januar in Ägypten ist schwierig, ich glaube, da werde ich nicht dabei sein. Ich brauche etwas mehr Zeit, um meine Top-Form zu finden. Aber in Zukunft will ich wieder in der Nationalmannschaft spielen“, erläuterte der frühere Spieler der Füchse Berlin und von Paris Saint-Germain.
Apropos WM – sollte sie im Januar überhaupt gespielt werden? „Ich finde nein. Ich sehe das von beiden Seiten, das ist ein großes Ding für den Handball, aber vielleicht ist es besser, jetzt nicht zu spielen“, sagte Nielsen.
Sein Team seit Wochen unbesiegt
Die Löwen sind seit Wochen unbesiegt, treten am Sonntag um 16 Uhr bei der HSG Nordhorn-Lingen an. Die neuen Löwen findet er „stark“. „Wir haben gute Spieler auf jeder Position. Die große Unterschied zur letzten Saison liegt im mentalen Bereich. Wenn wir eine schlechte Phase im Spiel haben, kommen wir ganz schnell zurück. Wir glauben mehr an uns selbst, wir haben ein größeres Selbstvertrauen. Gekämpft haben wir immer, aber mit ein bisschen Angst, jetzt spielen wir ohne Angst, gehen einfach rein und spielen Handball“, sagte er.
Den größten Anteil am Aufschwung schreibt Nielsen dem nicht mehr ganz so neuen Trainer Martin Schwalb zu. „Er gibt uns viel Selbstvertrauen, wir haben klare Ansagen, er macht es einfach für uns“, erklärte Nielsen. Sein Vertrag läuft im Sommer aus. Das bedeutet? „Eine Entscheidung ist noch nicht gefallen. Wir sind sehr froh, dass Jesper uns endlich wieder auf dem Feld zur Verfügung steht“, sagte Geschäftsführerin Jennifer Kettemann auf Anfrage.