Reise RHEINPFALZ Plus Artikel Urlaub in unsicheren Zeiten: Auf was Reisende besonders achten sollten

Die Welt wird kleiner: Wohin kann man überhaupt noch reisen?
Die Welt wird kleiner: Wohin kann man überhaupt noch reisen?

Die politische Weltlage macht es zur Zeit nicht leicht, eine Reise weit im Voraus zu planen. Wer die Risiken kennt, weiß, worauf er achten sollte.

Von Tinga Horny

Geopolitik ist ein großes Wort, ganz besonders, wenn es um so angenehme Themen wie Urlaub geht. Aber angesichts der Tatsache, dass eine wachsende Zahl von Staaten sich nicht mehr an die globalen Spielregeln hält, beeinflussen besonders die Schachzüge und Machtdemonstrationen weniger Großmächte auch die privaten Ferien jedes Einzelnen. Schließlich möchte jeder die viel beschworenen schönsten Wochen des Jahres in Frieden und Sicherheit verbringen. World Travel Protection, ein Dienstleister, der auf Risikomanagement und Reiseversicherungen spezialisiert ist, hat Punkte ausgemacht, die sich direkt auf die Reiseplanung auswirken.

Der Himmel ist geschlossen

Wann immer bewaffnete Konflikte ausbrechen, gehört zu den ersten Handlungen der betroffenen Staaten die Schließung ihres Luftraums, beziehungsweise, dann meiden die Airlines aus Sicherheitsgründen automatisch den Überflug über Kampfgebiete. Allerdings hat ein gesperrter Himmel die Folge, dass nicht mehr der kürzeste Weg von A nach B geflogen werden kann. Bestes Beispiel: Seit Russlands Angriff auf die Ukraine im Februar 2022 haben sich die Flugzeiten von Europa nach Asien um bis zu drei Stunden verlängert und die Tickets sind entsprechend teurer geworden.

Die Staaten schotten sich ab

Das Ziel des Schengener Abkommens von 1985 war, die Grenzen innerhalb Europas abzubauen. Zurzeit jedoch ist das Gegenteil der Fall, alle Länder kontrollieren ihre Grenzen wieder. Zwar genießen Bürger der Europäischen Union Reisefreiheit, aber nicht selten stehen sie im Stau wegen Zufallskontrollen. Auch die übrige Welt betreibt mit ihren immer strengeren Ein- und Ausreiseregeln Abschottungspolitik. Die USA überlegen, ob sie den X-Vermerk im Reisepass geschlechtsdiverser Personen anerkennen. Die EU traktiert seit Putins Krieg russische Bürger mit Visabeschränkungen und erfasst seit diesem Jahr Nicht-EU-Bürger digital. Mittelfristig wird die Europäische Union eine elektronische Reisegenehmigung verlangen, so wie das schon für Reisen in die USA (ESTA) und seit Kurzem auch für Großbritannien (ETA) notwendig ist. Digitale Reisegenehmigungen erobern Staat für Staat das Grenzwesen. Unbeschwerte Reisefreiheit, das war einmal.

Vorsicht vor Ort

Der Umstand, dass man in ein bestimmtes Land reisen kann, heißt nicht, dass man es auch tun sollte. Das gilt zumindest für alle Staaten, vor denen das Auswärtige Amt warnt, wie zum Beispiel Belarus, Myanmar oder Iran. Hier herrschen jeweils instabile autoritäre Regierungen, die keine Sekunde lang zögern, Massenproteste gewaltsam niederzuschlagen. Wer zwischen die Fronten gerät, hat Pech gehabt. Ausgangssperren, Proteste, Überwachung und Gewalt drohen und schränken den Bewegungsradius erheblich ein. Erschwerend kommt hinzu, dass es oftmals eklatant an medizinischer Versorgung in solchen Ländern mangelt.

Sanktionen erhöhen Kosten

Die geopolitischen Spannungen begrenzen nicht nur die Reisefreiheit, sie führen auch zu spürbar höheren Kosten. Wirtschaftssanktionen unterbrechen nicht nur die Lieferketten, sondern beschleunigen zugleich die Preissteigerung. Die Zölle tun ihr Übriges. Handelskonflikte können sich ganz direkt auf das Reiseverhalten und die Reisekosten auswirken. Kanada ist ein gutes Beispiel: Hier versucht die kanadische Regierung bisher, die USA auf Abstand zu halten. Die Kanadier haben aber längst gehandelt. Sie boykottieren nicht nur US-Waren, sondern reisen auch nicht mehr in die USA. Der Reiseverkehr in die USA ist um rund 40 Prozent eingebrochen.

Das Gute liegt so nah

Abgesehen von kurzfristigen Ereignissen, die zu sofortigen Reaktionen führen, prägen unter anderem auch geopolitische Faktoren langfristige Reisetrends. So hat die weltweit wachsende Unsicherheit den Inlandstourismus wachsen lassen. Reisende verbringen ihre Ferien in der Nähe des Wohnorts. Das ist nicht nur günstiger, sondern auch unkomplizierter und sicherer. Laut dem Welttourismusrat (WTTC) gaben Inlandsreisende 5,3 Billionen US-Dollar im Jahr 2024 aus – ein Anstieg von 5,4 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Fazit für Ferienplaner

Bei Auslandsreisen genügt es heutzutage nicht mehr, sich nur über Strände und Sehenswürdigkeiten zu informieren, sondern auch über die politische Lage. Auf den Seiten des Auswärtigen Amts (www.auswaertiges-amt.de) ist das Wichtigste zu den Punkten Einreise und Sicherheit nachzulesen. Ein Blick auf die Reisewarnungen, also die Länder, von denen die Behörde dringend abrät, schadet ebenfalls nicht. Insgesamt gibt es aber erheblich mehr Teilreisewarnungen für bestimmte Regionen eines Landes. Allein das ist bereits ein Hinweis, dass starke politische, ethnische oder religiöse Spannungen herrschen können. Es gilt die Faustregel: Je weiter das Reiseziel von Zuhause entfernt ist, desto besser sollte man sich über die politische Lage informieren und bei Krisen jederzeit bereit sein, seine Reisepläne zu ändern oder anzupassen.

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Dieser Artikel stammt aus der RHEINPFALZ am SONNTAG, der Wochenzeitung der RHEINPFALZ. Digital lesen Sie die vollständige Ausgabe bereits samstags im E-Paper in der RHEINPFALZ-App (Android, iOS). Sonntags ab 5 Uhr erhalten Sie dort eine aktualisierte Version mit den Nachrichten vom Samstag aus der Pfalz, Deutschland und der Welt sowie besonders ausführlich vom Sport.

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