Fußball RHEINPFALZ Plus Artikel Fatale Notbremse: Bayern verliert in Mönchengladbach

Dayot Upamecano sieht die Rote Karte und kann es nicht glauben. Joshua Kimmich scheitert mit seinem Einspruch bei Schiedsrichter
Dayot Upamecano sieht die Rote Karte und kann es nicht glauben. Joshua Kimmich scheitert mit seinem Einspruch bei Schiedsrichter Tobias Welz.

Das Titelrennen wird immer spannender. Der FC Bayern München verliert das Spiel bei Borussia Mönchengladbach mit 2:3 – auch wegen einer frühen Roten Karte. Danach rastet Trainer Julian Nagelsmann aus und beschimpft den Schiedsrichter übel.

Eine der Szenen des 21. Bundesliga-Spieltags ereignete sich in Mönchengladbach schon in der achten Spielminute. Nach einem weiten Schlag Ramy Bensebainis flog der Ball Richtung Tor des FC Bayern, Dayot Upamecano und der Gladbacher Stürmer Alassane Pléa stiegen ins Laufduell ein, Pléa war schneller, kurz vor dem Strafraum touchierte ihn sein Landsmann am Oberkörper, Pléa kam zu Fall. Schiedsrichter Tobias Welz hielt Upamecano die Rote Karte vor die Nase. Notbremse! Upamecano konnte es nicht glauben.

Sein Trainer Julian Nagelsmann noch viel weniger. „Das ist doch ein Witz, will der mich verarschen oder was?“, rief Nagelsmann nach dem Abpfiff deutlich verständlich in den Katakomben und klopfte entschlossen an die Tür zur Schiedsrichter-Kabine. Als er nach rund zwei Minuten wieder herauskam, fluchte er für alle laut hörbar in der Mixed Zone. Im Interview von ZDF und Sport1 darauf angesprochen, dass er dabei „weichgespültes Pack“ gesagt haben soll, meinte Nagelsmann: „Ja, aber damit meine ich ja nicht immer die Schiedsrichter.“ Später entschuldigte sich Nagelsmann bei Twitter beim Unparteiischen Tobias Welz. „Emotionen gehören zum Sport dazu“, schrieb er: „Und angesichts der Roten Karte musste ich mir nach dem Spiel Luft machen. Allerdings muss ich mich für die Wortwahl gegenüber dem Team rund um Tobias Welz entschuldigen. Da bin ich leider eindeutig zu weit gegangen.“

Zündstoff in München

Der Wutausbruch Nagelsmanns birgt nun zusätzlich zur sportlichen Situation ordentlich Zündstoff beim FC Bayern und dürfte den Rekordmeister ein paar Tage beschäftigen.

Gespielt wurde davor übrigens auch noch: Die Bayern agierten also vor 54.042 Zuschauern mehr als 80 Minuten lang zu zehnt, für Offensivspieler Thomas Müller kam Verteidiger Joao Cancelo – und nur fünf Minuten später kassierte der Champion bereits den nächsten Tiefschlag. Nach einem klug ausgeführten Freistoß von Jonas Hofmann erzielte Borussen-Kapitän Lars Stindl das 1:0. Yann Sommer kam nicht an den Ball. Mehr als acht Jahre lang hütete Sommer das Tor der Borussia, am Samstag wurde er von Vizepräsident Rainer Bonhof und Sportdirektor Roland Virkus offiziell verabschiedet. Die Gladbacher Fans spielten mit, applaudierten ihrem langjährigen Keeper, seit Ende Januar der Vertreter des verletzten Manuel Neuer.

Angstgegner schlägt zu

Die Borussia ließ die Bayern im Spiel und in der 35. Minute markierte Eric Maxim Choupo-Moting das 1:1. Wirbelwind Alphonso Davis war auf dem Flügel nicht zu stoppen, seine Hereingabe verwertete der Stürmer zum Ausgleich.

Die dezimierten Bayern hielten das Match offen. Sie hatten gar mehr vom Spiel – aber sie kamen nicht zu richtigen Chancen. Der Champions-League-Knüller am Dienstag bei Paris St. Germain kostete natürlich Kraft. Die Borussia nutzte die erste Unzulänglichkeit in der Bayern-Defensive in der zweiten Halbzeit. Nach einem Ballverlust setzte Jonas Hofmann Alassane Pléa ein, Pléa spielte den Ball zurück und Hofmann brachte Gladbach wieder in Führung. In der 84. Minute entschied Marcus Thuram das Spiel, der Anschlusstreffer von Mathys Tell in der Nachspielzeit kam zu spät. „Das ist ein guter Tag für uns. Das waren wichtige drei Punkte. Das tut uns richtig gut, für die Stimmungslage. Wir waren mutig heute“, resümierte Gladbachs Trainer Daniel Farke. Am vergangenen Sonntag kassierten die „Fohlen“ ja ein 1:4 bei Hertha BSC, zuvor gab es ein 0:0 gegen Schalke 04. „Die Rote Karte hat uns in die Karten gespielt. Heute ging es um Haltung“, sagte Kapitän Lars Stindl mit Blick auf die Niederlage in Berlin.

So bleibt es dabei: Borussia Mönchengladbach lehrt dem FC Bayern München das Fürchten, ja, die Borussia ist der absolute Angstgegner des Rekordmeisters. Das war bereits das fünfte Spiel hintereinander, das die Bayern nicht gegen die Borussia gewannen. Siegt Union Berlin am Sonntag, ist die Tabellenführung weg.

Es brodelt: Bayern-Coach Julian Nagelsmann tobte auf dem Feld und später in den Katakomben: „Das ist doch ein Witz, will der mic
Es brodelt: Bayern-Coach Julian Nagelsmann tobte auf dem Feld und später in den Katakomben: »Das ist doch ein Witz, will der mich verarschen oder was?«
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