Pfälzische Geschichte
Mäßig radikal: Die Novemberrevolution 1918 in der Pfalz
Die Messe betrachtet man vielleicht ein wenig vorschnell als bereits gelesen. „In ganz Deutschland hat die Revolution gesiegt!“, schreibt die sozialdemokratische „Pfälzische Post“ am 10. November 1918. „Binnen wenigen Tagen ist die gesamte bürgerliche Staatsherrlichkeit zusammengebrochen!“ Dass manche hochproblematischen Teile von Staatlichkeit ein langes Nachleben haben, wird zu einem der Kernprobleme der Republik von Weimar, aber so weit ist man noch nicht: November 1918, Revolution in Deutschland und der Pfalz.
Republik in Berlin, Freistaat in München
In der Nacht zum 8. November hat der USPD-Politiker Kurt Eisner in München den „Freistaat Bayern“ ausgerufen, gemeint ist damit ursprünglich: frei von Monarchie und König. Am 9. November ruft der SPD-Politiker Philipp Scheidemann in Berlin die Republik aus, zwei Stunden später verkündet Karl Liebknecht als Führer des Spartakusbundes die „freie sozialistische Republik“. Das Ende des Großen Krieges: Die alten Eliten haben volle Deckung genommen, und die Arbeitervertreter, in sich uneins, dürfen die Scherben zusammenkehren.
Arbeiter- und Soldatenräte werden in Ludwigshafen und Kaiserslautern am 9. und 10. November gebildet, wenig später folgen andere pfälzische Städte. Zu den radikalsten ihrer Art gehören die pfälzischen Räte durchaus nicht: Der Ludwigshafener kritisiert schon Ende November „das unverantwortliche Treiben der Spartakusgruppe“, und befürwortet Wahlen zu einer Nationalversammlung – im Prinzip auch die Linie der SPD, die die Räte vielerorts dominiert.
Die Angst vor der Annexion
Dass man in der Pfalz wenig radikal agiert, hängt wohl auch mit der verbreiteten Angst zusammen, nach dem verlorenen Krieg von Frankreich annektiert zu werden: Internationalismus zieht da nicht wirklich. Der Volksrat Bad Dürkheim beispielsweise verwahrt sich gegen die Spartakisten genauso wie gegen alle Pläne, „die Lande des linken Rheinufers von dem Mutterlande zu trennen“.