Alltagsmanager RHEINPFALZ Plus Artikel Wenn die Kita neben dem Büro ist

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Betriebskindergärten werden immer beliebter, denn Unternehmen und Eltern profitieren davon. Doch das Konzept hat auch Nachteile.

Bei dem Namen hat sich jemand was gedacht: „Kreiswichtel“ heißt der Betriebskindergarten des Landkreises Mainz-Bingen, angesiedelt beim dortigen Landratsamt. „Wir sind stolz, die erste Verwaltung in Rheinland-Pfalz mit eigener Betriebskita zu sein“, versichert Tanja Wenston-Kreis vom Landkreis Mainz-Bingen. Der Kindergarten verfügt ausschließlich über Ganztagsplätze und ist täglich von 7.30 bis 17 Uhr geöffnet. Und er steht grundsätzlich den Kindern aller Bediensteten des Landkreises zur Verfügung.

Kinder und Beruf unter einen Hut zu bringen, ist gar nicht so einfach – das wissen Eltern nur zu gut. Und das führt regelmäßig dazu, dass junge Paare aus der Elternzeit nicht wieder an ihren angestammten Arbeitsplatz zurückkehren können, weil es an Betreuungsmöglichkeiten für den Nachwuchs mangelt. In Zeiten des Fachkräftemangels wird das zunehmend zum Problem, haben auch die Arbeitgeber erkannt. Laut einer Prognos-Studie sagen 82 Prozent der Unternehmen, dass „Kinderbetreuung ein zentraler Faktor für ihre Produktivität“ sei. 79 Prozent gehen davon aus, dass „betriebliches Familienbewusstsein für die Fachkräftesicherung einen hohen Stellenwert“ habe.

Weil es deutschlandweit an Kitaplätzen mangelt und weil häufig – wenn ein Betreuungsplatz zur Verfügung steht – die Öffnungszeiten der Einrichtung nicht unbedingt zu den Arbeitszeiten der Eltern passen, gehen immer mehr Betriebe dazu über, selbst tätig zu werden. „Die Nachfrage ist deutlich gestiegen. Auch kleine Unternehmen möchten zunehmend einen attraktiven Arbeitsplatz anbieten“, berichtet David Brabender, Geschäftsführer von Kita-Concept, einem Dienstleister für betriebliche Kinderbetreuung aus Wuppertal.

Die Vorteile von firmeneigenen Kindergärten liegen auf der Hand: „Die Öffnungszeiten lassen sich flexibel an die Besonderheiten des Betriebs, wie Schichtbetrieb oder flexible Arbeitszeitmodelle, anpassen“, so Brabender. Besonders attraktiv sei für viele Eltern zudem eine ganzjährige Öffnung, also auch während der Schulferien. Oft sei der Personalschlüssel besser als in den öffentlichen Einrichtungen: mehr Erzieher, kleinere Gruppen. Zudem gebe es die Möglichkeit, eine Verbindung der Kita zum Betrieb zu schaffen, etwa durch eine Kinderwerkstatt, was zu gemeinsamen Aktionen einlädt.

Freundschaften pflegen ist schwierig

Es gibt aber auch Nachteile: So kann es durch die Nähe vom Kindergarten zum Arbeitsplatz sehr aufwendig sein, private Treffen der Kinder untereinander zu organisieren – anders, als wenn das Kind eine Kita in der Nachbarschaft besucht. Und der Kindergartenplatz ist meist an den Arbeitsplatz gekoppelt – wer eine neue berufliche Herausforderung sucht, braucht auch gleich einen neuen Platz für den Nachwuchs. Das sollte man wissen, bevor man sich für eine Betriebskita entscheidet.

Die Vorteile betrieblicher Kinderbetreuung überwiegen dennoch, zumindest laut einer Untersuchung der Universität Heidelberg von 2014, für die der Betriebskindergarten der BASF untersucht wurde. Eltern profitierten von einem solchen Angebot in hohem Maße – und würden durchschnittlich 25 Prozent mehr arbeiten als Eltern, deren Kinder in öffentlichen oder kirchlichen Kitas betreut werden, stellen die Wissenschaftler in ihrer Studie fest.

Produktivere Mitarbeiter wiederum würden dafür sorgen, dass sich ein Betriebskindergarten auch aus betriebswirtschaftlicher Sicht für die Unternehmen rechnet, heißt es dort weiter. Auch fürs Betriebsklima sei die Kita förderlich: Mitarbeiter seien zufriedener, was die Bindung ans Unternehmen erhöhe. Zudem würden Spannungen zu Vorgesetzten und Kollegen reduziert, „die im Berufsalltag durch die Betreuungsanforderungen von Eltern entstehen“.

Und nicht zuletzt profitiert auch die öffentliche Hand von dem Angebot, denn schließlich muss sie dann weniger öffentlich bezuschusste Kita-Plätze bereitstellen und wird entlastet. Ein Betriebskindergarten sei daher ein Gewinn für alle Seiten, heißt es in der Analyse – eine „Win-Win-Win-Situation“, so die Forscher.

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Dieser Artikel stammt aus der RHEINPFALZ am SONNTAG, der Wochenzeitung der RHEINPFALZ. Digital lesen Sie die vollständige Ausgabe bereits samstags im E-Paper in der RHEINPFALZ-App (Android, iOS). Sonntags ab 5 Uhr erhalten Sie dort eine aktualisierte Version mit den Nachrichten vom Samstag aus der Pfalz, Deutschland und der Welt sowie besonders ausführlich vom Sport.

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