Reise RHEINPFALZ Plus Artikel Nepal zu Fuß: Abenteuer zwischen Eisgipfeln und Yakweiden

Manchmal vergehen Jahrzehnte zwischen einer Idee und ihrer Verwirklichung: Angekommen auf dem Dach der Welt.
Manchmal vergehen Jahrzehnte zwischen einer Idee und ihrer Verwirklichung: Angekommen auf dem Dach der Welt.

Vor 36 Jahren blickte unser damals 25-jähriger Autor aus dem Flugzeug auf die Himalajakette. Jetzt startete er zu einer Trekkingtour in Nepal.

Ein kleiner Schritt bergauf, dann Pause. Gierig die dünne Luft in die Lungen ziehen. Ein kurzer Blick auf den steilen Pfad zum Gipfel des Kyanjin Ri, wo auf 4773 Metern bunte Gebetsfahnen im Wind flattern. Danach wieder Schritt für Schritt nach vorne. Mit ein bisschen Zähigkeit an diesem fünften Wandertag wird man die Bergspitze auch bald vollends erreichen. Atemlos können wir ein wenig nachvollziehen, was echte Bergsteiger leisten, die in viel höheren Regionen in Schnee und Eis unterwegs sind.

Hier sind die Voraussetzungen ganz andere. Schließlich besteht die zwölfköpfige Gruppe aus zusammengewürfelten Freizeit-Wanderern im Alter von 25 bis 72 Jahren, die eine geführte Wanderreise gebucht haben. Zwei Freundinnen, ein Geschwisterpärchen und vier alleinereisende Frauen sind im Team, außerdem vier einzelne Männer.

Vier Tage und nur 30 Kilometer geschafft

Der 4773 Meter hohe Kyanjin Ri ist der zweithöchste Punkt der elftägigen Trekking-Tour; die letzten 100 Höhenmeter sind ein nicht nur körperlicher, sondern auch innerer Kraftakt. Irgendwann lassen Lust und Energie nach, noch mehr Kraft in den immer steiler werdenden Aufstieg zu investieren. Dann aber sind es nur noch ein paar Schritte bis zur Spitze, und der Ausblick auf dem mit Gebetsfahnen geschmückten Gipfel ist grandios. Schlicht überwältigend aber ist das Panorama mit den Fünf- und Sechstausendern und dem 7227 Meter hohen Langtang Lirung. Nach wie vor ist der nepalesische Himalaja eine der beliebtesten Trekkingregionen der Welt. Immerhin liegen acht der 14 Achttausender auf nepalesischem Staatsgebiet, zwei davon, der Manaslu und die Annapurna sind auch auf dieser Tour zu sehen. Die ersten Tage sind leicht zu bewältigen. Mal stehen fünf bis sechs Stunden auf dem Plan, dann wieder nur drei Stunden. Das stete Auf und Ab führt die Truppe in vier Tagen auf nur knapp 30 Kilometern Gehstrecke von 1500 auf 3800 Höhenmeter, und die Luft wird deutlich dünner. „Wenn ihr zu schnell nach oben steigt oder zu viel Kraft verbraucht, werdet ihr höhenkrank“, mahnt Tourguide Raj Koma Rai. Vor allem nachts sinken die Temperaturen im oberen Langtang-Tal deutlich unter den Gefrierpunkt. Entsprechend schwer fällt es, sich morgens aus dem warmen Schlafsack zu schälen. Wer sich dann noch überwinden kann, das eiskalte Wasser aus einem Stahlrohr im Hof der Berghütte zum Waschen zu nutzen, ist auf jeden Fall hellwach.

Da die Trekkinggruppe vor dem morgendlichen Start meist noch ein wenig hüftsteif ist, kommt Bianca ins Spiel. Die Mitwanderin spornt die Gruppe alle paar Tage zu einer Yoga-Aufwärmrunde an. Zu den fließenden Bewegungen legt sie indisch-nepalesische Musik auf. Als Krönung gibt es einen Blick auf die schneebedeckten Bergriesen und die gerade aufgehende Sonne – schöner kann ein Morgen kaum beginnen.

