Grüner Bereich RHEINPFALZ Plus Artikel Nachhaltigkeitskolumne: Infrastruktur im Dorf

Astrid Jung lebt in Neustadt. Sie war lange Zeit als Nachhaltigkeitsmanagerin in der Wirtschaft tätig und gestaltet ihr Leben mö
Astrid Jung lebt in Neustadt. Sie war lange Zeit als Nachhaltigkeitsmanagerin in der Wirtschaft tätig und gestaltet ihr Leben möglichst klimaneutral.

Manchmal braucht es keine teure Infrastruktur, um miteinander verbunden zu sein.

Vor zwei Jahren war ich auf Fahrradurlaub in der Westpfalz: 15 Kilometer vor meinem Ziel endete plötzlich der Radweg, mit einem mulmigen Gefühl fuhr ich weiter auf der einspurigen, kurvigen Landstraße. Aber meine Sorgen waren unbegründet: Die Autos schlichen fast in Schrittgeschwindigkeit an mir vorbei. Später erklärte mir eine Dorfbewohnerin, dass man hier gut auf Radfahrer aufpasse. Der kleine Ort – der hier stellvertretend für viele andere in der Pfalz steht – ist zwar nicht besonders gut angebunden. Dafür sind seine Bewohner außergewöhnlich gut miteinander verbunden. Ihre Rücksichtnahme und gegenseitige Unterstützung ersetzt so den Ausbau der Landstraße oder die Einrichtung eines Radwegs.

Das wird auch bei meinem Besuch in dem kleinen Tante-Emma-Laden vor Ort deutlich. Er ist täglich zwei, drei Stunden geöffnet, und man bekommt dort alles, was man braucht. Inklusive Dampfnudeltag. Er ist nicht nur Markt, sondern der Ort, an dem man sich trifft und auf dem Laufenden hält. Alle unterstützen das Geschäft und so haben in dem Dorf auch weniger mobile Menschen eine Einkaufsmöglichkeit. Für mich ist der Westpfälzer Ort das perfekte Beispiel, wie Infrastruktur im Kleinen funktionieren kann – ohne dass Millionen für neue Straßen oder den Ausbau des Schienennetzes ausgegeben werden müssen.

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