1. FC Kaiserslautern RHEINPFALZ Plus Artikel FCK-Wahnsinn gegen Heidenheim: Die Joker stechen

Wahnsinn: Philipp Hercher erzielt in der fünften Minute der Nachspielzeit das Tor zum 2:2-Endstand.
Wahnsinn: Philipp Hercher erzielt in der fünften Minute der Nachspielzeit das Tor zum 2:2-Endstand.

Der FCK sieht wie der sichere Verlierer aus. Doch mit zwei Toren durch in der Nachspielzeit ziehen die Roten Teufel den Kopf noch aus der Schlinge.

Der Kreis war sehr illuster. Der Privatsender Sky hatte den 1. April als besten Samstag des Jahres angekündigt. Am Morgen Formel 1, dann unter anderem die fußballerischen Leckerbissen Manchester City gegen FC Liverpool, FC Chelsea gegen Aston Villa, FC Bayern München gegen Borussia Dortmund – und am Ende der 1. FC Kaiserslautern gegen den 1. FC Heidenheim. Das Beste zum Schluss quasi.

So kam es auch. Die Roten Teufel wendeten in einer dramatischen Schlussphase ein schon verloren geglaubtes Spiel doch noch. 2:2 (0:0) hieß es am Ende vor 41.543 Zuschauern im Fritz-Walter-Stadion (zum Liveticker). Ja, das Wunder war vollbracht – der FCK hat die 40-Punkte-Marke mit dem Unentschieden geknackt. Die Lauterer Anhänger hatten in der Westkurve vor dem Spiel Wunderkerzen abgebrannt. Der Funke sprang zwar von der Tribüne auf das Spielfeld. Aber das große Feuerwerk des FCK blieb zunächst aus. Zunächst.

Erst Bollwerk, dann zwei Böller

In der Schlussphase zündete der FCK zwei Böller in Form von zwei tollen Toren innerhalb von wenigen Minuten. Nicolas de Préville verkürzte mit einem feinen Schlenzer auf 1:2 (90.+3.), schließlich glich Philipp Hercher mit einem Schuss in den Winkel zum 2:2 aus (90.+5.).

Es war jedoch ein schmeichelhaftes Unentschieden. Trainer Dirk Schuster begann mit einer defensiven Ausrichtung. Jean Zimmer, Kevin Kraus, Boris Tomiak, Erik Durm, Nicolai Rapp und Robin Bormuth bildeten das Abwehrbollwerk. Bormuth hatte die Aufgabe, Heidenheims Tim Kleindienst auszuschalten. Das gelang dem Innenverteidiger fast fehlerfrei. Aber nur fast. Der beste Torjäger der Zweiten Fußball-Bundesliga schraubte sein Trefferkonto nämlich in der 53. Minute auf nun 20.

Gegentor wie aus dem Nichts

Jener Schuss kurz nach Anpfiff zur zweiten Halbzeit kam aus dem Nichts. Heidenheim hatte bis dahin keine ernsthafte Chance, aber erspielte sich nach dem Führungstreffer von Kleindienst ein Übergewicht. Der FCK stand gut in der Abwehr. Die ließ wenig zu. „Das war die beste Abwehrleistung in dieser Saison“, sagte der starke Robin Bormuth. Im Grunde war Kleindiensts Schuss aus 18 Metern nicht zwingend eine echte Torchance. Aber er war gut platziert. Auch das 2:0 (75.) entsprang einem Schuss aus der Ferne.

Aktivposten: Aaron Opoku (rechts) war offensiv der auffälligste Spieler des 1. FC Kaiserslautern.
Aktivposten: Aaron Opoku (rechts) war offensiv der auffälligste Spieler des 1. FC Kaiserslautern.

Der Ex-Lauterers Florian Pick zirkelte den Ball gefühlvoll aus 20 Metern über den zu weit vor seinem Tor stehenden Andreas Luthe ins Netz. Heidenheim sah wie der sichere Sieger aus. Als Boris Tomiak den eingewechselten Christian Kühlwetter foulte und Schiedsrichter Robert Hartmann Elfmeter pfiff, schien alles nach einer Abreibung für den FCK auszusehen. Kleindienst schoss an den Pfosten. „Wenn man weiß, wie das Spiel dann ausging, hätte ich mir den Elfmeter lieber erspart“, sagte Heidenheims Trainer Frank Schmidt.

Elfmeter als Signal

Der verschossene Elfer war eine Initialzündung. Lautern spielte nun Alles oder Nichts. Die Mannschaft bewies Moral und Willensstärke. „In der Halbzeit hatte keiner gedacht, was es hier noch für ein Spektakel geben wird“, sagte Schmidt.

Für das Spektakel sorgten eben die beiden eingewechselten de Préville und Hercher. „Bitter, dass wir die letzte Aktion nicht mehr wegverteidigen können, aber das 2:2 wirft uns nicht um“, sagte Schmidt.

Seine Mannschaft tat sich schwer gegen eine – speziell in der ersten Halbzeit – kompakt stehende FCK-Elf. Lautern hatte durchaus etwas mehr vom Spiel. Immer wieder blitzte das Können von Aaron Opoku auf. Doch das Tor wollte nicht fallen. Denn eine echte, zwingende Chance hatte der FCK auch wieder nicht. Heidenheim stand ebenso sicher in der Abwehr. Nach vorne lief bei den Roten Teufeln nicht viel zusammen. Es fehlte das Selbstvertrauen.

Tugenden verflogen – bis zur Schlussphase

Terrence Boyd lief in der 62. Minute alleine auf das Tor zu. Doch anstatt aus 15 Metern abzuziehen, versuchte der Stürmer es mit einem Haken. Die Unbekümmertheit, die Galligkeit, die Abgebrühtheit in der Offensive ist weg. Von Effektivität erst gar nicht zu sprechen. Was den Aufsteiger in der Hinrunde alles auszeichnete, schien gegen Heidenheim lange Zeit wie verflogen. Bis zur Schlussphase.

„Unser Plan war ein aggressives Zweikampfverhalten. Wir wollten Nadelstiche setzen“, sagte FCK-Trainer Dirk Schuster: „Wir haben eine richtig gute erste Halbzeit gespielt. Wir haben an uns geglaubt. Schön, dass es zwei Jokertore waren, die uns den Ausgleich bescherten.“

So spielten sie

1. FC Kaiserslautern: Luthe - Zimmer, Kraus, Bormuth, Durm (79. Zuck) - Rapp (72. Klement), Tomiak - Opoku, Ritter (79. Lobinger), Hanslik (64. Hercher) - Boyd (79. de Préville)

1. FC Heidenheim: Müller - Busch, Siersleben, Mainka, Föhrenbach - Maloney (86. Ramusovic) - Pick (90. Rittmüller), Schöppner, Sessa (46. Schimmer), Beste (86. Kühlwetter) - Kleindienst

Tore: 0:1 Kleindienst (53.), 0:2 Pick (75.), 1:2 de Préville (90.+3), 2:2 Hercher (90.+5) - Gelbe Karten: Hanslik (3), Rapp (2) - Beste (4), Sessa (3) - Beste Spieler: Kraus, Opoku, Hercher - Kleindienst, Föhrenbach, Pick - Zuschauer: 41.543 – Schiedsrichter: Hartmann (Wangen).aboe

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