Magischer Blick bei Vollmond

Das landschaftlich so bezaubernde Langtang-Tal ist bis heute von einer Naturkatastrophe geprägt. Beim Erdbeben 2015 starben in ganz Nepal fast 9000 Menschen. Im Tal verlor nahezu jede Familie Angehörige oder Bekannte. Eine Mure zerstörte nach dem Beben den gesamten Ort Langtang mit mehr als 55 Hotels und Wohnhäusern vollständig. Dass heute überhaupt wieder Hotels hier stehen, ist vor allem zwei westlichen Initiativen zu verdanken: Die Non-Profit-Organisation Atmosfair, die ihre Einnahmen vor allem durch CO2-Ausgleichszahlungen für Flüge erwirtschaftet, stellte Geld zur Verfügung, um Hotels und Berghütten möglichst klimaneutral und ökologisch wiederaufzubauen. Der Reiseveranstalter Hauser Exkursionen erarbeitete zusammen mit den Hotelbesitzern Standards für die neuen Unterkünfte und gab die Garantie, dafür weit höhere Übernachtungspreise zu zahlen als üblich.

Ohne Initiativen wie diese wären Trekkingreisen in das Tal wohl noch lange nicht möglich, und das wäre schade: Der Blick auf den Langtang Lirung mit seinem weißen Gipfel ist bei Vollmond magisch, das Plätschern der wasserbetriebenen Gebetsmühlen am Wegesrand so beruhigend, dass man gerne ein wenig länger bleibt und vielleicht dabei den markanten Kontrast zwischen den schneebedeckten Bergriesen und den sattgrünen Weiden der Yaks erst so richtig wahrnimmt. Trotz der Schönheit der Landschaft ist Anja irgendwann kräftemäßig am Ende. „Was für eine Scheißidee“, keucht die liebenswerte Pfälzerin bei ihrer sehr späten Ankunft an der Hütte. Es ist auch für alle anderen ein nicht immer einfacher Lernprozess auf dieser Tour, an manchen Tagen über sich selbst hinausgehen zu müssen.

Blick Ausblick belohnt für alle Anstrengungen

Dass ein Treck wie dieser auch ein Stück Abenteuer ist, zeigt sich am vorletzten Wandertag. Nach einem unerwarteten Wintereinbruch muss die Gruppe an den beiden letzten Etappen fast 3000 Höhenmeter absteigen. Eine weggeschwemmte Brücke hat das ursprüngliche Ziel von der Außenwelt abgeschnitten. Zudem ist der 4610 Meter hohe Pass Laurebina La noch immer weitgehend zugeschneit. Doch der Aufstieg durch den festen Schnee ist einfacher als gedacht, und auf dem Scheitel des Passes ist ohnehin alles vergessen.

Der Rundumblick aus dieser gewaltigen Höhe auf die noch viel weiter in den Himmel ragenden Gipfel belohnt für alle Anstrengungen. Der Anblick der Himalajakette und das Glücksgefühl, Momente wie diese erleben zu dürfen, ist mit kaum etwas zu vergleichen. Selbst Tenny, die erst 32 ist, aber wandernd schon die halbe Welt gesehen hat, ist überwältigt. „Wem das nicht gefällt,“ sagt sie mehr zu sich selbst als zu ihren Begleitern, „dem gefällt gar nichts.“

Nepal

Anreise
Turkish Airlines (www.turkishairlines.com) fliegt ab Stuttgart über Istanbul nach Kathmandu. Von Frankfurt fliegt Qatar über Doha (www.qatarairways.com).

Veranstalter
Hauser Exkursionen führt die Trekkingtour in die Langtang-Helambu-Region 2026 viermal durch. 16 Tage mit Flügen, Trekking, Verpflegung und Übernachtungen kosten ab 2890 Euro, www.hauser-exkursionen.de/reisen/nepal/langtang. Eine ähnliche Tour bietet Bedu-Expeditionen ab 2810 Euro an, www.bedu.de/.

Unterkunft
Auch bei einer pauschal gebuchten Wanderreise lohnt es sich, einige Tage in Kathmandu zu verbringen. Das Divine Kathmandu Hotel ist gepflegt und sauber, mitten im Touristenzentrum Thamel. Doppelzimmer ab 31 Euro,www.divinekathmanduhotel.com. Zentral liegt auch das hübsche Kailash Boutique Hotel. Doppelzimmer ab 60 Euro, www.kailashboutiquehotel.com.

Allgemein
Nepal Tourismus, www.ntb.gov.np

Info

Dieser Artikel stammt aus der RHEINPFALZ am SONNTAG, der Wochenzeitung der RHEINPFALZ. Digital lesen Sie die vollständige Ausgabe bereits samstags im E-Paper in der RHEINPFALZ-App (Android, iOS). Sonntags ab 5 Uhr erhalten Sie dort eine aktualisierte Version mit den Nachrichten vom Samstag aus der Pfalz, Deutschland und der Welt sowie besonders ausführlich vom Sport.

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