Der Weintipp
Finesse, fast zerbrechlich: Ein roter Hauch von Mallorca
Nach 1862, als die Reblaus Frankreichs Weinberge verwüstete, wurde Mallorca 30 Jahre lang zum höchst erfolgreichen Weinexporteur. Dann aber war der Spuk vorbei. Um 1980 gab es noch eine Handvoll Kellereien und kaum 500 Hektar Weinberge. Erst etwa 1990 begannen Pioniere wie Ribas oder Miquel Gelabert, die Kalkmergelböden mit hohem Eisenanteil wieder für den Anbau hochwertiger Weine zu nutzen. Ihr Erfolg ermutigte weitere Kellermeister und Investoren. Heute pflegen über 100 Bodegas über 3000 Hektar Weinberge. Einige Weine genießen weltweite Anerkennung. Auch der zunehmende „hochwertige“ Tourismus wusste die Schönheit des Landes, die gepflegte alte Bausubstanz, stilvolle Bodegas, hervorragende Gastronomie und lokale Weine zu schätzen.
Anfangs überwogen bei den Neupflanzungen internationale Rebsorten wie Cabernet-Sauvignon, Syrah oder Merlot, die zweifellos – manchmal im Cuvée mit lokalen Sorten – interessante Weine erbringen. Mittlerweile jedoch sind alte mallorquinische Reben, die teilweise fast vergessen waren, wieder auf dem Vormarsch. Weißwein kann sommerlich-leichter Premsal, cremiger Giró Ros oder traditionsreicher Malvasía sein. Bei den Roten sind Mantonegro, Callet und Gorgollassa erfolgreich. Sie haben bei Unterschieden im Detail alle drei relativ geringe Farbe und Säure sowie wenig Gerbstoff – alles oft Hinweise auf einfache Weine. Doch das ist ein Irrtum. Ihre Stärke liegt in der noblen Zartheit, einer fast zerbrechlichen Finesse – ganz anders als die kraftvollen Roten vom spanischen Festland.
Tomeu Llabrés ist mit seiner Bodega Ca’n Verdura einer der jungen Kellermeister, die die Feinheit der mallorquinischen Roten am besten herauszukitzeln verstehen. Sein Mantonegro „Supernova“ wächst in sehr alten Mantonegro-Weinbergen und zeigt die typischen zarten Aromen von Kirschen, Sauerkirschen, Brotkruste und Vanille des Mantonegro. Cremig-weich im Mund, aber mit großer Geschmackstiefe ist er ein ganz typischer Mallorquiner.
Der Wein
2022 Mantonegro „Supernova“, Bodegas Ca’n Verdura. Bezug: Der Mallorquiner, Telefon: 02222/9273611, www.mallorquiner.com, 15,90 Euro
Der Autor
Jürgen Mathäß ist Weinjournalist und Seminarleiter, er war Chefredakteur verschiedener Weinzeitschriften und ist Experte für Pfälzer Weine sowie für die Weine der iberischen Halbinsel und Südamerikas. Seit 2007 schreibt alle zwei Wochen den „Weintipp“ für die RHEINPFALZ am SONNTAG. Er lebt in Landau-Arzheim.

Dürfen wir nachschenken?
Was sind die Trends der Weinszene? Welche Neuigkeiten gibt es von den Weingütern in der Region? Was ist Naturwein? Wie arbeitet ein Kellermeister? Und wo stehen Weinautomaten in der Pfalz? In unserem kostenlosen Newsletter „Entkorkt" liefern wir alle zwei Wochen Weinwissen für Pfälzer Weinliebhaber.
Wer nicht lesen will, kann hören: Sie wollten schon immer wissen, wie man die vielen Flaschen Wein, die man zu Hause hat, am besten lagert? Oder welche Unterschiede es zwischen verschiedenen Rebsorten gibt? Dann sind Sie hier genau richtig: In unserem kostenlosen Podcast "Wissensdurst" löchern Vanessa Betz und Rebecca Singer die Weinexpertin Janina Huber mit Fragen rund um das Thema Wein.

